Schwarze Zahlen, buntes TV
Lokal-TV Bei ZüriPlus bezahlen die angeschlossenen Produzenten, damit ihre Programme auf dem neuen Regionalsender abgespielt werden.
Lokal-TV Bei ZüriPlus bezahlen die angeschlossenen Produzenten, damit ihre Programme auf dem neuen Regionalsender abgespielt werden.Was lange währt, wird endlich gut – ist man im Falle von ZüriPlus versucht zu sagen. Denn der Nachfahre des ältesten Lokalfernsehens der Schweiz, des bereits 1982 auf Sendung gegangenen Hasli-TV, will vom Start weg schwarze Zahlen schreiben. Daran lassen die Aussagen von ZüriPlus-VR-Präsident Hans-Peter Meng keine Zweifel. Anlässlich der Präsentation des Senderkonzepts verkündete er vor staunendem Publikum: «Wir haben von Anfang an ein ausgeglichenes Budget.» Und: «Jede unserer Sendungen ist kostendeckend.»Simple Produktionsphilosophie
Was als Wunschtraum jedes privaten TV-Anbieters daherkommt, soll dank eines völlig neuen Geschäftsmodells Wirklichkeit werden, mit dem ZüriPlus am 31. März offiziell auf Sendung gehen will. Hinter dem ehrgeizigen Businessplan verbirgt sich eine ebenso bestechende wie simple Organisations- und Produktionsphilosophie, wie sie bisher in der Schweizer Lokal-TV-Landschaft einmalig ist. Denn ZüriPlus versteht sich als Abspielplattform für Produktionsfirmen, die für die Lieferung ihrer Inhalte nicht etwa Geld erhalten, wie das sonst üblich ist. Im Gegenteil: Die Produzenten bezahlen dafür, dass ihre Sendungen auf ZüriPlus ausgestrahlt werden. Wie hoch diese Beträge sind, war allerdings nicht zu erfahren.
Sieben Produktionsfirmen werden den neuen Sender alimentieren. Den Hauptanteil liefert die Polyvision AG, die ZüriPlus-Geschäftsführer Peter Steinmann gehört. Sie produziert sechs Sendungen («InfoPlus», «SiebenPlus», «Schnäppchen», «FitPlus», «Sport Z» und «GlobeTV»). Die TME-Group in Schlieren trägt zwei Sendungen bei («CasinoZ», «LiveGame»). Vier weitere Firmen sind für die Produktion je einer Sendung zuständig. Zu diesen zählen die Leguan Productions in Thun («RaveTV»), die Murmi Productions in Obfelden («Murmi»), die Cool TV Productions in Wetzikon («Cool TV») sowie die Firma VCS in Dübendorf («Der Hammer»).
Das Grundrezept für die von ZüriPlus gewählte Form der Plattformbewirtschaftung stammt von Steinmann selbst, der das Modell mit seinem «GlobeTV» bereits seit vier Jahren praktiziert – mit Erfolg, wie er sagt. Mittlerweile läuft die Sendung bereits auf acht Regional-TV-Stationen. Auch Steinmann bezahlt den Sendern Geld, damit diese «GlobeTV» in ihr Programm aufnehmen.
Vermarktung wird aufgebaut
Die zweite Einnahmequelle des Lokalsenders sind die Sponsoren, deren Beiträge allerdings direkt zu den Produktionsfirmen fliessen – als Deckungsbeitrag für deren Aufwand. Drittens rechnet ZüriPlus mit Einnahmen aus den interaktiven Sendungen «LiveGame» und «CasinoZ». Bei diesen beiden Formaten können sich Zuschauende via kostenpflichtige Nummern direkt am Geschehen beteiligen.
Auch normale TV-Werbung soll dereinst ein finanzielles Standbein werden. Allerdings fehlt dafür noch die Vermarktungsabteilung. Diese werde «in absehbarer Zeit» aufgebaut, sagt VR-Präsident Meng. Last, but not least werde sich ZüriPlus auch um Beiträge aus dem Gebührensplitting bemühen.
Budgetzahlen sind vom neuen Sender indessen nicht erhältlich. «Wir geben nur so viel Geld aus, wie wir einnehmen. Daher sind wir nicht in der Lage, von vornherein ein Jahresbudget festzulegen», erklärt Steinmann. Weil andererseits das Personal bei den Produktionsfirmen konzentriert ist, bleibt auch die Lohnliste des neuen Senders überschaubar. Vorgesehen ist zunächst ein Personalbestand von lediglich zehn Festangestellten, den man aber bis Ende Jahr noch aufstocken werde.
Inhalte nicht neu erfunden
Inhaltlich positioniert sich ZüriPlus mit einem 24-Stunden-Programm aus Information, Sport, Unterhaltung und Kinderprogramm. Dabei setzt der Sender auf die in der Lokal-TV-Szene bewährte Stundenschleife. Kernangebot ist ein täglich frisch produziertes Hauptprogramm, das jeweils von 19 Uhr bis 6 Uhr morgens wiederholt wird. Während der übrigen Stunden sind Unterhaltungsprogramme angesetzt, die im Wochenrhythmus erneuert werden.
