Eine klaffende Lücke eloquent geschlossen

Medienökonomie Die Einführung eines FAZ-Redaktors hat (fast) das Zeug zum Standardwerk.

Medienökonomie Die Einführung eines FAZ-Redaktors hat (fast) das Zeug zum Standardwerk.Keine Frage, der Betreuungsnotstand am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich ist stossend: Auf dreieinhalb Lehrstühle und einen Gastprofessor kommen derzeit über 1800 Haupt- und Nebenfächler. Nicht minder skandalös, wenn auch weniger beachtet, war die bis Ende 2001 dauernde Vernachlässigung der Medienökonomie. Aber auch nach dem Stellenantritt von Gabriele Siegert (WW 32/02) ist die Beachtung, welche die Fachöffentlichkeit dem wirtschaftlichen Fundament der vierten Gewalt schenkt, umgekehrt proportional zu ihrer Bedeutung geblieben.Eine Folge dieser Unterbewertung war der Mangel an gehaltvollen und zugleich gewitzten Lehr- und Handbüchern. Diese Lücke hat Hanno Beck, Wirtschaftsredaktor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, mit seinem nach Mediengattungen unterteilten Wegweiser durch dieses weit verzweigte Themengebiet nun endlich geschlossen.
Besonders inspirierend für Praktiker wie Studierende dürfte jedoch der vorgeschaltete Grundlagenteil sein, in dem neben den politisch-gesellschaftlichen Besonderheiten auch «Die Theorie der natürlichen Monopole» und «Der Lemmingeffekt von Netzwerken» zur Sprache kommen.
Nicht mehr ganz «State of the art» sind hingegen Becks Ausführungen zur Zukunft der Zeitungswirtschaft im Zeitalter der virtuellen Internetökonomie. Gut möglich, dass dem renommierten FAZ-Autor hier eigene Existenzängste die Sicht auf die strukturellen Nöte und Missstände seiner Branche verstellt haben. Wenige Wochen nach Erscheinen der «Medienökonomie» gab seine Arbeitgeberin jedenfalls Stellenstreichungen in ungeahntem Ausmass bekannt. Daraus, dass Beck selbst davon (bislang) unberührt blieb, lässt sich jedoch nicht zwingend schliessen, dass sein Buch auch zum ganz persönlichen Survival-Guide im Medienjobdschungel taugt.
> Medienökonomie. Print, Fernsehen und Multimedia von Hanno Beck. Springer Verlag, Berlin 2002. 348 Seiten, Fr. 56.–.

Oliver Classen

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