Kopf der Woche: «Im heutigen moralischen Korsett sind globale Marken verletzlich geworden»
Dominik Imseng ist neuer CD von McCann-Erickson, Zürich, und schärft jetzt seine Sicht auf globale Marken
Dominik Imseng ist neuer CD von McCann-Erickson, Zürich, und schärft jetzt seine Sicht auf globale MarkenKopf der Woche «Im heutigen moralischen Korsett sind globale Marken verletzlich geworden»
Ja, er habe wohl so manches der Werbung zu verdanken, scherzt Dominik Imseng (34), macht es sich im Ron-Arad-Stuhl bequem und zählt auf: seinen Job – er wird im September neuer CD bei McCann-Erickson, Zürich –, seine Frau, die ebenfalls in der Branche tätig war, und Sohnemann Finian, sein ganzer Stolz. Der frisch gebackene CD wurde am 14. Juli zum ersten Mal Vater.
Auf Imseng wartet das strategische Mitlenken von bedeutenden Kunden. Künftig werde er «globale, aber keine imperiale Brands» wie Coca-Cola oder American Airlines in der Schweiz betreuen. Respektable Marken, «die auf viele eine fast schon spirituelle Anziehung haben», sagt Imseng. Selten und beiläufig nur dringt sein abgeschlossenes Philosophie-Studium durch. Viel lieber ist ihm, mehr Lakonik in die Werbung einzubringen, sie soll «sensibel, aber nicht sentimental» sein.
Dass man als tief schürfender Denker in einer «oberflächlichen» Branche wie der Werbung landen könne, findet Imseng nicht aussergewöhnlich. In der Komplexität einer Marke gäbe es durchaus philosophische Dimensionen. «Es ist faszinierend, wie diese immateriellen Gebäude errichtet werden. Man kann über eine Marke auf genauso hohem Niveau nachdenken wie über die Freiheit, das Schöne oder das Gute.»
Im heutigen moralischen Korsett gehe es nicht nur darum, Brands wachsen zu lassen, sondern sie wachzurütteln. So liegt es auf der Hand, dass Imseng «geistvolle Werbung machen will». Den gestiegenen Netzwerkanteil der Zürcher Agentur weiss er zu relativieren: «In guten Geschäftsjahren war ein Klumpenrisiko durchaus vertretbar». Viel wichtiger sei, dass man von der Agentur zwar weniger, aber nicht Schlechteres gesehen hat. Ohnehin sei die Durststrecke bald ausgestanden. Demnächst rollen aus McCanns Zürcher Büro gleich mehrere Kampagnen übers Land.
So geschliffen die Erklärung klingt, nahtlos rutschte Imseng nicht in die Werbung. Nach seinem Studium arbeitete er noch während vier Jahren als freier Journalist für mehrere Blätter wie Das Magazin, Weltwoche oder SonntagsZeitung, bevor er 1998 bei WHS anheuerte. Wie sein Curriculum ist auch seine Persönlichkeit nur bedingt Branchen-affin. «Ich habe das Rampenlicht immer gemieden, in der Hoffnung, dass die Karriere in der Werbung auch ohne Partys und Kapriolen in Gang kommt.»
Nach dem prägenden Einstieg beim anspruchsvollen Mentor, Reini Weber, weiss Imseng, dass intelligente Kreativität im Grunde vor allem von der Einschränkung und der Kunst lebt, «das Gleiche aus Tausend verschiedenen Warten anzugehen». Zentral sei dabei der Consumer Benefit, der immer der Wahrheit zu entsprechen habe, weshalb dem Ethiker McCanns Agenturmotto behagt: «Truth
well told». Luca Aloisi
Ja, er habe wohl so manches der Werbung zu verdanken, scherzt Dominik Imseng (34), macht es sich im Ron-Arad-Stuhl bequem und zählt auf: seinen Job – er wird im September neuer CD bei McCann-Erickson, Zürich –, seine Frau, die ebenfalls in der Branche tätig war, und Sohnemann Finian, sein ganzer Stolz. Der frisch gebackene CD wurde am 14. Juli zum ersten Mal Vater.
Auf Imseng wartet das strategische Mitlenken von bedeutenden Kunden. Künftig werde er «globale, aber keine imperiale Brands» wie Coca-Cola oder American Airlines in der Schweiz betreuen. Respektable Marken, «die auf viele eine fast schon spirituelle Anziehung haben», sagt Imseng. Selten und beiläufig nur dringt sein abgeschlossenes Philosophie-Studium durch. Viel lieber ist ihm, mehr Lakonik in die Werbung einzubringen, sie soll «sensibel, aber nicht sentimental» sein.
Dass man als tief schürfender Denker in einer «oberflächlichen» Branche wie der Werbung landen könne, findet Imseng nicht aussergewöhnlich. In der Komplexität einer Marke gäbe es durchaus philosophische Dimensionen. «Es ist faszinierend, wie diese immateriellen Gebäude errichtet werden. Man kann über eine Marke auf genauso hohem Niveau nachdenken wie über die Freiheit, das Schöne oder das Gute.»
Im heutigen moralischen Korsett gehe es nicht nur darum, Brands wachsen zu lassen, sondern sie wachzurütteln. So liegt es auf der Hand, dass Imseng «geistvolle Werbung machen will». Den gestiegenen Netzwerkanteil der Zürcher Agentur weiss er zu relativieren: «In guten Geschäftsjahren war ein Klumpenrisiko durchaus vertretbar». Viel wichtiger sei, dass man von der Agentur zwar weniger, aber nicht Schlechteres gesehen hat. Ohnehin sei die Durststrecke bald ausgestanden. Demnächst rollen aus McCanns Zürcher Büro gleich mehrere Kampagnen übers Land.
So geschliffen die Erklärung klingt, nahtlos rutschte Imseng nicht in die Werbung. Nach seinem Studium arbeitete er noch während vier Jahren als freier Journalist für mehrere Blätter wie Das Magazin, Weltwoche oder SonntagsZeitung, bevor er 1998 bei WHS anheuerte. Wie sein Curriculum ist auch seine Persönlichkeit nur bedingt Branchen-affin. «Ich habe das Rampenlicht immer gemieden, in der Hoffnung, dass die Karriere in der Werbung auch ohne Partys und Kapriolen in Gang kommt.»
Nach dem prägenden Einstieg beim anspruchsvollen Mentor, Reini Weber, weiss Imseng, dass intelligente Kreativität im Grunde vor allem von der Einschränkung und der Kunst lebt, «das Gleiche aus Tausend verschiedenen Warten anzugehen». Zentral sei dabei der Consumer Benefit, der immer der Wahrheit zu entsprechen habe, weshalb dem Ethiker McCanns Agenturmotto behagt: «Truth
well told». Luca Aloisi
