Das Beste verbessern

Roland Wahrenberger sieht in seiner Aufgabe als Business Manager von Reader’s Digest Schweiz viel Potenzial.

Roland Wahrenberger sieht in seiner Aufgabe als Business Manager von Reader’s Digest Schweiz viel Potenzial.Der Schweizer Markt ist bedeutend für Reader’s Digest. Der helvetische Ableger des internationalen Magazins hat eine sehr gute Abdeckung und gilt immer noch als eine der grossen Zeitschriften in der Schweiz. Das Beste hat hier eine eigenständige Redaktion. Ein Teil der Geschichten wird aus Deutschland übernommen. Die Aktualität muss aber in der Schweiz abgedeckt werden. Ein dritter Teil kommt aus dem internationalen Pool. Die Auflage der welschen und deutschsprachigen Ausgaben zusammen erreicht 246000 Exemplare mit monatlich 590000 Lesern. «Das gibt Zugang zu sehr vielen Haushaltungen», freut sich DM-Spezialist Roland Wahrenberger. Ein grosser Teil des Geschäfts von Reader’s Digest wird nämlich nicht mit dem Magazin erwirtschaftet, sondern mit weiteren Verlagsprodukten wie Büchern, Videos, Hörbüchern, CD und DVD. Auf diese Vielfalt freut sich Wahrenberger besonders. «Für mich bedeutet das eine neue Dimension des Direktmarketings.» In einer Perfektion, wie er es vorher gar nicht gekannt habe, obwohl er für sich in Anspruch genommen hat, «einer der besseren DM- Spezialisten im Zeitschriftenbereich» zu sein.
Der neue Business Manager von Reader’s Digest Schweiz kann eine langjährige Erfahrung in der Verlagsbranche vorweisen. Angefangen hat Wahrenberger beim damaligen Badener Tagblatt. Als Quereinsteiger aus dem kaufmännischen Bereich hat er vor 15 Jahren das Marketing dort «klassisch aufgebaut», den Anzeigenmarkt unterstützt, Mediadaten aufbereitet oder Fachstudien erstellt.
Nach fünf Jahren wollte der Aargauer nach Zürich wechseln. Im Verlag Blick/SonntagsBlick übernahm er die Verantwortung für die so genannten dritten Bünde. Das waren unzählige redaktionelle Beilagen wie zum Beispiel über die Formel 1. Wahrenberger agierte hier in einer Schnittstellenfunktion zwischen Redaktion, Verlag und Anzeigenmarkt.
Danach führte der Weg zur damaligen Wochenzeitung Sport bei Jean Frey. «Ein schwieriger Titel», erinnert sich Wahrenberger an diese Zeit um 1995. Seine Aufgabe als Projektleiter war es, neue Distributionskanäle zu finden. Er hat das unter anderem mit Pflichtabos für Mitglieder verschiedener Sportverbände organisiert und bei diesem «Kampf über Jahre viel gelernt».
Als er schon ahnte, dass der Sport eingestellt werden könnte, kam das Angebot von Tamedia, Verlagsleiter der Schweizer Familie zu werden. Wahrenberger befand sich damals zwar mitten in der Ausbildung zum Verlagsfachmann, stufte die Chance dieses Jobs aber als «einmalig» ein und sagte zu. Es folgte deshalb eine strenge Zeit. Die Schweizer Familie war damals sehr schlecht positioniert. Umso mehr ist Wahrenberger stolz, dass er einen klassischen Turnaround geschafft hat. Innerhalb von fünf Jahren konnte er die Schweizer Familie zum heute profitabelsten Titel im Zeitschriften-Portefeuille der Tamedia machen. Dann kam die Strukturänderung. Die Position der Verlagsleiter wurde abgeschafft, Wahrenberger in der Folge freigestellt.
Nun sieht er bei Das Beste einen neuen Challenge. Seine Aufgaben für die Schweizer Niederlassung von Reader’s Digest seien «vielfältiger als alles, was ich bisher gemacht habe».
Zurzeit steckt er in einem internationalen Einschulungsprogramm. In zwei Wochen wird er an ein Marketing-Meeting nach Portugal reisen, wo sich die Verantwortlichen mehrerer Länder treffen. Vorher hat er viel Zeit in Stuttgart verbracht. Dort sind die deutschsprachigen Ausgaben zentral organisiert. