Bekennender Newsjunkie

Markus Eisenhut, Chefredaktor von 20 Minuten, gehört zu den Gewinnern im abrupt gestoppten Konkurrenzkampf der Gratiszeitungen auf dem Platz Zürich.

Markus Eisenhut, Chefredaktor von 20 Minuten, gehört zu den Gewinnern im abrupt gestoppten Konkurrenzkampf der Gratiszeitungen auf dem Platz Zürich. Seine Ferien in Australien im April hat der Chefredaktor von 20 Minuten schon seit längerem geplant. Doch nach dem überraschenden Aus des Konkurrenzprojektes Express von Tamedia kann Markus Eisenhut den Urlaub umso mehr geniessen. Hat er doch mit seiner Mannschaft und dem Verlag dafür gesorgt, dass es nicht zu einer teuren Materialschlacht bei den Gratiszeitungen kommt. Auch wenn jetzt eine gewisse Spannung weg ist, wird sich der
bekennende Newsjunkie Eisenhut kaum davon abhalten lassen, regelmässig von Australien aus in der Redaktion anzurufen. Nicht, dass er kein Vertrauen in seine Leute hätte, bezeichnet er doch seinen Stellvertreter als «Lottosechser». Doch die ihm eigene Ungeduld treibt Eisenhut stets voran, die Pendlerzeitung weiter zu verbessern.
Auch jetzt, ohne den Express im Nacken, sieht Eisenhut noch viele Herausforderungen für 20 Minuten. Er und sein Team wollen die Tugenden Flexibilität und Ehrgeiz beibehalten und weitere Leser und Inserate gewinnen. «Wir werden bei der Mach 03 diesen Oktober wieder die grossen Gewinner sein», ist Eisenhut überzeugt. Dass Tamedia jetzt zum Partner von 20 Minuten wird, stört den Chefredaktor keineswegs. Schliesslich sei der Tagi nicht nur seit jeher seine Hauszeitung; im Lauf seiner Karriere hat er schon bei beiden Zeitungen an der Werdstrasse – Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung – gearbeitet. Ausserdem besuchen seine Kinder Tamedias Krippe.
Eher zufällig landete Eisenhut im Journalismus. Sein Traumberuf war eigentlich Chirurg. Doch als aktiver Leichtathlet war ihm das Medizinstudium zu aufwändig, so dass er sich im Jus- und später im Deutschstudium versuchte. Zu Beginn der Achtzigerjahre bewarb er sich beim Schweizer Fernsehen als Moderator für eine Musiksendung. Den Job bekam er zwar nicht, doch kurz darauf Post vom Blick, wo er schon bald als Sportreporter arbeitete. Das war noch zu Peter Übersax’ Zeiten, was sich für Eisenhut als sehr gute Schule erwies und ihn auch belastbar machte. Bis zum Chefredaktor von 20 Minuten führte ihn die Laufbahn über die Nachrichtenredaktion der Schweizer Illustrierten, der Sportredaktion des Tagi und weiter zum Sportchef von Blick und SonntagsBlick. Danach wurde Eisenhut Nachrichtenchef bei der SonntagsZeitung und später stellvertretender Dienstchef beim Tages-Anzeiger. Die Chance des Wechsels zu 20 Minuten liess sich der Vollblutjournalist nicht entgehen.
Für den Job als Chefredaktor sah er sich denn auch ausreichend qualifiziert: «Wichtig ist mir, gefordert zu sein, jedoch nicht überfordert.» Seine Zukunft sieht er weiterhin beim Pendlerblatt, auch wenn die neuen Besitzerverhältnisse noch zu Spekulationen Anlass geben (siehe auch Seite 16). «Ich komme immer noch jeden Tag gerne zur Arbeit und will im Moment gar nichts anderes machen.» Was ihn weiter fasziniert, ist der aktiv gelebte Crossmedia-Ansatz, den es in dieser ausgeprägten Form in der Schweiz sonst nirgends gebe. Die ganze Vernetzung sei extrem spannend. Ausserdem mache es Spass, mit einer jungen motivierten Mannschaft zusammenzuarbeiten. Als neuestes Produkt will
20 Minuten wie geplant ein Ausgehmagazin herausbringen.
Die spärliche Freizeit verbringt der bald 40-Jährige am liebsten mit den Töchtern Lina und Kaja sowie seiner Frau, die als Journalistin beim SonntagsBlick arbeitet. Eisenhut sagt von sich, er sei ein ungestresster Mensch. Doch es gibt auch Sachen, die ihn ärgern. Zum Beispiel der Grönemeyer-Artikel, bei dem ein falsches Bild verwendet wurde. «Wenn mich etwas ärgert, muss der Ärger raus. Doch dann herrscht wieder Ruhe», erklärt er seine manchmal impulsive Art. Seine Direktheit sieht er als Stärke und Schwäche zugleich. Auf jeden Fall zeige er auch ganz deutlich, wenn ihn etwas freue.
Geht nach spannungsreichen Wochen erst mal in Urlaub nach Australien: Markus Eisenhut.
Patrick Hediger

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