Keine Überraschung

Samuel Helbling über Glanz und Elend der Marke WHS

Samuel Helbling über Glanz und Elend der Marke WHS Mitte der 80er-Jahre hatte Reinhold Weber als CD bei Aebi & Partner eine grosse Zeit. Es waren jene euphorischen Jahre in denen Jean Etienne Aebis Agentur bei den ADC-Prämierungen der Konkurrenz kaum einen Würfel übrig liess. Doch Höhenflüge sind auch gefährlich, weil die Luft oben immer dünner wird. Vor der verhängnisvollen Elephantenhochzeit 1988 verliess der Vorzeigewerber die Agentur, die sich bald darauf als überdimensionierter Luftballon erwies, mit einem Buchstabensalat als Namen, der längst vergessen ist.Weber wurde derweil Geschäftsführer von GGK Basel und ein Jahr später
erstmals zum Werber des Jahres gekürt. Eiskalt erwischte ihn 1990 im fernen Dänemark die Nachricht, GGK sei verkauft worden. Ungefragt verscherbelt zu werden, damit konnte er sich nicht abfinden und kündigte postwendend. Geschmerzt haben muss ihn, dass man ihn darauf als Fahnenflüchtigen und Beinahe-Totengräber der GGK bezeichnete.
Die Fortsetzung ist bekannt: Während Reinhold Weber mit Yvonne Hodel und John Schmid die von Beginn weg erfolgreiche WHS gründete geriet die GGK bös ins Trudeln. 1992 wurde das Kreativtalent von seinen Kollegen zum zweiten Mal gekrönt. Doch Ende der 90er Jahre verliess ihn das Glück. Grandios scheiterte seine Auslandexpansion. Millionen setzte der Starwerber in Berlin und Wien in den Sand, anschliessend verlor er das Smart-Budget und musste seine Agentur drastisch verkleinern. Seither ist es still geworden um ihn und die Nachricht vom Grounding seiner Agentur letzten Freitag hat niemanden wirklich überrascht.
Aufhorchen liess einzig die vollmundig angekündigte Zusammenarbeit, die Weber mit der GGK-Zürich anpeilt. Doch Weber scheint die Rechnung ohne den GGK-Wirt gemacht zu haben. Bärbeissig lässt Hermann Strittmatter durch die SonntagsZeitung ausrichten, dass er von Webers Plänen nichts hält. Wenn überhaupt etwas passiere, dann die Integration von Webers Agentur in die GGK Zürich. Wer die Bedingungen diktiert, ist also klar.
Spekulationen auf eine baldige Nachfolgeregelung bei der GGK jedoch sind verfrüht. Schliesslich hält sich der GGK-Patriarch für unersetzbar, wie er gegenüber dieser Zeitschrift trotzig versicherte als er 2002 das gesetzliche Pensionsalter erreichte.
> Samuel Helbling, Chefredaktor

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