«Wir können und wollen das Fernsehen nicht neu erfinden», erklärt VR-Präsident Meng. ZüriPlus verfolge die Philosophie, im bereits vorhandenen Programmangebot «jene Löcher zu stopfen, die noch nicht gestopft sind». Man werde sicher nicht versuchen, Tele Züri dort zu konkurrenzieren, wo dieser Sender seine Stärken habe. «Trotzdem wird es gewisse Überschneidungen geben», hält Meng fest.
Bei Tele Züri sieht man der neuen Konkurrenz gelassen entgegen. Andreas Meili, Leiter elektronische Medien bei Tamedia, erwartet «keine markanten Auswirkungen» auf seinen Sender. «Ich wünsche ZüriPlus Glück, bin aber sehr skeptisch, ob das recht unklare Konzept überhaupt funktionieren kann.» Der angekündigte Sender sei ein Potpourri aus Tele Züri, Unterhaltung, Kindersendung und Aerobic, meint Meili und fügt an: «Ein wirklich Erfolg versprechender neuer Sender müsste eine Nische fahren und Zuschauende mit Inhalten bedienen, die in der einen oder anderen Form nicht vorhanden sind.»
Claudia Steinmann, eine der Moderatorinnen von ZüriPlus: Ab Ende März offiziell im Äther und auf Kabel.
Vier HauptaktionäreDie Aktienmehrheit von ZüriPlus konzentriert sich bei den vier Hauptaktionären Peter Steinmann (Geschäftsführer ZüriPlus), Hans-Peter Meng (VR-Präsident der HTV-Fernsehen AG), René-Henri Isler (VR-Delegierter) sowie dem Public-Relations-Unternehmer Karl F. Schneider (VR-Mitglied). Diese vier Personen halten je rund 15 Prozent und kommen so zusammen auf gut 60 Prozent. Die übrigen Anteile verteilen sich auf weitere rund 130 Kleinaktionäre. Keine Aktien hält Redaktionsleiter Gian Meyerhofer, der seine Sporen bei Tele Züri, TV 3 und Tele M1 abverdient hatte. (dse)
Bis zur Grenze
Auf Grund seiner über 20-jährigen Vorgeschichte ist ZüriPlus einer der wenigen Privatsender, der mit einer terrestrischen Verbreitung ausgestattet ist. Damit kann das gesamte Gebiet vom Zürcher Oberland bis zur deutschen Grenze abgedeckt werden. Steinig war aber der Weg in die Kabelnetze. Verhandlungen mit der Cablecom erstreckten sich auf fast ein Jahr. Erst auf Intervention des Bundesamtes für Kommunikation und unter Berufung auf die Must-carry-rule (Artikel 42 RTVG) konnte die Aufschaltung schliesslich durchgesetzt werden. Seit kurzem ist nun ZüriPlus im Kabelnetz der Stadt Zürich präsent. Demnächst sollen das Zürcher Oberland und Winterthur folgen, mit deren Netzbetreibern man noch verhandle. (dse)
Daniel Schifferle
Was als Wunschtraum jedes privaten TV-Anbieters daherkommt, soll dank eines völlig neuen Geschäftsmodells Wirklichkeit werden, mit dem ZüriPlus am 31. März offiziell auf Sendung gehen will. Hinter dem ehrgeizigen Businessplan verbirgt sich eine ebenso bestechende wie simple Organisations- und Produktionsphilosophie, wie sie bisher in der Schweizer Lokal-TV-Landschaft einmalig ist. Denn ZüriPlus versteht sich als Abspielplattform für Produktionsfirmen, die für die Lieferung ihrer Inhalte nicht etwa Geld erhalten, wie das sonst üblich ist. Im Gegenteil: Die Produzenten bezahlen dafür, dass ihre Sendungen auf ZüriPlus ausgestrahlt werden. Wie hoch diese Beträge sind, war allerdings nicht zu erfahren.
Sieben Produktionsfirmen werden den neuen Sender alimentieren. Den Hauptanteil liefert die Polyvision AG, die ZüriPlus-Geschäftsführer Peter Steinmann gehört. Sie produziert sechs Sendungen («InfoPlus», «SiebenPlus», «Schnäppchen», «FitPlus», «Sport Z» und «GlobeTV»). Die TME-Group in Schlieren trägt zwei Sendungen bei («CasinoZ», «LiveGame»). Vier weitere Firmen sind für die Produktion je einer Sendung zuständig. Zu diesen zählen die Leguan Productions in Thun («RaveTV»), die Murmi Productions in Obfelden («Murmi»), die Cool TV Productions in Wetzikon («Cool TV») sowie die Firma VCS in Dübendorf («Der Hammer»).
Das Grundrezept für die von ZüriPlus gewählte Form der Plattformbewirtschaftung stammt von Steinmann selbst, der das Modell mit seinem «GlobeTV» bereits seit vier Jahren praktiziert – mit Erfolg, wie er sagt. Mittlerweile läuft die Sendung bereits auf acht Regional-TV-Stationen. Auch Steinmann bezahlt den Sendern Geld, damit diese «GlobeTV» in ihr Programm aufnehmen.
