Glaspalastrevolution
Kommentar Tamedias Abschied vom Zeitschriftendruck und von dem Edelmagazin Du signalisieren einen internen Kulturwandel, meint Oliver Classen.
Kommentar Tamedias Abschied vom Zeitschriftendruck und von dem Edelmagazin Du signalisieren einen internen Kulturwandel, meint Oliver Classen.Mit der Rosskur, die Martin Kall Tamedias Zeitschriftenbereich verordnet hat, erreicht der Vorsitzende der Unternehmensleitung gleich zwei Etappenziele seines kompromisslosen Restrukturierungsplans. Zum einen löst er durch die stufenweise Einstellung des Zeitschriftendrucks endlich das Firmenversprechen «Content for People» ein und fokussiert das Zürcher Medienhaus konsequent auf Inhalte. Schon bei seinem Ex-Arbeitgeber Michael Ringier, dem Kall auch als Zeitschriftenchef diente, hatte er mit der Forderung nach attraktiveren interne Druckkonditionen auf Granit gebissen. Von Outsourcing ganz zu schweigen.Zum andern trimmt der gelernte Bertelsmann die seit knapp drei Jahren börsenkotierte Tamedia weiter eisern auf Rentabilität. Prominentestes Opfer der jüngsten Fitnessaktion ist der prestigeträchtige Dauerverlustbringer Du, an der die kulturbeflissene Verlegerfamilie emotional besonders hing. Mit dem Paukenschlag letzte Woche ist deren bisherige ideell-kommerzielle Mischkalkulation nun wohl endgültig im Papierkorb der Mediengeschichte gelandet.
Dass es dem Erzpragmatiker Kall nach nur 15-monatiger Amtszeit gelungen ist, seinen neuen Patron Hans Heinrich Coninx zur abrupten Abkehr vom Mäzenatentum zu bewegen, wirft ein grelles Licht auf den längst weit übers Operative reichenden Einfluss des deutschen CEO. Und deutet auf einen eigentlichen Kulturwandel bei Tamedia. Statt – wie bisher – in Zweifels- und Schicksalsfällen auf Verwaltungsrat Iwan Rickenbacher,
Beirat Roger de Weck oder Tagi-Chefredaktor Peter Hartmeier zu hören, scheint Coninx nun ganz auf seinen Chefstrategen Kall zu setzen.
Der will sich nach den Zeitschriften im vierten Quartal den Zeitungsbereich vornehmen. Was bad News für das Magazin als letztes Rentabilitätsreservat bedeuten könnte. Aber vielleicht wird ja auch die Cashcow Tages-Anzeiger in die Schlankheitskur geschickt.
Oliver Classen, Redaktor
Dass es dem Erzpragmatiker Kall nach nur 15-monatiger Amtszeit gelungen ist, seinen neuen Patron Hans Heinrich Coninx zur abrupten Abkehr vom Mäzenatentum zu bewegen, wirft ein grelles Licht auf den längst weit übers Operative reichenden Einfluss des deutschen CEO. Und deutet auf einen eigentlichen Kulturwandel bei Tamedia. Statt – wie bisher – in Zweifels- und Schicksalsfällen auf Verwaltungsrat Iwan Rickenbacher,
Beirat Roger de Weck oder Tagi-Chefredaktor Peter Hartmeier zu hören, scheint Coninx nun ganz auf seinen Chefstrategen Kall zu setzen.
Der will sich nach den Zeitschriften im vierten Quartal den Zeitungsbereich vornehmen. Was bad News für das Magazin als letztes Rentabilitätsreservat bedeuten könnte. Aber vielleicht wird ja auch die Cashcow Tages-Anzeiger in die Schlankheitskur geschickt.
Oliver Classen, Redaktor
