Kauf Munteanu, bevor er zu teuer ist
Möbelhandel Jung von Matt/Limmat wirbt in Spots mit zwei unbekannten Designern für das Mobitare-Credo «Design zu vernünftigen Preisen».
Möbelhandel Jung von Matt/Limmat wirbt in Spots mit zwei unbekannten Designern für das Mobitare-Credo «Design zu vernünftigen Preisen».So schaffen sich kreative Werber unter kreativen Möbeldesignern keine Freunde. Statt angemessen für ihre Entwürfe bezahlt zu werden, müssen sie weggeworfene Zigarettenkippen rauchen oder heimlich Katzenmilchschalen auslöffeln. Was in 30 Sekunden aussieht wie ein Crashkurs in Sachen Manchesterkapitalismus, entpuppt sich unter dem Licht einer Designerlampe als Spot fürs Einrichtungshaus Mobitare, ausgeheckt vom Zürcher Ableger des Agenturnetzwerks Jung von Matt. Message der überdrehten Shortstory fürs TV- und Kinopublikum: Kauft Designermöbel, bevor sie unbezahlbar werden.Aber das ist nur die Hälfte der Geschichte. Denn es stimmt nicht mehr, dass in Krisenzeiten die Konsumenten ihr Geld lieber für die Verschönerung der eigenen vier Wände ausgeben, statt in ferne Länder zu reisen. Die Wohnung nach Lust und Laune umzugestalten und neu zu möblieren, ist den meisten Schweizer Konsumenten (siehe Kasten) angesichts der steifen Wirtschaftsbise dann doch zu teuer. Das bestätigt auch Christian G. Malzach, Unternehmensleiter Mobitare AG: «Die Leute kaufen zwar immer noch regelmässig ein, aber weniger und viel preissensitiver als früher.»
Ein Trend, der beim Designmöbel-Spezialisten aus der Pfister-Arco-Gruppe Spuren hinterlassen hat: Der Umsatz 2002 brach mit 22,5 Millionen Franken um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Dass die Branche unter der Unlust der Konsumenten leidet, bestätigen selbst Anbieter von Möbeln im niedrigen Preissegment. «Es heisst immer, dass es uns in schlechten Zeiten besser geht», meint Klaus Peter Mager, Ikea-
PR-Verantwortlicher. Auch beim schwedischen Einrichtungshaus spüre man trotz steigender Besucherzahlen einen Rückgang
im Pro-Kopf-Umsatz. Eine Entwicklung, von der auch das Migros-eigene Möbelhaus Micasa betroffen ist, wie Kommunikationsleiter César Keller einräumt: «Die Leute kaufen noch preisbewusster ein als früher.»
Tausche Ikea gegen Mobitare
Seit dem 21. April soll eine neue Kampagne das Möbelhaus Mobitare bei der potenziellen Kundschaft in Erinnerung rufen. Die verantwortliche Agentur Jung von Matt/Limmat (JvM) verfügt bereits über Erfahrungen im Einrichtungsbereich. Schliesslich betreute sie während mehreren Jahren das Schweizer Budget von Ikea. Dieser Etat hatte vorerst eine Zusammenarbeit zwischen Mobitare und dem JvM-Team verhindert: Auf Grund des Interessenskonfliktes musste sich JvM vor drei Jahren das Budget von Rüegg Werbung vor der Nase wegschnappen lassen.
Neben der Agentur wechselte Mobitare auch das Hauptmedium: Mit zwei Spots – flankiert von drei Plakatsujets – ist das Dübendorfer Einrichtungshaus heuer auf Tele Züri und Zürcher Kinoleinwänden präsent. Letztere würden allerdings in spezielleren Theatern wie dem Riff Raff geschaltet, erklärt JvM-CD Urs Schrepfer. Denn als Zielpublikum werden 30- bis 50-jährige Frauen und Männer angepeilt, die sich «sowohl beruflich als auch privat bereits orientiert haben». Der neue Auftritt will Mobitare als Anbieter von Designmöbeln zu vernünftigen, zahlbaren Preisen positionieren.
«Kaufen Sie seine Möbel, bevor er ein Vermögen damit macht», fordert die Off-Stimme im Mobitare-Spot die Betrachter auf – und zeigt die zwei Jungdesigner Andrei Munteanu und Jacco Bregonje in eindeutig armseligen Posen. Für mehr Authentizität verpflichtete JvM nebst dem Jungregisseur Enno auch gleich die «echten» Möbelentwerfer.
