Don Carron zieht in die Schlacht

Die Walliser Gratiszeitung Valaistribune will sich als Alternative zum Nouvelliste etablieren

Die Walliser Gratiszeitung Valaistribune will sich als Alternative zum Nouvelliste etablierenMichel Carron ist ein gebranntes Kind. Seit er den Skandal um die Walliser Kantonalbank losgetreten hat, leidet er in seinem Heimatkanton unter Schmach und Demütigungen. Sein Hauptfeind ist die Tageszeitung Le Nouvelliste. Deshalb will er jetzt seine Zeitung Valaistribune lancieren. Michel Carron ist aber auch ein Don Quijote von Walliser Zuschnitt: Mit seiner Bürgerbewegung kandidierte er höchst erfolglos für einen Ständerats- und einen Staatsratssitz – 2001 kam er dabei auf 6964 Stimmen.
Gleichviel, mit seiner Postille will er kurz vor den Feiertagen die Bevölkerung von Sitten bis St-Gingolph beglücken. Die Gratismonatszeitung mit einer Auflage von 60000 Exemplaren sieht er als Alternative zum – Nouvelliste.
Die französischsprachige Tageszeitung ist seit 1987 ein rotes Tuch für Carron, weil er vom Leibblatt der CVP systematisch angegriffen und demontiert werde, wie er sich bei der WerbeWoche beklagt. Er war es, der vor etwas mehr als fünf Jahren den Skandal um die Walliser Kantonalbank, die so genannte «Affaire Dorsaz», ins Rollen brachte. Carron hat auf Grund des angeblichen Missmanagements von Bankier Dorsaz nach eigenen Angaben eine Million Franken verloren. Heute gibt ihm der Ombudsmann der Bankenkommission Recht und empfiehlt der Walliser Kantonalbank, den Kläger zu entschädigen. Doch die weigert sich beharrlich.
Valaistribune wird den Alpen-Kohlhaas ein kleines Vermögen kosten – er selbst rechnet mit Ausgaben von 60000 Franken pro Nummer. Doch als veritabler Kämpfer für die Sache der Demokratie zieht Michel Carron die Karriere eines Verlegers dem erneuten Gang vor den Kadi vor.
Valaistribune soll die Walliser Bevölkerung auch nachhaltig über die Machenschaften im Kanton informieren und so die Möglichkeiten für eine «objektive Meinungsbildung» schaffen. Der monopolistische Nouvelliste betreibe «totale Desinformation», weiss Carron aus eigener Erfahrung. Selbst ausserkantonale Medien würden von den Verantwortlichen des Nouvelliste in die Schranken gewiesen, sobald sie in innerkantonalen Angelegenheiten eine andere Meinung vertreten würden. Irrtum, widerspricht ihm Fabrice Germanier in einem Leserbrief in Dimanche.ch: Der Chefredaktor von Rhône FM weist auf seinen sich seit 1990 im Äther befindenden Privatradiosender hin, der trotz Nouvelliste-Beteiligung von 12,5 Prozent unabhängige Infos verbreite.
Werbeauftraggeber müssen Charta unterzeichnen
Die Finanzierung der ersten Ausgabe ist gemäss Carron gesichert. Er könne auf breite Unterstützung der Bevölkerung zählen, versichert er. Zudem werde der Zeitung jeweils ein Einzahlungsschein beigelegt. So entscheide die Bevölkerung, ob sie eine Alternative zum CVP-Blatt wünsche, begründet Carron den Spendenaufruf.
Wer zudem in Valaistribune Werbung schalten will, wird von Carron auf den ideologischen Prüfstand gestellt. Die Werbeauftraggeber müssen eine Charta unterzeichnen und dürfen keinen direkten Einfluss auf das
politische und wirtschaftliche Geschehen im Kanton Wallis ausüben.
Namen von Journalisten, die Valaistribune redaktionell betreuen, will Carron keine nennen. Dies gehöre zur Überraschung der ersten Ausgabe, meint er geheimnisvoll. Dass Journalisten vom Nouvelliste zu ihm übergelaufen seien, will er nicht bestätigen.
Anita Vaucher

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