Das reine Sein des Pfeiles im Ziel

Markus Hollenstein ist neuer Marketingleiter beim TV-Vermarkter Publisuisse.

Markus Hollenstein ist neuer Marketingleiter beim TV-Vermarkter Publisuisse.«So kann es nicht weitergehen! Wo lebst du denn?», fragte sich der Geschäftsleiter bei Wunderman Cato Johnson entsetzt, als der 40. Geburtstag immer näher rückte. Markus Hollenstein musste raus aus dem Trott und «schenkte» sich ein Sabbatical. Zusammen mit seiner Frau gab er «alles auf» und stellte die persönlichen Sachen in einem Lagerhaus ein. Mit einem One-Way-Ticket flogen sie nach Singapur. Daraus ist eine dreieinhalb Jahre währende Reise geworden: Australien, Neuseeland, Südostasien Japan, China und Indien hiessen die Stationen. «Die asiatische Mentalität und Lebensphilosophie gefallen mir», meint Markus Hollenstein.
Es war nicht seine erste Asien-Reise.
Hollensteins Laufbahn begann in Zürich. Nach der C-Matura studierte er drei Semester Germanistik, Publizistik und Filmwissenschaft. Zusammen mit Kollegen drehte er einige Filme und liebäugelte mit dem Beruf des Journalisten. Doch der Berufsberater riet ihm zu einem ordentlichen Abschluss des Studiums. Mehr als die Uni interessierte ihn jedoch ein Stelleninserat der damaligen Advico. Dort landete er 1979 in der Marktforschungsabteilung. Hollenstein realisierte Marktanalysen, machte den «Werbeassi» und wurde Beratungsgruppenleiter.
Dann hatte er die Nase voll und brach nach Asien auf.
Zurück in Zürich, stellte Hollenstein fest, dass er wohl in den meisten klassischen Agenturen «das Gleiche wie bei Advico gemacht hätte, einfach mit anderen Kunden». Eine neue Herausforderung versprach indes die Promotionsagentur von Jörg Rindlisbacher. Als Beratungsleiter erlebte er die diversen Entwicklungsschritte von der Promovico zu Wunderman und später auch noch zu Impiric mit.
Doch bald wurde Hollenstein 40 Jahre alt.
Weil auch das «ständige Unterwegssein zur Monotonie geraten kann», kehrten Hollenstein und seine Frau nach dem zweiten Fernost-Abstecher 2000 in die Schweiz zurück. Eigentlich wollte er jetzt auf der Kundenseite arbeiten. Impiric suchte aber damals neugierige Leute rund um den Vontobel-Account für die elektronische Bank. Die Arbeit mit dem Internet erlebte er als faszinierend. Als aber das Ding mit der You-Bank nicht «zum Fliegen kam», wechselte er zur Publisuisse.
Dort hat er jetzt zwei Jahre lang als Leiter Kommunikation die Abteilung «nach neuen Ufern ausgerichtet». Dieses Projekt hätte er gerne noch weiter optimiert. Als jedoch neben der künftigen TV-Direktorin Ingrid Deltenre auch die Marketingleiterin Barbara Kohler beschlossen hatte, die Publisuisse zu verlassen, entdeckte man in Hollenstein den neuen Mann für die Zukunft und den Leiter des Departements Marketing. «Eine ideale Besetzung», wird die Wahl intern kommentiert.
Von seinen zukünftigen Ideen will er vor allem die Beweisführung für die Wirkung der qualitativen Elemente der TV-Werbung in den Vordergrund stellen. «Man nimmt die Zuschauerzahlen zu stark als Mass
aller Dinge», meint er und ist überzeugt, «dass wir mit Zahlen die Leistung nicht nur versprechen, sondern auch beweisen und garantieren können.» Aber innerhalb des Mediums spielt neben der Quantität auch die Qualität eine Rolle. «Auch das Programmumfeld einer Sendung und die Werbeblockgestaltung sind wichtig», weiss Hollenstein.
Über die Zukunft der neuen Fernsehformen meint er: «Zu viel Werbung in einem Programm ist total kontraproduktiv.» Das richtige Mass an gut gemachter Werbung zwischen zwei interessanten Sendungen würde aber vom Publikum sicher nicht überzappt werden.
Seit er durch Asien getingelt ist, weiss Hollenstein überdies auch mit dem Kyudo-Bogen umzugehen. Diese japanische Sportart heisst «der Weg des Bogens» und zielt auf eine Perfektion der Lebensführung. Leistung zählt als Erkenntnisgewinn, nicht aber als körperliche Ertüchtigung. Höchstes Ziel dieser Meditation mit Pfeil und Bogen ist darum nicht das Treffen des Ziels, sondern «das reine Sein des Pfeiles im Ziel».
Meditiert mit Pfeil und Bogen und erklimmt neue Erkenntnisstufen: Martin Hollenstein.

Andreas Panzeri

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