Nur im Nebensatz erwähnt
Privat-TVs und -Radios im Goldenen Dreieck sind in Tamedia-Hand
Über die eingekaufte LH-Holding und deren Tochter Medag, vermarktet die Tamedia nicht nur Radio Basilisk, sondern auch Tele Basel. Die Medag ist die Exklusiv-Buchungsstelle für Werbung auf Tele Basel. Doch derzeit tut die Tamedia so, als sei ihr dieser Aspekt des Basilisk-Deals unwichtig oder beinahe entgangen. An der Pressekonferenz vor eineinhalb Wochen wurde darüber jedenfalls kein Wort gesagt. Und darauf angesprochen spielte Tamedia-Sprecher Peter Hartmeier die Sache herunter: Tele Basel? – Ach ja, es sei in der Konzernleitung einmal erwähnt worden, aber nur in einem Nebensatz. Nebenbei: Nicht einmal Tele Basel hielt diesen Aspekt in seiner Berichterstattung für erwähnenswert.
Finanziell ist dieser Aspekt des Basilisk-Deals tatsächlich (noch) kaum erwähnenswert, strategisch hingegen schon. Denn die Medag in Basel, die Belcom in Zürich und die Conradio in Bern haben zwei Dinge gemeinsam: Sie vermarkten jeweils eines der lokalen Radios sowie das lokale Privat-TV, und sind entweder ganz oder – im Fall der Conradio – immerhin zu 49 Prozent in der Hand der Tamedia. Was für die Vermarktung gilt, hat auch in vermindertem Mass für die Medien selbst Gültigkeit: Tele Züri, Radio 24, Radio Basilisk sind ganz in Tamedia-Hand, und über ihren 49-Prozent-Anteil an der Berner Zeitung sind die Zürcher an ExtraBern und Tele Bärn beteiligt. Einzig Tele Basel ist weitgehend unabhängig, weil ihre Trägerin eine Stiftung ist. Über den LH-Verwaltunsgrats-präsidenten Hans-Ruedi Ledermann ist die Tamedia immerhin im siebenköpfigen Stiftungsausschuss vertreten. Kurz: Der Medienkonzern redet künftig ein gewichtiges Wörtchen bei den elektronischen Medien im Goldenen Dreieck mit oder bestimmt gar deren Geschicke.
Das ist der Ist-Zustand. Doch weshalb soll es so bleiben? Hartmeier sagt offen, dass die Tamedia daran interessiert sei, zumindest den Bereich Radio mit Zukäufen zu erweitern. Gerüchtweise ist denn auch zu hören, dass bereits Gespräche mit der Berner Zeitung laufen, mit dem Ziel, der Tamedia Radio ExtraBern oder Conradio ganz zu überlassen. «Wenn das so wäre, würde ich es Ihnen nicht sagen», sagt Hartmeier auf Anfrage. Und auf den Hinweis, das sei kein Dementi, entgegnet er: «Tamedia und die Espace Media Groupe (EM) haben traditionellerweise eine gute Beziehung.»
Aus Bern war keine Stellungnahme erhältlich. Doch aus Sicht der EM-Groupe wäre ein Verkauf zumindest von Conradio sinnvoll. Wenn künftig die ganze Vermarktung der elektronischen Medien im Goldenen Dreieck in einer Hand liegen würde, könnten Synergien besser genutzt und gemeinsame Angebote einfacher ausgearbeitet werden (Pool, Kombi mit 20 Minuten…). Hartmeier betont, dass die Tamedia künftig in der Radiobranche mehr Professionalisierung, Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit bringen will. Tatsächlich gäbe eine Zentralisierung der angeschlagenen Privatradio- und -TV-Branche einen starken Impuls und den zerstrittenen Vermarktern Radiotele und IP Multimedia einen Tritt in den Hintern. Dies böte Gewähr, dass finanziell angeschlagene Radios wie ExtraBern (WW 21/02) sich wieder aufrappeln oder dass TV-Defizite wie das von Tele Bärn (15 Millionen Franken) vermindert werden.
Rosigere Zeiten für Tele Basel
Seit Januar 2002 gilt zwischen der Tele Basel und der Medag ein neuer Vermarktungs-Vertrag (ohne Sponsoring) – rechtzeitig zum Besitzerwechsel bei der Medag. Den Unterschied beschreibt der Geschäftsführer von Tele Basel Willy Surbeck so: «Die Medag hatte vorher ungeheure Exklusivitäten, war aber nicht gezwungen, irgendwelche Gegenleistungen zu erbringen.» Zwar bleibe die Medag Exklusivbuchungsstelle für Tele Basel, nicht aber einzige Akquisiteurin. Vorher seien Drittakquisiteure praktisch ausgeschlossen gewesen, heute würden sie fast gleich viel erhalten wie die Medag. Und je grösser das Volumen eines Drittakquisiteurs sei, desto kleiner werde der Handlinganteil der Medag – auch in absoluten Zahlen. Zudem sei der neue, dreijährige Vertrag jederzeit kündbar, falls die Medag die vereinbarten Umsatzerwartungen nicht erbringe.
Das zeitigt bereits Erfolg: Bei der Medag akquirieren heute doppelt so viel Personen wie noch letztes Jahr für Tele Basel – und ihr Umsatz ist gemäss Surbeck, verglichen mit den ersten fünf Monaten des Vorjahres, doppelt so hoch. Dazu kommt der Umsatz weiterer Akquisitionsfirmen.
Das weckt den alten Argwohn, wonach die Medag bisher die Werbeströme primär auf die Mühlen von Radio Basilisk geleitet und Tele Basel unterernährt habe. «Ein solcher Verdacht kam uns auch schon, doch mit dem neuen Vertrag haben wir ihn
nun ausgemerzt», bestätigt Heinrich Löffler, Ausschusspräsident der Tele-Basel-Trägerin Stiftung Kabelnetz.
