Heute Aktion: Marcus Burkhard

Publicis bewirbt die Schauspielhausabos mit Darstellern zum Sonderpreis

Publicis bewirbt die Schauspielhausabos mit Darstellern zum SonderpreisWas jedem Hörnlihändler billig ist, soll dem Schauspielhaus teuer sein: Multipack- oder Tiefpreisangebote gibts nun auch in der Theaterkultur Zürichs zu haben. Dank einer listigen Idee von Publicis-CD Markus Gut, der mit drei TV-Spots die Zürcher zum Konsum von Theaterabonnements für die arg gebeutelte Pfauenbühne animieren will. In der Tat: Die Zuschauerzahlen waren in den letzten zehn Jahren noch nie so tief wie in der vergangenen Saison. Deren Vorstellungen vermochten gerade mal 119040 Kulturinteressierte vor die verschiedenen Bühnen zu locken – rund 13 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der verkauften Abonnements sackte in der letzten Spielzeit von 4776 auf 3001 ab. Da mag Theater heute die Pfauenbühne noch lange zum «Theater des Jahres» wählen, die Zahlen sprechen ihre eigene Sprache.
Die schlechte Auslastung der Aufführungsstätten schickte die Einnahmen in den Keller, während die Beiträge aus der öffentlichen Hand drastisch anstiegen. Deshalb fordert der Verwaltungsrat der Schauspielhaus AG die Schliessung der Finanzierungslücke von rund 4 Millionen Franken. Kein leichtes Unterfangen für den Stern am Kulturhimmel.
Kauf dir doch den Schauspieler aus dem Warenhaus
Damit das Theater als moralische Anstalt den Konkurs noch abwenden kann, hat die Zürcher Agentur eine überraschende Strategie ausgetüftelt: «Warum soll Werbung für Kultur mit klassischen Verkaufsmechanismen des Detailhandels nicht auch dem Schauspielhaus zu mehr Zuschauern verhelfen?», fragten sich die Kreativen um CD Markus Gut und siedelten die drei neuen Spots in einer Kaufhausumgebung an.
Die Protagonisten der Werbefilme sind denn auch «echte» Darsteller des Schauspielhauses, die allerdings zum Produkt degradiert werden. So sehen erstaunte Tele-Züri-Zuschauer seit Oktober den Schauspieler Marcus Burkhard in der Tiefkühltruhe zwischen Ofenfrites und Rosenkohl liegend, apart mit dem Schild «Tiefpreis» versehen. Jean-Pierre Cornu sitzt hinter einer Tafel «Jetzt zugreifen» im Regal.
Der dritte Spot zeigt, wie Raphael Clamers Strichcode von einer Kassiererin eingescannt wird. «Im Abo günstiger» verspricht der Claim und dramatisiert so ironisch die Vorteile von Kultur im Multipack. Neben den bestehenden Angeboten wie dem Generalabo oder dem Abo Plus kann übrigens seit kurzem auch ein «Marthaler bleibt Abonnement» erworben werden. Letzteres füllt zusätzlich den Solidaritätsfonds für den künstlerischen Direktor. Damit dieser nicht dem Ruf der Lerche folgen muss und auch nicht Opfer seines für die kommende Saison geplanten Mottos wird: Die neue Armut.
Die Direktion übrigens begründet auf ihrer Homepage die «exorbitanten Eintrittspreise» mit «früheren kulturpolitischen Versäumnissen dieses Gemeinwesens». Die hohen Preise seien «strukturell nötig», um die Einnahmen der «verarmten Aktiengesellschaft zu sichern». Simone Keller

More articles on the topic