Sag mir, wo die Millionen sind

Tamedia Die elektronischen Medien des Zürcher Medienkonzerns machen einen Umsatzsprung und nehmen dennoch weniger ein als im Vorjahr.

Tamedia Die elektronischen Medien des Zürcher Medienkonzerns machen einen Umsatzsprung und nehmen dennoch weniger ein als im Vorjahr. Die Entwicklung der elektronischen Medien ist der einzige Lichtblick in den provisorischen Umsatzzahlen von Tamedia – sie verzeichnen einen Wachstumssprung von 104 Prozent. Durch die Konsolidierung der Belcom-Gruppe und die Übernahme von Radio Basilisk stieg der Umsatz von 13 auf 26 Millionen Franken.Verwirrend ist nur, dass der Geschäftsbericht 2001 für die elektronischen Medien einen Umsatz von 27,6 Millionen Franken verbuchte. Wohin ist die Differenz von 14,6 Millionen Franken verschwunden? Und ist der Umsatz also letztlich gesunken?
Buchhalterische Umlagerungen
Regula Tschopp, Leiterin Investor Relations (IR) bei Tamedia, löst das Rätsel: Die Produktionsfirma Condor Communications sei nun im Bereich Services aufgeführt, erklärte sie auf Anfrage der Werbewoche. Im Rahmen einer Reorganisation im vergangenen Sommer habe Unternehmensleiter Martin Kall die Geschäftstätigkeit neu in die vier Bereiche Zeitungen, Zeitschriften, elektronische Medien und Services gegliedert, während die Printmedien zuvor zusammengefasst waren. Dabei seien gewisse Umgruppierungen vorgenommen worden, zu denen auch Condor zähle.
Wäre Condor bei den elektronischen Medien verblieben, ergäbe sich dort für 2002 ein Zuwachs von lediglich rund 45 Prozent. Der Umsatz der Services von 2001 wurde durch die Reorganisation von 81,2 Millionen auf 100 Millionen Franken erhöht. Die jetzt knappe Steigerung (um 1 Prozent) auf 101 Millionen Franken entspräche gegenüber dem zuvor ausgewiesenen Betrag einem Plus von rund 24 Prozent.
Der Unterschied erklärt sich nicht ausschliesslich durch den Wechsel von Condor. Der Umsatz der Produktionsfirma dürfte sich auch in diesem Jahr auf etwa 15 Millionen Franken belaufen. Regula Tschopp wollte zwar keine Zahlen nennen. Sie merkte aber an, Condor habe sich im Allgemeinen nicht schlecht entwickelt und gehöre nicht zu den «Sorgenkindern».
Tamedia-Sprecherin Franziska Hügli erklärte dazu, die Reorganisation der Geschäftsbereiche habe weitere Verschiebungen gebracht, die sich ebenfalls auf die Umsatzzahlen auswirkten und sie nur beschränkt mit jenen des Vorjahres vergleichbar machten. «Ich würde mich nicht in solche Detailrechnungen versteigen», mahnte sie gegenüber der Werbewoche. Sie verwies auf die Bilanzpressekonferenz vom 19. März.
Ohne weiteres vergleichbar bleibt der Gesamtbetriebsertrag des Konzerns. Tamedia erwirtschaftete im Jahr 2002 639 Millionen Franken, was einen Rückgang um 15 Prozent bedeutet. Im Jahr zuvor war der Umsatz bereits um 8 Prozent geschrumpft. Am unerfreulichsten entwickelte sich der Bereich Zeitungen, wo 22 Prozent weniger umgesetzt wurden. An der Börse überraschte die schlechte Entwicklung offenbar niemanden mehr: Der Kurs der Tamedia-Aktie stieg am Tag der Bekanntgabe sogar um 1,6 Prozent auf 61.50 Franken.
Auch für den Konzern selbst soll der Rückgang keine weiteren Kon-sequenzen haben. IR-Leiterin Tschopp erklärte, mit dem Effizienzprogramm «Focus» von 2001 habe Tamedia schon früh die Weichen gestellt. Im vergangenen Herbst wurden nochmals 28 Stellen im Backoffice, im Verlag und in der Technik abgebaut. Gemäss Tschopp sollten diese Sparmassnahmen ausreichen. Dabei gehe Tamedia von einer unverändert schlechten konjunkturellen Entwicklung mit einer weiteren Abnahme der Stelleninserate um 15 Prozent aus. Nicht berücksichtigt seien die Folgen eines allfälligen Kriegs gegen den Irak.
Tamedia-Aktien sind nur noch ein Viertel des Ausgabepreises wertBei 260 Franken war die Tamedia-Aktie im Oktober 2000 an der Börse gestartet. Von den Kursfantasien rund um die Medienbranche ist nichts mehr übrig geblieben. Mitte Februar fiel der Kurs des früheren Familienunternehmens erstmals unter 60 Franken. Eine Entwicklung, die VR-Präsident Hans Heinrich Coninx Kopfschmerzen bereiten dürfte.
Als Heilmittel böte sich der Rückkauf der Aktien durch die Familie an. Dass Tamedia in ihrem dritten Börsenjahr ein Going Private plane, will jedenfalls die NZZ in Marktkreisen vernommen haben.
Hans Heinrich Coninx: Sorgen um Aktienkurs.
Stefano Monachesi

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