Zu guter Letzt: Zu gut, um wahr zu sein
Gespräche mit Superstars lassen sich gut verkaufen. Wenn Blattmacher Interviews mit Promis wie Beyoncé Knowles, Jay-Z, Christina Aguilera, Slash und Snoop Doggy Dogg angeboten bekommen, heisst es zuschlagen. Doof nur, wenn später herauskommt, dass die Gespräche – zumindest in geschilderter Weise – nie stattgefunden haben.
Bevor der Betrug durch das Management der Musikerin entdeckt wurde, schaffte es das getürkte Interview noch bis in die Schweiz. Das Gespräch wurde am 12. Januar dieses Jahres in der Printausgabe des Tages-Anzeigers publiziert und auch über das Newsnetz verbreitet. Dabei hat Tamedia nicht zum ersten Mal Erfahrungen mit Betrügern gemacht. Der Berner Interview-Fälscher Tom Kummer hatte jahrelang aus Hollywood für die Magazine des Tages-Anzeigers berichtet und Gespräche unter anderem mit Demi Moore, Sharon Stone oder Brad Pitt getürkt.
Auch andere Medien Opfer von «Borderline»-Journalismus
Vor «Borderline»-Journalismus, wie diese Form der Berichterstattung genannt wird, ist offenbar kein Medium sicher. Sowohl der Sonntags-Blick, die NZZ am Sonntag als auch der Blick wurden Opfer von Fälschern. Im September 2003 musste Sonntags-Blick eingestehen, dass der Aufsatz «Alles ist anders, nichts hat sich verändert» nicht vom US-Erfolgsautor David Margolick stammte, sondern von einem freien Mitarbeiter der Zeitung in New York mit dem Namen Lorenz Wolffers.
Auch der NZZ am Sonntag hatte der Berner Journalist Wolffers eine Fälschung untergejubelt. Das Interview mit dem amerikanischen Autor Scott Turow war pure Erfindung. Im selben Jahr kroch auch Blick einem Fälscher auf den Leim: Ein deutscher Journalist namens Robert Macher hatte ein Interview mit Mick Jagger aus verschiedenen Texten zusammengeschustert und mit pikanten Details angereichert. Also, Augen und Ohren aufhalten.
