Aufgefallen: Frauen und Kleider sind ein faszinierendes Thema. Faszinierend, weil im Kleidungsverhalten wunderbar die krassen Unterschiede zwischen Mann und Frau gefeiert werden.

AufgefallenFrauen und Kleider sind ein faszinierendes Thema. Faszinierend, weil im Kleidungsverhalten wunderbar die krassen Unterschiede zwischen Mann und Frau gefeiert werden. Oder kennen Sie einen Mann, sprich einen Werber, der sich ein de

Aufgefallen Frauen und Kleider sind ein faszinierendes Thema. Faszinierend, weil im Kleidungsverhalten wunderbar die krassen Unterschiede zwischen Mann und Frau gefeiert werden. Oder kennen Sie einen Mann, sprich einen Werber, der sich ein derart enges Teil überstülpt, dass er sich kaum mehr davon befreien kann? Wohl kaum. Einer Frau kann man(n) sogar ein Oberteil andrehen, das vorher durch den Papierschredder gelassen worden ist – und sie wird sich sexy und modebewusst fühlen. Miss Sixty scheint auf jeden Fall keinen unzufriedenen Eindruck zu machen. Warum jedoch die Hosen noch ganz sind, ist unklar – aber vielleicht ist das ja der Reiz dieses Deux-Pièces. Es wird Zeit, dass der Herbst kommt und wir uns in etwas mehr Tuch hüllen müssen.
Chandra Kurt [email protected]
Kolumne

Alles ist möglichvon Carmelo Buffoli
Das Rezept für einen Werbekuchen ist ganz einfach: Man nehme drei TV-Spots und mische sie mit ein bisschen Direktmarketing. Zu dickflüssig! Gut, dann picke man eben einen Werbespot wieder heraus und gebe stattdessen einen Radiospot hinzu. Hm – noch zu fad? In diesem Fall füge man noch eine Prise Marketing bei – für den strategischen Geschmack. Zum Schluss noch einen Hauch PR, um das Ganze abzuschmecken. Vor dem Backen ändert sich das Rezept aber mindestens noch weitere zehnmal, und dies alles zum gleichen Preis. So wird es oft gewünscht.
Erhält man eigentlich in einer Bäckerei auf Wunsch Schwarzbrot, gemischt mit einem Viertel Vollkorn-Maisbrot in der Substanz eines luftigen Blätterteigs zum selben Preis wie ein normales Buttergipfeli? Wohl kaum. Aber da wir keine Bäcker sind, sondern Werber, ist dies überhaupt kein Problem. In dieser Branche läuft das so. Dass Extrawünsche und ständige Planänderungen mit viel Aufwand verbunden sind, will niemand so recht wahrhaben – zumindest nicht die zahlende Kundschaft. Werber sind ja kreativ, und der Kreativität sind schliesslich keine Grenzen gesetzt. Alles ist möglich. Das Ganze nochmals überarbeiten? Aber sicher! Selbstverständlich sind auch alle weiteren Änderungen im Preis inbegriffen.
Wie lange es wohl noch dauern wird, bis solch ausgefallene Wünsche auch in anderen Branchen geäussert werden? Werden sie dort erfüllt? Niemand käme auf den Gedanken, diese Frage mit Ja zu beantworten, das wäre schlicht und ergreifend unmöglich. Warum soll es dann aber in der Werbung möglich sein?
[email protected] Carmelo Buffoli ist Inhaber von Buffoli und Partner, Zürich.
Business-Luch

Welch eine Pein, hier ein hungriger Gast zu sein Versuchsanordnung I: Es gibt Menschen, die gehen zum Essen in ein feines Lokal, weil sie dessen Küche besonders gut, ausgefallen oder sonstwie berauschend finden. Versuchsanordnung II: Es gibt feine Menschen, die gehen in ein Lokal, weil sie die Inneneinrichtung mögen, die Künstler der Moderne an den Wänden schätzen, das polierte Tafelsilber und die lächelnde Bedienung. Das Essen – muss ihnen egal sein, auch der Preis spielt keine Rolle. Hauptsache, man sitzt dort über Mittag, wird gesehen, sieht zurück, flüstert, nuschelt.
So ein Restaurant ist das «Chez Donati» in Basel. Es ist wunderschön eingerichtet, verströmt einen Hauch von Welt am Rheinknie, ist fast sündhaft teuer und vor allem eines: es ist schlecht.
Das trifft, die Einschränkung folgt sofort, aber nur für die Küche zu. Folgen wir also Versuchsanordnung I, denn für Versuchsanordnung II ist der Autor dieser Zeilen zu wenig gebildet, kauft seine Kleider wahlweise im Brockenhaus oder bei H&M, verfügt nicht über ein Aktiendepot und schon gar nicht über Standesdünkel.
Insalata di rucola con Parmigiano (19.50): Hier kann man nichts falsch machen, also auch nicht meckern. Ravioli di ricotta e spinaci al burro fuso e salvia. (20.–): Der Teig zu dick, die Füllung bedeutungslos, weil ungewürzt und fast nicht vorhanden, schliesslich: zu klein die Portion. Pappardelle con funghi porcini freschi (40.–): Die Nudel war handwarm, die Steinpilze ein kleines verirrtes Häufchen auf dem Teller. Zwar mit viel Geschmack, aber ohne Sauce serviert. Nodino di vitello al rosmarino mit Risotto (48.–): Das Kalbskotelett leicht zäh, der Risotto eine Zumutung, das heisst auch für zahnlose Esser geniessbar – oder anders gesagt: Matsch. Die Ile flottante (jetzt spielt der Preis keine Rolle mehr): Ein Riesending von Eiweiss mit caramelisiertem Zucker überladen. Der Gâteau St. Honoré: eine Crème so unauffällig im Geschmack, die Brandteigküchlein alles andere als krokant – ah, Signore Mora, komme doch lieber ins «Piccoli», auch der Tourte wegen.
Versuchsanordnung II wird man im «Donati» immer wieder antreffen. Versuchsanordnung I meidet solche Lokale (da haben die Kollegen von Al dente schon Recht!) fortan und ärgert sich: Ein so schönes Lokal hat fürwahr eine bessere Küche verdient.
Zu wenig Offenweine. Die Bedienung: herzlich – das einzig Lobenswerte. Montags zu.
Carlo Bernasconi [email protected]
Chez DonatiSt. Johanns-Vorstadt 48
4056 Basel
Tel. 061 322 09 19
Fax 061 322 09 81
Bewertung

Essen …………………..2
Getränke ………………2
Bedienung …………….4
Businessfaktor ……..4
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=Flop

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