Rosen für die Berner Werber

Paolo Tonti will als zweiter CD Contexta verstärken.

Paolo Tonti will als zweiter CD Contexta verstärken.Jetzt kann er wieder reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: Paolo Tonti verbrachte die Primarschulzeit in Bern, nachdem er 1964 mit seinen Eltern aus Italien in die Schweiz gekommen war. «Extrem Berndeutsch» sei sein Dialekt bis in die Gymnasialzeit gewesen. Als er in den Siebzigerjahren in Zürich an der Kunstgewerbeschule Grafik studierte und erste Erfahrungen als Werber in der Limmatstadt sammelte, hörte sich sein Sprechen anders an.Im Mekka der schnell sprechenden Werber wohnt Paolo Tonti noch immer. Er pendelt jetzt aber jeden Morgen um sechs Uhr im fahrbaren Büro der SBB zurück in die Stadt der Gemütlichen. «Berner sind nicht langsam, sondern gelassener. Sie haben eine fast südländische Komponente und eine sehr lebendige Kultur», hat er bereits in den ersten zwei Wochen als neuer CD bei Contexta feststellen können. Tonti will deshalb so schnell wie möglich neben seinem neuen Job in Bern auch eine neue Wohnung finden.
Beruflich habe dieser Wechsel «einfach sehr gut gepasst». Tonti fand schon länger, dass Luftveränderung im Job wieder mal gut täte. Der Umstand, dass Contexta nach dem Ausscheiden von CD Hannes Weber ihre Geschäftsleitung neu organisieren wollte, hat schliesslich die zwei Richtigen zusammengebracht. «Er passt zu uns», meint Mitinhaber Bernhard Abegglen bei Contexta. Die Auswahl an ADC-prämierten Zürchern, die zu einer Agentur in die Bundesstadt wechseln wollten, sei dabei nicht gerade klein gewesen.
Paolo Tonti sammelte seine ersten Referenzen bei Advico. Schon während der Abschlussprüfung an der Kunstgewerbeschule hatten ihm zwei Prüfungsexperten, darunter der damalige Advico-CD, ein Jobangebot unterbreitet. «Das waren die wilden Siebzigerjahre», erinnert sich Tonti, der sich aber zuerst mal ein Jahr als Gestalter am Kunstgewerbemuseum kreativ ausleben wollte, bevor er dem Werben der Werber von Advico nachgab.
Seine zweite Agentur war 1978 die frisch gegründete Lesch+Frei. Hier ist Tonti auch wieder aufgenommen worden, als er 1989 von einem fünfjährigen Aufenthalt aus Asien zurückgekehrt ist.
Seine damalige Frau hatte in Bangladesh als Entwicklungshelferin im Auftrag der Schweiz gewirkt. Als «begleitender Ehemann», wie das beim Bund offiziell hiess, durfte er in Dhaka nicht arbeiten. Zumindest nicht für Geld. So hat Paolo Tonti Bühnenbilder für ein bengalisches Theater gemalt. Im Stil der grossflächigen «Bollywood»-Plakate staffierte er die «Dreigroschenoper» von Bert Brecht aus.
Daneben bildete er einheimische Grafiker aus und gründete mit einem lokalen Freund sogar eine kleine Werbeagentur, die mittlerweile zum JWT-Netz gehört.
Nach Lesch+Frei hat Tonti bei GGK Zürich Spass an der Werbung für Kunden wie SBB, Shell, Swissair und Tages-Anzeiger gefunden. Er gewann mehrere Preise, allerdings «wie wohl viele» nie für Arbeiten, die ihm auch selber am besten gefallen haben. Er wurde ehrgeizig und wechselte schliesslich zum ersten Mal im Status eines CD zu Lintas. Da deren internationale Kunden aber «nichts Kreatives» wollten, kehrte er noch einmal zu GGK zurück. Dort folgte allerdings bald einmal die Liquidation, die heute «alle Beteiligten ein bisschen anders in Erinnerung haben». Tonti entfloh der Agenturteilung, indem er die folgenden Jahre als selbstständiger Gestalter arbeitete. Er realisierte weniger Werbung und dafür mehr Design. Am Ende des Jahrtausends packte es ihn aber wieder: Tonti nahm ein Angebot von Remy Fabrikant an.
Bei Contexta glaubt Tonti, nun wieder so etwas wie den Agenturgeist seiner ersten Werbejahre zu finden. Contexta ist inhabergeführt, beschäftigt aber 60 Mitarbeitende, die zum Teil schon langjährige Kunden betreuen. Tonti: «Dies zeugt von der Qualität der Agentur.»
Er könnte sich vorstellen, in Bern wieder Wurzeln zu schlagen – naja, ein bisschen Pendeln würde ja weiterhin bleiben, da seine neue Lebenspartnerin aus beruflichen Gründen nicht die ganze Zeit in Bern wohnen möchte. Umgekehrt will Paolo bei ihr in Zürich auch in Zukunft das neu entdeckte Gärtnern pflegen. Das Züchten von Rosen ist nämlich inzwischen zu seiner grossen Leidenschaft geworden.
Paolo Tonti ist in seiner Freizeit zum passionierten Rosenzüchter geworden.
Andreas Panzeri

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