Konstruktiver Stratege
Carmelo Buffoli will als neuer Präsident der Allianz Schweizer Werbeagenturen das Qualitätslabel ASW bekannter machen.
Carmelo Buffoli will als neuer Präsident der Allianz Schweizer Werbeagenturen das Qualitätslabel ASW bekannter machen.«In fünf Jahren steht die Branche völlig anders da, weil wir einen ähnlichen Strukturwandel durchmachen wie seinerzeit die Typografen», ist Carmelo Buffoli überzeugt. Damals raffte die digitale Revolution einen Berufsstand beinahe gänzlich dahin – als plötzlich jeder Texte auf dem Computer selbst setzen und in der Wohnstube sein Vereinsblatt gestalten konnte. In der Werbung wird sich ein solcher Strukturwandel dahin entwickeln, dass viele Ideen immer mehr Bestandteil einer Gestaltung sind, die auch andere Dienstleister als nur Werbeagenturen anbieten können – grafische Arbeiten zum Beispiel direkt von einer Druckerei. Die Strategien einer solchen Werbung sollten hingegen umso nachhaltiger von den Agenturen geliefert werden. Für den frisch gekürten Präsidenten des ASW ist diese Entwicklung eine der wichtigsten Herausforderungen für seine Amtszeit. Sein Ziel formuliert er in dieser Situation so: «Ich will das Qualitätslabel ASW bekannter machen.»
Strategien entwickeln ist auch das, was er in seiner eigenen Agentur am liebsten tut. «Man gestaltet zu oft einfach schnell aus der Hüfte heraus. Ohne strategische Begründung», meint er. Dabei sei es eigentlich das Spannendste an der Werbung, zu fragen: Was setzen wir wie um? Was für Massnahmen ergreifen wir? Was können wir erwarten?
Buffoli ist «in den goldenen Achtzigerjahren» über die Kunstgewerbeschule zur Werbung gekommen. Zuerst hat er als Grafiker auf Kundenseite gearbeitet. 1991 gründete er eine eigene kleine Agentur und beschäftigt heute an der Weinbergstrasse in Zürich sieben Mitarbeiter. Dazu werden nach Bedarf externe Spezialisten angeheuert, die dem Kunden offen und direkt verrechnet werden. «Ein ideales Modell, ganz im Sinne der ASW-Philosophie», meint er, denn eine solcherart geführte Agentur habe keine unterbeschäftigten Mitarbeiter. Und wenn es ruhiger werde, erledige man viele Arbeiten halt wieder vermehrt inhouse.
In solchen Fällen kann es geschehen, dass der Familienvater Buffoli noch eine Woche in der Agentur bleiben muss, während seine Frau mit den Kindern bereits nach Indien verreist ist. Dort hat er in diesem Sommer bereits zum 14. Mal seine Ferien verbracht, denn seine Frau stammt aus Tibet, und ihre Verwandten leben heute in Indien. Der Subkontinent hat es seither auch dem Italo-Schweizer Buffoli angetan. «Ich bin aber nicht Buddhist geworden», betont er, obwohl er seine Kinder von der Mutter zum Buddhismus erziehen lässt. Seine Frau habe er auch nicht auf einer Pilgerreise, sondern «ganz profan in einer Zürcher Disco» kennen gelernt. Ihm gefällt an Indien vor allem der für einen Werber völlig ungewohnte Umgang mit der Zeit. Auch das fernöstliche Essen weiss der Italiener inzwischen sehr zu schätzen.
Dieses Nebeneinander verschiedener Kulturen war auch eine Motivation, warum sich Carmelo Buffoli als Berater für die nationalrätliche Kommission für Ausländerfragen engagieren liess. Da er Doppelbürger ist, hat man ihn für eine Beratung zur automatischen Einbürgerung der Drittgeneration angefragt. Seither hält er gelegentlich Referate zum Thema. Quintessenz: Die Schweiz braucht Ausländer, und sie ist auch durch Ausländer entstanden. Diese Situation bedingt aber eine aktive Integration. «Ich muss mich integrieren und bemühen, auch von meiner Seite etwas zu tun.» Das heisst: Ein Ausländer soll seine ursprüngliche Kultur nicht am Grenzposten abgeben, sondern diese sinnvoll einbringen.
Einen alltäglichen Bezug zur Kultur findet der Werber neben seiner Italianità inzwischen auch beim Cellospielen, beim «Konsumieren von Büchern» sowie beim Betrachten von konstruktiver Kunst.
Andreas Panzeri
Strategien entwickeln ist auch das, was er in seiner eigenen Agentur am liebsten tut. «Man gestaltet zu oft einfach schnell aus der Hüfte heraus. Ohne strategische Begründung», meint er. Dabei sei es eigentlich das Spannendste an der Werbung, zu fragen: Was setzen wir wie um? Was für Massnahmen ergreifen wir? Was können wir erwarten?
Buffoli ist «in den goldenen Achtzigerjahren» über die Kunstgewerbeschule zur Werbung gekommen. Zuerst hat er als Grafiker auf Kundenseite gearbeitet. 1991 gründete er eine eigene kleine Agentur und beschäftigt heute an der Weinbergstrasse in Zürich sieben Mitarbeiter. Dazu werden nach Bedarf externe Spezialisten angeheuert, die dem Kunden offen und direkt verrechnet werden. «Ein ideales Modell, ganz im Sinne der ASW-Philosophie», meint er, denn eine solcherart geführte Agentur habe keine unterbeschäftigten Mitarbeiter. Und wenn es ruhiger werde, erledige man viele Arbeiten halt wieder vermehrt inhouse.
In solchen Fällen kann es geschehen, dass der Familienvater Buffoli noch eine Woche in der Agentur bleiben muss, während seine Frau mit den Kindern bereits nach Indien verreist ist. Dort hat er in diesem Sommer bereits zum 14. Mal seine Ferien verbracht, denn seine Frau stammt aus Tibet, und ihre Verwandten leben heute in Indien. Der Subkontinent hat es seither auch dem Italo-Schweizer Buffoli angetan. «Ich bin aber nicht Buddhist geworden», betont er, obwohl er seine Kinder von der Mutter zum Buddhismus erziehen lässt. Seine Frau habe er auch nicht auf einer Pilgerreise, sondern «ganz profan in einer Zürcher Disco» kennen gelernt. Ihm gefällt an Indien vor allem der für einen Werber völlig ungewohnte Umgang mit der Zeit. Auch das fernöstliche Essen weiss der Italiener inzwischen sehr zu schätzen.
Dieses Nebeneinander verschiedener Kulturen war auch eine Motivation, warum sich Carmelo Buffoli als Berater für die nationalrätliche Kommission für Ausländerfragen engagieren liess. Da er Doppelbürger ist, hat man ihn für eine Beratung zur automatischen Einbürgerung der Drittgeneration angefragt. Seither hält er gelegentlich Referate zum Thema. Quintessenz: Die Schweiz braucht Ausländer, und sie ist auch durch Ausländer entstanden. Diese Situation bedingt aber eine aktive Integration. «Ich muss mich integrieren und bemühen, auch von meiner Seite etwas zu tun.» Das heisst: Ein Ausländer soll seine ursprüngliche Kultur nicht am Grenzposten abgeben, sondern diese sinnvoll einbringen.
Einen alltäglichen Bezug zur Kultur findet der Werber neben seiner Italianità inzwischen auch beim Cellospielen, beim «Konsumieren von Büchern» sowie beim Betrachten von konstruktiver Kunst.
Andreas Panzeri
