Bordier sings the Blues

Für die 1844 gegründete Genfer Privatbank lanciert WGR Lausanne eine Imagekampagne

Für die 1844 gegründete Genfer Privatbank lanciert WGR Lausanne eine ImagekampagneVon Anita Vaucher Dass eine Privatbank nach 158 Jahren erfolgreichen Wirtschaftens ihre Verpuppung aufgibt und eine Imagekampagne lanciert, kommt auch in der Schweiz nicht alle Tage vor. Sauertöpfisch dreinguckenden – wohl vermögenden – Menschen empfiehlt die Bank Bordier & Cie. einen Umzug der Portfolios.
Unter «Bankweh?» müssen die neuen Kunden bei den verschwiegenen Bankiers in Genf, Bern und Zürich nicht mehr leiden – wenn sie sich entscheiden sollten, ihre Vermögen bei Bordier & Cie. anzulegen. Die Bank behauptet von sich, mit ihren rund 100 Mitarbeitenden ein menschliches Mass bewahrt zu haben. Und dass der direkte Kontakt vom Kunden zum Banker eine privilegierte Beziehung erlaube.
Sapperlot! Das sind neue Töne und Bilder in der Bankenwerbung: Während reihum Industriemanager, Finanzkapitäne und Versicherungshaie sich als raffgierige Kanaillen gebärden und selbst topseriöse Kantonalbanken wie die waadtländische BCV negative Schlagzeilen provozieren, wirbt Bordier mit einer ziemlich auffälligen Imagekampagne für Vertrauen und Kundennähe.
Denn die Bilder von Vermögenden, die an Kommunikationsstörung mit ihrem Anlageberater leiden, kontrastieren in der Tat mit dem aufgesetzten Lächeln anderer Models, die ihre Traumbeziehung zur Bank installiert haben wollen. Mit anderen Worten: Das Timing für die von der Lausanner Kommunikationsagentur WGR entwickelte Kampagne von Bordier & Cie. hätte besser nicht sein können.
Die Agentur, die seit über vier Jahren das Geldinstitut in Kommunikationsfragen berät, hat bis jetzt für ihren Kunden im Hintergrund gearbeitet, unter anderem an der Neukonzeption der etwas verstaubten Firmenbroschüre. Zudem haben die Werber gelegentlich Anzeigen in Programmbroschüren zu Veranstaltungen geschaltet, denen die Bankiers mit einem Sponsoringbeitrag beigestanden haben.
In Genf geht auch mal Herr Direktor Bordier ans Telefon
Bordier & Cie., mit Hauptsitz in Genf und Zweigstellen in Bern und Zürich, positioniert sich als grundsolides Familienunternehmen. Es wird heute in der fünften Generation von Mitgliedern der Familie Bordier geleitet. Das Unternehmen zählt zu den wenigen noch wirklich privaten Banken, die sich auf die Vermögensverwaltung von Privatkunden spezialisiert haben – Geld von institutionellen Anlegern nehmen die noblen Bankiers keines an, zumindest entspricht dies der Philosophie des Hauses, wie ein Blick auf die Homepage verrät.
Und wenn ein Kunde Monsieur le directeur Bordier persönlich am Telefon verlange, werde er auch prompt mit diesem verbunden, schildert Jean-David Gyger von WGR die viel zitierte Kundennähe. Dagegen könne er sich kaum vorstellen, dass Oswald Grübel oder John Mack bei Credit Suisse für den Mann von der Strasse so einfach zu erreichen sei, fährt Gyger scherzend fort.
In ihren Anzeigen, sie werden in Le Temps, Agéfi, NZZ und Der Bund geschaltet, erinnert die Bank daran, dass es Zeit sei zum Wechseln, und empfiehlt sich als «Alternative zur Unruhe», weil sie mit ihrer über 150-jährigen Tradition «wertbeständige Dauerlösungen» anbiete. Anders gesagt: Mit dem Geld der Kunden wird kein Risikogeschäft betrieben.
Kampagne ist keine Folge des Zweigstellenausbaus
Dass die Imagekampagne von Bordier & Cie. mit der jüngst erfolgten Ausdehnung ihrer Akquisitionsgrenzen für Privatanleger korreliert, verneint WGR-Berater Gyger gegenüber der WerbeWoche. In der Tat, den Schritt aus der Westschweiz über die Saane haben die Bankiers erst Ende der Neunzigerjahre gewagt und sind nun auch im Fürstentum Monaco sowie in London und New York vertreten. Ausserdem bieten sie jeden Montag auf ihrer Homepage www.bor dier.com per Newsletter einen weltweiten makroökonomischen Überblick an.

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