In Olten droht der Overkill

Espace Media Groupe spannt Gratisblätter gegen die Mittelland Zeitung ein

Espace Media Groupe spannt Gratisblätter gegen die Mittelland Zeitung einVon Markus Knöpfli Im Mittelland tobt die Schlacht um Leser und Anzeigenkunden heftiger als je zuvor: Die Espace Media Groupe hat eine neue Front eröffnet und will nun nach den Tageszeitungen mit Gratisanzeigern den Markt in Solothurn und neu auch in Olten und Zofingen aufmischen.
Mit der Gratisverteilung des Solothurner Tagblattes (ST), mit übertriebenen Rabatten sowie Köderangeboten fahre die Espace Media Groupe (EM) seit gut einem Jahr im Raum Solothurn eine wettbewerbsverzerrende Verdrängungsstrategie. Diese Vorwürfe stammen von der alteingesessenen Solothurner Zeitung (SZ). Sie waren Grundlage einer Klage gegen die EM bei der Wettbewerbskommission (Weko). Vergangene Woche stellte nun aber die Weko ihre Vorabklärungen gegen die EM ein. Sie sah im Marktauftritt der Berner Zeitung und ihres Solothurner Splits keinen Anhaltspunkt für kartellrechtlich unzulässige Verhaltensweisen.
Doch die EM mochte den Weko-Entscheid gar nicht erst abwarten. Sie war sich ihrer Sache so sicher, dass sie schon vor zwei Wochen zum nächsten Schlag gegen die SZ und deren Partner im Verbund Mittelland-Zeitung (MLZ) ausholte, diesmal aber auf der Ebene Gratisanzeiger.
Schon seit einigen Jahren besitzt die EM die Solothurner Woche (SoWo, Auflage: 74467 Exemplare). Das Streugebiet ist deckungsgleich mit demjenigen von zwei amtlichen Anzeigern der SZ-Herausgeberin Vogt-Schild/Habegger (VS/H). Vor einem Jahr verkuppelte sich die SoWo mit dem Anzeiger für Gäu und Thal (AGT, 20848 Exemplare) zum Jurasüdfuss-Kombi (JSFK).
Wird der Zeitungskrieg an
Oltens Aareufer entschieden?
Doch das Kombi hat den Nachteil, dass es nur gerade vor die Tore Oltens gelangt, die Stadt selbst aber nicht abdeckt. Deshalb beschloss man im JSFK, dass der selbstständige AGT sein Streugebiet per
1. Januar 2003 nach Olten ausdehnt. Zudem wurde der Allgemeine Anzeiger für den Bezirk Zofingen («Arbiger» genannt) als Kombi-Plus-Variante angeworben. Neu wird das JSFK somit 108000 Haushalte erreichen. In der Plus-Variante kommt es gar auf 130000 Exemplare. Mit dieser geografischen Ausdehnung deckt das JSFK-Plus nun aber mit einem Millimeterpreis von 1.80 Franken ein Gebiet von Grenchen bis Zofingen ab, was zu einem Grossteil dem Streugebiet von SZ und deren MLZ-Partner Oltner und Zofinger Tagblatt entspricht.
In der Region wertet man das JSFK deshalb als weitere Kampfansage gegen die MLZ. «Das ist es überhaupt nicht», wehrt sich dagegen SoWo-Geschäftsleiter Paul Galli. Das Kombi habe sich durch die Autobahnverbindung zwischen Solothurn und Biel quasi aufgedrängt und sei auf Wunsch nationaler Kunden im Gäu-Park realisiert worden. «Mit der EM hat dies nichts zu tun», sagt Galli, der dort allerdings mit in der Unternehmensleitung sitzt.
Der AGT-Vorstoss nach Olten hat auch in der Aarestadt viel Staub aufgewirbelt. Dort machen sich bereits vier Blätter das Leben schwer. Da ist zum einen die Tageszeitung Oltner Tagblatt (Dietschi AG), die zusammen mit dem Gratis-Wochenblatt Stadtanzeiger Olten (100 Prozent Publicitas) amtliches Publikationsorgan ist. Weiter wird die Stadt durch den Niederämter Anzeiger aus Schönenwerd und seit fünf Jahren durch die Neue Oltner Zeitung vom Verlagshaus Zehnder in Wil (SG) abgedeckt. Hannes Röthlisberger, Mitinhaber des Inseratevermittlers Regio Annoncen in Langenthal, schüttelt den Kopf: «Ich weiss nicht, was der AGT sich überlegt hat, in Olten hat es keinen Platz für vier Anzeiger», sagt er. Dennoch räumt er dem JSFK Chancen ein: «Das ist kein schlechtes Kombi, die SoWo ist verwurzelt und beliebt.»

Vogt-Schild/Habegger will «im Bedarfsfall» rasch reagieren
Im Zuge des AGT-Vorstosses nach Olten werden die Anzeiger-Karten in dieser Region auch anderweitig neu verteilt. Das bisherige Kombi Trio 32 und der Oltner Ring werden aufgelöst, sie machen keinen Sinn mehr. Das Quinto 32 wird ohne AGT neu zum Quattro 32. Und der Süd-West-Ring (AGT und Arbiger) nennt sich neu Oltner Kombi. Letzte Woche erhielt der AGT zudem seine erste Retourkutsche: Der Stadtanzeiger Olten gab bekannt, per 1. Januar sein Verteilgebiet in das AGT-Stammland nach Oensingen auszudehnen.
Wie aber reagiert VS/H, die sich direkt angegriffen fühlt? «Wir arbeiten an einer Antwort», sagt deren Direktor Rudolf Rentsch und verweist auf seine guten Kontakte zu diversen, nun vom AGT vergraulten Anzeigern – insbesondere zum Stadtanzeiger Olten. Gelassener gibt sich Urs Lüthi, bei der VS/H für die Anzeiger zuständig. Schon das bisherige JSFK habe keine Auswirkungen gehabt, deshalb befürchte er für die SZ oder MLZ auch keine Konsequenzen durch die Plus-Variante. «Aber wir werden es beobachten. Und wir haben etwas in der Schublade, das im Bedarfsfall schnell realisiert sein wird», sagt er.

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