Kopf der Woche: «Le Temps wird ihren Aktionären nie Milliarden einbringen»
Jean-Jacques Roth ist seit dem 1. September neuer Chefredaktor der Westschweizer Tageszeitung Le Temps
Jean-Jacques Roth ist seit dem 1. September neuer Chefredaktor der Westschweizer Tageszeitung Le TempsKopf der Woche «Le Temps wird ihren Aktionären nie Milliarden einbringen» Seinen Bubentraum vom Chef d’orchestre hat er längst begraben, dafür ist er jetzt Chefredaktor. Dabei hatte er diesen Posten gar nie angestrebt. Jean-Jacques Roth arbeitete in der Vergangenheit bei diversen Westschweizer Medien als stellvertretender Chefredaktor. Zu keiner Zeit habe er aber diesen Status als Sprungbrett für den Chefredaktorensessel betrachtet, beeilt er sich zu sagen. Auch bei Le Temps gefiel ihm die Rolle des «rédacteur en chef adjoint» ganz gut. Zudem zweifelte er an seiner Kompetenz, und überdies schreibt er gerne.
In der aktuellen misslichen Lage von Le Temps und der ganzen Printmedienbranche wird ihm dafür wohl auch keine Zeit mehr bleiben. Trotzdem macht es ihm offenbar Spass, jenes Blatt aktiv mitzuprägen, von dem er behauptet, es entspreche genau seiner Vorstellung einer Zeitung, wie er sie sich seit Beginn seiner Journalistenkarriere erträumt habe.
Solch eine Laufbahn stand für Jean-Jacques Roth aber nicht im Vordergrund. Neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften besuchte er das Konservatorium in Genf und schloss es mit dem Lehrdiplom für Klavier ab. Unterrichtet hat er indes nie. Eine Karriere als Musiker verwehrte er sich frühzeitig mit der Maxime: «Entweder werde ich ein zweiter Maurizio Pollini, oder ich lasse es ganz bleiben», sagte er sich.
Roth war vor etwas mehr als vier Jahren zusammen mit Erich Hoesli, dem ehemaligen Chefredaktor und heutigen Direktor, der Mann der ersten Stunde von Le Temps. Doch bereits im vergangenen November hatte die Zeitung Personal entlassen müssen, um das oberste Ziel, möglichst rasch in die schwarzen Zahlen zu kommen, nicht zu sehr aus den Augen zu verlieren. Nun kämpft Roth um die redaktionelle Qualität der Westschweizer Zeitung mit nationaler Ausstrahlung.
Personell sei man an einer kritischen Grenze angelangt, gibt er zu. Die Qualität will sich Le Temps aber durch die Zusammenarbeit mit Le Monde und der belgischen Zeitung Le Soir sichern. Le Temps habe im Markt ihren Platz, ist Roth überzeugt. «Wir werden aber unseren Aktionären nie Milliarden einbringen», signalisiert er. Dass das Blatt in letzter Zeit schlanker geworden ist, bereitet dem neuen Chefredaktor hingegen kein Kopfzerbrechen. Mit dem ursprünglichen Umfang seien die Leser überfordert gewesen. Heute entspreche Le Temps eher den Lesegewohnheiten der Romands, weiss er.
Längerfristig müssten allgemein auch Überlegungen zum Finanzierungsmodus der Zeitungen angestellt werden, regt Roth an. Die Nachteile einer extremen Abhängigkeit von den Werbeauftraggebern erweise sich in konjunkturschwachen Zeiten als sehr problematisch.
Anita Vaucher
In der aktuellen misslichen Lage von Le Temps und der ganzen Printmedienbranche wird ihm dafür wohl auch keine Zeit mehr bleiben. Trotzdem macht es ihm offenbar Spass, jenes Blatt aktiv mitzuprägen, von dem er behauptet, es entspreche genau seiner Vorstellung einer Zeitung, wie er sie sich seit Beginn seiner Journalistenkarriere erträumt habe.
Solch eine Laufbahn stand für Jean-Jacques Roth aber nicht im Vordergrund. Neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften besuchte er das Konservatorium in Genf und schloss es mit dem Lehrdiplom für Klavier ab. Unterrichtet hat er indes nie. Eine Karriere als Musiker verwehrte er sich frühzeitig mit der Maxime: «Entweder werde ich ein zweiter Maurizio Pollini, oder ich lasse es ganz bleiben», sagte er sich.
Roth war vor etwas mehr als vier Jahren zusammen mit Erich Hoesli, dem ehemaligen Chefredaktor und heutigen Direktor, der Mann der ersten Stunde von Le Temps. Doch bereits im vergangenen November hatte die Zeitung Personal entlassen müssen, um das oberste Ziel, möglichst rasch in die schwarzen Zahlen zu kommen, nicht zu sehr aus den Augen zu verlieren. Nun kämpft Roth um die redaktionelle Qualität der Westschweizer Zeitung mit nationaler Ausstrahlung.
Personell sei man an einer kritischen Grenze angelangt, gibt er zu. Die Qualität will sich Le Temps aber durch die Zusammenarbeit mit Le Monde und der belgischen Zeitung Le Soir sichern. Le Temps habe im Markt ihren Platz, ist Roth überzeugt. «Wir werden aber unseren Aktionären nie Milliarden einbringen», signalisiert er. Dass das Blatt in letzter Zeit schlanker geworden ist, bereitet dem neuen Chefredaktor hingegen kein Kopfzerbrechen. Mit dem ursprünglichen Umfang seien die Leser überfordert gewesen. Heute entspreche Le Temps eher den Lesegewohnheiten der Romands, weiss er.
Längerfristig müssten allgemein auch Überlegungen zum Finanzierungsmodus der Zeitungen angestellt werden, regt Roth an. Die Nachteile einer extremen Abhängigkeit von den Werbeauftraggebern erweise sich in konjunkturschwachen Zeiten als sehr problematisch.
Anita Vaucher
