Ringiers Liebe zu den KMU

Cash Enterprise nimmt als zusätzlicher Bund von Cash ein neues, einträgliches Lesersegment ins Visier

Cash Enterprise nimmt als zusätzlicher Bund von Cash ein neues, einträgliches Lesersegment ins VisierNach Bilanzfälschern im grossen Stil, Abzockern von der Goldküste und gestrauchelten CEOs in den verfilzten Teppichetagen hat Cash-Verlagsleiter Thomas Passen eine neue Liebe entdeckt – die zu den Klein- und Mittelbetrieben vulgo KMU. Probleme und Nöte der kleinen und mittleren Unternehmen seien in den Medien bisher zu kurz gekommen, stellt er fest und schreitet zur Tat: Monatlich soll Cash Enterprise diese offenbar schwer vernachlässigte Lücke füllen. «Wirtschaftsblätter kümmern sich vor allem um grosse Unternehmen. Die wenigen Titel, die sich bereits heute der KMU annehmen, sind entweder zu PR-lastig oder zu stark branchenspezifisch ausgerichtet», erklärt Passen. Ein Ansatz, der die KMU als Ganzes und als Branche thematisiere, habe bisher gefehlt.
Inhaltliche Schwerpunkte des 16 Seiten umfassenden Bundes sind: Finanzierungsmodelle, Innovationen, Businessmodelle und Start-up-Firmen vorstellen und diskutieren. Besonders stolz ist Passen auf die Kolumnisten Bundesrat Pascal Couchepin und Heliane Canepa. «Sie werden uns vortrefflich unterstützen, die Aufmerksamkeit in den neuen Bund zu lenken.»
Für die Produktion des neuen Bundes wurde der Ex-Cash-Mann Klaus Niedermann zurückgeholt. Der KMU-Spezialist war bereits in den Aufbaujahren von Cash mit dabei, wechselte dann aber zur Bilanz. Jetzt ist er zurück, allerdings als Freier, denn er produziert Cash Enterprise im Auftragsverhältnis.
Mit dem KMU-Bund sei es aber noch nicht getan. Laut Passen sollen die KMU in Cash künftig generell mehr Gewicht bekommen. «Wir werden KMU-Themen verstärkt auch in jeder Ausgabe auf den normalen Seiten abhandeln.» Darüber hinaus seien Abklärungen im Gange, ob ein wöchentliches KMU-Gefäss – ebenfalls mit Partnern – machbar sei. Gespräche mit KMU-Verbänden würden geführt, sagt Passen.
Cash Enterprise hat nicht in erster Linie den Anzeigenmarkt im Visier. Vor allem sollen neue Leserschichten angepeilt werden. Allerdings wurde auch bereits vorgesorgt, was Inserate betrifft. Denn Passen hat für Cash Enterprise drei Partner geholt: Swisscom Enterprise Solutions, Cisco Systems und SAP. «Zu einem Preis, der etwa dem zur Verfügung gestellten Inserateraum entspricht», sagt er. Die drei Firmen erhalten als Gegenwert eine fixe Präsenz auf der Aufmacherseite plus je einen ganzseitigen Anzeigenplatz im Innern des Bundes.
Was zusätzliche Anzeigenbuchungen angeht, ist Passen hingegen wenig optimistisch. «KMU fehlen schlicht die Budgets für grossflächige Inserate. Deshalb ist das sicher nicht ein viel versprechender Anzeigenmarkt.»
Man wolle auch, so Passen, niemandem etwas wegnehmen. Die HandelsZeitung mit ihren KMU-Sonderbeilagen verfolge eine andere Strategie. Während jene Sparten und Teilbereiche der KMU-Welt aufgreife, werde Cash Enterprise grundsätzlich Themen wählen, die die ganze Branche betreffen, präzisiert der Verlagsleiter.
HandelsZeitung-Herausgeber Ralph Büchi nimmt die neue Konkurrenz darum gelassen. «KMU sind die Zielgruppe aller Schweizer Wirtschaftsblätter. Denn mit der Verflachung der Organisationsstrukturen sind auch für die grossen Unternehmen oft dieselben Themen interessant.» Einen Vorteil sieht Büchi in solchen Spezialseiten und Beilagen aber schon: «Hinsichtlich Inseraten sind sie oft stabiler als die Trägertitel.»
Daniel Schifferle

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