Coninx macht de Weck zur grauen Eminenz

Der ehemalige Chefredaktor des Tages-Anzeiger sitzt im neuen publizistischen Beirat der Tamedia

Der ehemalige Chefredaktor des Tages-Anzeiger sitzt im neuen publizistischen Beirat der TamediaDie Ankündigung des neuen Gremiums, das dem Tamedia-Verleger Hans-Heinrich Coninx ab sofort in allen Grundsatzfragen zur Seite steht, kam auf Samtpfoten: An der Anfang Juli vom frisch gebackenen CEO Martin Kall verkündeten Reorganisation, deren publizistisches Herzstück die Schaffung einer unter Coninx‘ und Kalls Leitung stehender Chefredaktorenkonferenz war, stellten die beiden obersten Inhaltsverantwortlichen in einem Nebensatz ein weiteres, rein konsultatives Beratungsorgan in Aussicht.Nun ist er da, der sechsköpfige «publizistische Beirat», und sorgt wegen eines personellen Paukenschlags für Aufsehen. Denn neben den unkontroversen Mitgliedern Pietro Suppino (Tamedia-Verwaltungsrat), Walter Stutzer (Alt-Tagi-Chefredaktor), Walter Blum (Coninx’ langjähriger PR-Berater), Unternehmenssprecher Peter Hartmeier und Martin Kall darf sich auch der 1997 als Tages-Anzeiger-Chef mit einem Eclat abgetretene de Weck nun wieder offiziell als strategischer Stichwortgeber betätigen.
Bereits durch die Berufung zum meinungsmächtigen Hauskolumnisten hat der Publizist seinen Weg an die Werdstrasse zurückgefunden. In seiner neuen Funktion hat er – wie übrigens der gesamte Beirat – keine Weisungsbefugnis, aber auch keine direkte Verantwortung zu tragen.
Die Konstellation erinnert an den seit der Borer-Affäre in Verruf geratenen «Publizistischen Ausschuss» von Ringier und dessen Leiter Frank A. Meyer. Weswegen intern auch wenig Begeisterung über das sich kommende Woche konstituierende Schattenkabinett herrscht. Schliesslich haben Coninx und Kall der Öffentlichkeit und ihren Mitarbeitern erst «eine übersichtlichere, eindeutigere Führungsstruktur» versprochen. Oliver Classen

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