Jetzt hilft nur noch die Geburtenrate

Radiomarketing Zum 20-Jahr-Jubiläum der Privatradios liess sich Ruf Lanz eine witzige Gattungskampagne einfallen.

Radiomarketing Zum 20-Jahr-Jubiläum der Privatradios liess sich Ruf Lanz eine witzige Gattungskampagne einfallen.Das tut weh: «DRS 3 ist neu Zürichs Nr. 1.» titelte kürzlich 20 Minuten auf der Front – eine Hiobsbotschaft für alle Privatradios. Gemäss Radiocontrol weist DRS 3 im Grossraum Zürich die höhere Tagesreichweite und den grösseren Marktanteil auf als Radio 24.Ausgerechnet drei Tage nachdem sich am RadioDay die Lokalradios zum 20-Jahr-Jubiläum mit der Auszeichnung «Radio of the Year» gegenseitig auf die Schulter klopften, führte der Beitrag den Hörertrend allen deutlich vor Augen: Während die SRG-Sender erneut zugelegt haben, büssten fast alle Privaten ein (siehe WW 28/03). Offenbar sind immer mehr Ohren taub für die Hits von gestern, heute und morgen sowie für Statistiken, die nachweisen, dass das Durchschnittsalter der Hörer öffentlich-rechtlicher Stationen höher ist. Seitdem nämlich fast nur noch Jingles für die Eigenständigkeit der nahezu homogenen Sendeprogramme sorgen, wandern die Konsumenten zu den Staatsradios ab. Höchste Zeit also, sich auf die eigenen Qualitäten zu besinnen und mit einer Imagekampagne Paroli zu bieten.
Mehr Privatradio – mehr Babys
«Wir wollten eine Radiokampagne, die von nationalem Interesse ist und die Hörerinnen und Hörer im Bündnerland genauso aufhorchen lässt wie jene im Welschland oder in Zürich», sagt Roland Baumgartner, Vorstandsmitglied VSP und Geschäftsführer von Radio Argovia. Gleichzeitig sollte sie via Hörermarkt den Werbeauftraggebern zeigen, dass kreativ überraschende Radiospots viel Gehör finden.
Nur: Wie verschafft man sich Gehör, wenn die Hörer abtrünnig werden? Die beauftragte Agentur Ruf Lanz sah die Lösung bei Bundespräsident Pascal Couchepin, der ähnliche Sorgen hat, weil in der Schweiz immer weniger Kinder und damit Ohrenpaare gezeugt werden. Die Radiospots unterstützen Couchepins Appell, sich diesbezüglich etwas mehr ins Zeug zu legen. «Natürlich mit lust- und humorvollen Anregungen», erklärt Markus Ruf. Nach dem Alphorn-Intro kommen in zwölf Spots unterschiedliche «Experten» zu Wort, vom Kamasutra-Meister über die Urologin bis zum Liebesroman-Autor. Die Auflösung verdeutlicht die nicht ganz uneigennützigen Absichten: «Damit auch in Zukunft so viele Leute Radio hören wie heute.» Zeitlich verzögert sollen Inserat und TV-Spot die Radiokampagne flankieren «und den Beweis liefern, dass sie hier und dort ihre Folgen hatte», verweist Danielle Lanz auf das Motiv mit den absonderlichen, aber nicht ganz unbekannten Essgelüsten.
Sinnlicher Sound aus Privatradios mit Folgen: Ruf-Lanz-Anzeige.
Luca Aloisi

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