Lies mich, du schöner Mann

Männermagazine Mit der ersten von zwei Ausgaben in diesem Jahr belegt Bo-Bolero am 12. März die Nische «helvetisches Männermagazin».

Männermagazine Mit der ersten von zwei Ausgaben in diesem Jahr belegt Bo-Bolero am 12. März die Nische «helvetisches Männermagazin».Die Zeit des Versteckspiels ist vorbei: Männer, die bisher heimlich die Frauenzeitschriften ihrer Partnerin lasen, werden jetzt von Bolero mit einem eigenen Magazin bedient. Verborgen bleiben allerdings die Zukunftspläne der Bolero Zeitschriften Verlag AG. Vorerst erscheinen zwei Ausgaben von Bo (Bolero für Männer im Untertitel) im März und im September als Teil einer neuen Special-Serie. Und danach? Geschäftsleiterin Martina Allenspach quittiert die Frage mit einem Lächeln. Ob Bo weiterhin als halbjährliches Special geplant ist oder gar zu einem eigenständigen Magazin mit höherer Frequenz ausgebaut wird, lässt sie offen. «Sehen Sie, wir sind ein kleiner Verlag. Bei grossen Medienhäusern wird ein Titel vielleicht mit Millionenbeträgen in den Markt gedrückt. Bei uns werden kleinere Brötchen gebacken.»
Die Absicht, aus Bo mehr als einen One-shot werden zu lassen, wird dennoch offensichtlich, wenn Allenspach über die Marktchancen spricht. Der Trend, auf den Bo aufspringen will, heisst «Grooming»: Schönheitspflege für den Mann. Ein Trend mit riesigem Potenzial. Der Markt für Frauenkosmetik sei zu 99 Prozent gesättigt, zitiert Allenspach ihre Kunden der Kosmetikindustrie, jener für Männerkosmetik deckt erst zwei Prozent ab. Um beim starken Geschlecht die Nachfrage anzukurbeln und die Produkte an den Mann zu bringen, braucht es jetzt gezielte Werbekanäle. «In der Deutschschweiz hat es Platz für ein Männermagazin», meint Allenspach. «Für Bo.»
Kein Sauglattismus
Bisher finden Schweizer Männer am Kiosk hauptsächlich deutsche Umsetzungen der britischen «Lad’s magazines» wie GQ und FHM, die sich mit Sex, Sport und zotigem Humor profilieren. Bo richte sich dagegen an «Männer mit Hirn», betont Allenspach. «Sauglattismus findet in Bo nicht statt.» Jedes Heft steht unter einem Motto – «Helden» in der ersten Ausgabe vom 12. März, «Clans & Clubs» in der zweiten vom 7. September. Die Inhalte entsprechen der Kernkompetenz von Bolero: Mode, Schönheit, Stil, Design. Erotik fehlt nicht, doch sie bleibt platonisch. So enthält die erste Ausgabe eine erotische Kurzgeschichte, für die komplett auf Illustrationen verzichtet wurde. Mit einem Mann auf dem Titelbild und einer Fotostrecke über schöne Secondo-Männer setzt sich Bo noch weiter vom üblichen Männermagazinmix ab.
Fast könnte man glauben, Bo strebe eine ähnliche Durchmischung der Leserschaft an, wie sie Bolero schon aufweist. Die Frauenzeitschrift wird zu rund einem Viertel von Männern gelesen. Martina Allenspach sieht in einer solchen Vermischung der Zielgruppe kein Problem: «Laut der Trendforscherin Faith Popcorn wird die grosse Mehrheit aller Kaufentscheide sowieso von Frauen beeinflusst», sagt sie lachend. Als Special von Bolero wird Bo denn auch an alle (rund 13000) Abonnentinnen und Abonnenten verschickt. Am Kiosk liegt es während drei Monaten zum Verkauf auf. Ein Drittel der Druckauflage von 35000 Exemplaren soll über andere Kanäle wie Partnerschaften mit Labels oder Events verteilt werden.
Die Zielgruppe Mann ist für den Bolero Zeitschriften Verlag übrigens kein Neuland. Bisher erschienen in Bolero zweimal jährlich Specials mit bis zu 36 Seiten Umfang, die sich an die Herren der Schöpfung wandten.
Erotik in Bo-Bolero? Gibts auch, aber nur sehr verhalten.
Martina Allenspach bietet mit Bo-Bolero Männern neuen Lesespass.
Stefano Monachesi

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