Käse aus Kamelmilch

Rolex geht im Mäzenatentum neue Wege und zeichnet nebst Forschern jetzt auch Kunstschaffende aus

Rolex geht im Mäzenatentum neue Wege und zeichnet nebst Forschern jetzt auch Kunstschaffende ausvon Anita Vaucher Alle zwei Jahre vergibt der Genfer Uhrenhersteller Rolex seine «Rolex Awards for Enterprise». Die begehrten Preise gehen an Forscher, die abseits von üppig fliessenden Fördergeldern an einer besseren Welt werkeln. Der Genfer Uhrenhersteller will nun auch Kunstschaffenden einen bezahlten Mentor zur Seite stellen.
Typisch Genf, typisch Rolex. Wenn es darum geht, mäzenatisch zu wirken, hält sich das Traditionshaus vornehm zurück: «Wir bieten unseren Preisträgern eine Plattform und wollen die Medien auf deren Tun aufmerksam machen», sagt Rolex-Sprecherin Dominique Dadion. «Wir bleiben bewusst im Hintergrund.» Das wird nun auch beim neuesten Projekt der Uhrmacher der Fall sein: 2003 wird erstmals «The Rolex Mentor and Protegé Arts Initiative» realisiert: In fünf Kunstbereichen finanziert Rolex je einem viel versprechenden Talent die Patenschaft eines weltberühmten Künstlers.
Nein, meint Dadion, das sei keine Abkehr von der Kommunikationsstrategie, denn alle Produkte – Luxusuhren – würden weiter für sich sprechen. Die tun das beredt an Golf- oder Tennisturnieren, in Anzeigen, in Publikationen. «Wir wollen das Mäzenatentum aber nicht mit den klassischen Kommunikationsmitteln vermischen», ergänzt sie.
So kommt es, dass der bereits 1976 gegründete «Rolex Awards for Enterprise» in den Medien kaum Niederschlag findet. Obschon: Da hätten sich bereits bei der ersten Award-Ausschreibung – aus Anlass des 50. Geburtstags der Rolex Oyster ins Leben gerufen – 3000 Bewerber gemeldet, erinnert sich Rolex-Award-Projektleiter Quentin Deville. Der damalige Uhren-Patron André J. Heiniger liess aber nach jeder Preisrunde alle Welt im Ungewissen, ob er die Awards nochmals ausrichten wollte.
In der Jury sitzen auch abenteuerlustige Kerle
Seit 1996 ist aber klar: Alle zwei Jahre beugt sich eine Jury aus hochkarätigen Wissenschaftern über die Eingaben aus aller Welt: Und wie es sich für einen Global Player gehört, wurden die fünf Preisträger heuer in Tokio gefeiert. Tatsächlich kann sich jedermann um einen Award, bestehend aus einer Preissumme von 100000 Dollar, einer goldenen Rolex-Uhr und viel Medienaufmerksamkeit, bewerben. Zur zehnten Vergabe der Awards meldeten sich 1400 Bewerber aus 113 Ländern. «Davon haben einige Dutzend echte Chancen auf einen Preis», sagt Deville.
Bei jeder Award-Runde wird eine neue internationale Jury gebildet, die sich in Genf trifft und ohne dafür bezahlt zu werden, die Projekte begutachtet. In der Jury befinden und befanden sich in der Regel Wissenschafter, aber auch so abenteuerlustige Kerle wie Sir Edmund Hillary, der erste Bezwinger des Mount Everest.
«Die Rolex-Awards sind unser Beitrag zu einem besseren Verständnis der Welt, in der wir leben», sagte Rolex-CEO Patrick Heiniger an der Preisverleihung im Tokioter Hotel Okura (www. rolexawards.com). Ausgezeichnet wurden Laureaten aus Frankreich, Brasilien, Kanada, den Vereinigten Staaten und Südafrika. So hat etwa der Franzose Michel André ein System entwickelt, das Hochseekapitäne vor Walschwärmen warnt. Sein «Wal-Anti-Kollisions-System» beruht auf den akustischen Signalen, die diese Säugetiere im Meer aussenden.
Aber nicht nur Sorgen um bedrohte Kreaturen und Energien lenken die Jurymitglieder. Beispielsweise vergab Rolex 1993 einen Award an Nancy M. Abeiderrahmane aus Mauretanien – ihr war ein Verfahren gelungen, aus Kamelmilch Käse herzustellen.
Wie im Mittelalter: Der Mentor sorgt für seinen Protegé
Rolex hat sein Mäzenatentum dieses Jahr um eine künstlerische Dimension erweitert, «The Rolex Mentor and Protegé Arts Initiative». Über ein Jahr lang wird ein Meister seines Fachs einem begabten Schüler mindestens während 30 Tagen im Jahr mit Tat und Rat zur Seite stehen.
Die Preisträger wurden am 13. Juni im Museum der Frick Collection in New York bekannt gegeben. Die Koryphäen Sir Colin Davis (Musik), William Forsythe (Tanz), Toni Morrison (Literatur), Alvaro Siza (Visual Arts) und Robert Wilson (Theater) kümmern sich verdienstvoll um die Newcomer Federico Leon (Theater), Sahel al-Hiyari (Visual Arts), Julia Leigh (Literatur), Sang Jijia (Tanz) und Josep Caballé-Domenech (Musik).
Im Mittelpunkt dieser Patenschaft stehen aber nach dem Verständnis von Rolex weniger einzelne Unterrichtsstunden. Vielmehr geht es um die Teilhabe am Arbeitsalltag des Mentors, auf dass der Protegé erkenne, woraus sich die Existenz eines grossen Künstlers zusammensetzt. Wiederum steht Rolex-CEO Patrick Heiniger einem Ausschuss von Beratern vor, der sich aus so renommierten Künstlerinnen und Künstlern wie Christo und Jeanne-Claude, Wole Soyinka oder Frank Gehry zusammensetzt.
Die Paten und die Protegés kommen über ein Jahr lang in den Genuss auch von finanziellen Zuwendungen seitens von Rolex. Andererseits verzichtet das Uhrenhaus auf einen Imagetransfer auf der Kommunikationsseite, wie Deville erklärt. Das habe historische Gründe, meint er. Schon André J. Heiniger habe sich bei der Gründung des «Rolex Awards for Enterprise» weniger um den Impact für die Uhrenfirma gekümmert als ums soziale Engagement dahinter.

More articles on the topic