Vermarktung wird aufgebaut
Die zweite Einnahmequelle des Lokalsenders sind die Sponsoren, deren Beiträge allerdings direkt zu den Produktionsfirmen fliessen – als Deckungsbeitrag für deren Aufwand. Drittens rechnet ZüriPlus mit Einnahmen aus den interaktiven Sendungen «LiveGame» und «CasinoZ». Bei diesen beiden Formaten können sich Zuschauende via kostenpflichtige Nummern direkt am Geschehen beteiligen.
Auch normale TV-Werbung soll dereinst ein finanzielles Standbein werden. Allerdings fehlt dafür noch die Vermarktungsabteilung. Diese werde «in absehbarer Zeit» aufgebaut, sagt VR-Präsident Meng. Last, but not least werde sich ZüriPlus auch um Beiträge aus dem Gebührensplitting bemühen.
Budgetzahlen sind vom neuen Sender indessen nicht erhältlich. «Wir geben nur so viel Geld aus, wie wir einnehmen. Daher sind wir nicht in der Lage, von vornherein ein Jahresbudget festzulegen», erklärt Steinmann. Weil andererseits das Personal bei den Produktionsfirmen konzentriert ist, bleibt auch die Lohnliste des neuen Senders überschaubar. Vorgesehen ist zunächst ein Personalbestand von lediglich zehn Festangestellten, den man aber bis Ende Jahr noch aufstocken werde.
Inhalte nicht neu erfunden
Inhaltlich positioniert sich ZüriPlus mit einem 24-Stunden-Programm aus Information, Sport, Unterhaltung und Kinderprogramm. Dabei setzt der Sender auf die in der Lokal-TV-Szene bewährte Stundenschleife. Kernangebot ist ein täglich frisch produziertes Hauptprogramm, das jeweils von 19 Uhr bis 6 Uhr morgens wiederholt wird. Während der übrigen Stunden sind Unterhaltungsprogramme angesetzt, die im Wochenrhythmus erneuert werden.
«Wir können und wollen das Fernsehen nicht neu erfinden», erklärt VR-Präsident Meng. ZüriPlus verfolge die Philosophie, im bereits vorhandenen Programmangebot «jene Löcher zu stopfen, die noch nicht gestopft sind». Man werde sicher nicht versuchen, Tele Züri dort zu konkurrenzieren, wo dieser Sender seine Stärken habe. «Trotzdem wird es gewisse Überschneidungen geben», hält Meng fest.
Bei Tele Züri sieht man der neuen Konkurrenz gelassen entgegen. Andreas Meili, Leiter elektronische Medien bei Tamedia, erwartet «keine markanten Auswirkungen» auf seinen Sender. «Ich wünsche ZüriPlus Glück, bin aber sehr skeptisch, ob das recht unklare Konzept überhaupt funktionieren kann.» Der angekündigte Sender sei ein Potpourri aus Tele Züri, Unterhaltung, Kindersendung und Aerobic, meint Meili und fügt an: «Ein wirklich Erfolg versprechender neuer Sender müsste eine Nische fahren und Zuschauende mit Inhalten bedienen, die in der einen oder anderen Form nicht vorhanden sind.»
Claudia Steinmann, eine der Moderatorinnen von ZüriPlus: Ab Ende März offiziell im Äther und auf Kabel.
Vier HauptaktionäreDie Aktienmehrheit von ZüriPlus konzentriert sich bei den vier Hauptaktionären Peter Steinmann (Geschäftsführer ZüriPlus), Hans-Peter Meng (VR-Präsident der HTV-Fernsehen AG), René-Henri Isler (VR-Delegierter) sowie dem Public-Relations-Unternehmer Karl F. Schneider (VR-Mitglied). Diese vier Personen halten je rund 15 Prozent und kommen so zusammen auf gut 60 Prozent. Die übrigen Anteile verteilen sich auf weitere rund 130 Kleinaktionäre. Keine Aktien hält Redaktionsleiter Gian Meyerhofer, der seine Sporen bei Tele Züri, TV 3 und Tele M1 abverdient hatte. (dse)
Bis zur Grenze
Auf Grund seiner über 20-jährigen Vorgeschichte ist ZüriPlus einer der wenigen Privatsender, der mit einer terrestrischen Verbreitung ausgestattet ist. Damit kann das gesamte Gebiet vom Zürcher Oberland bis zur deutschen Grenze abgedeckt werden. Steinig war aber der Weg in die Kabelnetze. Verhandlungen mit der Cablecom erstreckten sich auf fast ein Jahr. Erst auf Intervention des Bundesamtes für Kommunikation und unter Berufung auf die Must-carry-rule (Artikel 42 RTVG) konnte die Aufschaltung schliesslich durchgesetzt werden. Seit kurzem ist nun ZüriPlus im Kabelnetz der Stadt Zürich präsent. Demnächst sollen das Zürcher Oberland und Winterthur folgen, mit deren Netzbetreibern man noch verhandle. (dse)
Daniel Schifferle