Mit dem neuen Konzept will die Möbel-Pfister-Schwester bekannt machen, dass sie vorwiegend mit Designern arbeitet, die erst «auf dem Sprung sind». Der Kunde müsse den Preis auf Grund des Stückgegenwertes stets nachvollziehen können. Mit Jungdesignern könne das eher erreicht werden, da diese noch keine «horrend hohen, utopischen Preisvorstellungen» hätten, offenbart Unternehmensleiter Malzach und präzisiert, dass dies nicht despektierlich gemeint sei, aber: «Wir wollen mehr als nur den Namen. Wir wollen auch ein tolles Produkt dahinter.»
Angst, dass die Designer durch die Spots «bekannt» werden und die Preise für ihre Kreationen in «utopische Sphären» abdriften könnten, hat Malzach keine. «Wir haben ihre Möbel ja bereits.»
No-Name-Designer sucht Mobitare-Möbelkunden zwecks Ausstieg aus dem Clochard-Milieu.
Umsatzentwicklung der drei grössten Schweizer Möbelhändler der vergangenen drei Jahre
Simone Keller
Ein Trend, der beim Designmöbel-Spezialisten aus der Pfister-Arco-Gruppe Spuren hinterlassen hat: Der Umsatz 2002 brach mit 22,5 Millionen Franken um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Dass die Branche unter der Unlust der Konsumenten leidet, bestätigen selbst Anbieter von Möbeln im niedrigen Preissegment. «Es heisst immer, dass es uns in schlechten Zeiten besser geht», meint Klaus Peter Mager, Ikea-
PR-Verantwortlicher. Auch beim schwedischen Einrichtungshaus spüre man trotz steigender Besucherzahlen einen Rückgang
im Pro-Kopf-Umsatz. Eine Entwicklung, von der auch das Migros-eigene Möbelhaus Micasa betroffen ist, wie Kommunikationsleiter César Keller einräumt: «Die Leute kaufen noch preisbewusster ein als früher.»
Tausche Ikea gegen Mobitare
Seit dem 21. April soll eine neue Kampagne das Möbelhaus Mobitare bei der potenziellen Kundschaft in Erinnerung rufen. Die verantwortliche Agentur Jung von Matt/Limmat (JvM) verfügt bereits über Erfahrungen im Einrichtungsbereich. Schliesslich betreute sie während mehreren Jahren das Schweizer Budget von Ikea. Dieser Etat hatte vorerst eine Zusammenarbeit zwischen Mobitare und dem JvM-Team verhindert: Auf Grund des Interessenskonfliktes musste sich JvM vor drei Jahren das Budget von Rüegg Werbung vor der Nase wegschnappen lassen.
Neben der Agentur wechselte Mobitare auch das Hauptmedium: Mit zwei Spots – flankiert von drei Plakatsujets – ist das Dübendorfer Einrichtungshaus heuer auf Tele Züri und Zürcher Kinoleinwänden präsent. Letztere würden allerdings in spezielleren Theatern wie dem Riff Raff geschaltet, erklärt JvM-CD Urs Schrepfer. Denn als Zielpublikum werden 30- bis 50-jährige Frauen und Männer angepeilt, die sich «sowohl beruflich als auch privat bereits orientiert haben». Der neue Auftritt will Mobitare als Anbieter von Designmöbeln zu vernünftigen, zahlbaren Preisen positionieren.
«Kaufen Sie seine Möbel, bevor er ein Vermögen damit macht», fordert die Off-Stimme im Mobitare-Spot die Betrachter auf – und zeigt die zwei Jungdesigner Andrei Munteanu und Jacco Bregonje in eindeutig armseligen Posen. Für mehr Authentizität verpflichtete JvM nebst dem Jungregisseur Enno auch gleich die «echten» Möbelentwerfer.
Mit dem neuen Konzept will die Möbel-Pfister-Schwester bekannt machen, dass sie vorwiegend mit Designern arbeitet, die erst «auf dem Sprung sind». Der Kunde müsse den Preis auf Grund des Stückgegenwertes stets nachvollziehen können. Mit Jungdesignern könne das eher erreicht werden, da diese noch keine «horrend hohen, utopischen Preisvorstellungen» hätten, offenbart Unternehmensleiter Malzach und präzisiert, dass dies nicht despektierlich gemeint sei, aber: «Wir wollen mehr als nur den Namen. Wir wollen auch ein tolles Produkt dahinter.»
Angst, dass die Designer durch die Spots «bekannt» werden und die Preise für ihre Kreationen in «utopische Sphären» abdriften könnten, hat Malzach keine. «Wir haben ihre Möbel ja bereits.»
No-Name-Designer sucht Mobitare-Möbelkunden zwecks Ausstieg aus dem Clochard-Milieu.
Umsatzentwicklung der drei grössten Schweizer Möbelhändler der vergangenen drei Jahre
Simone Keller
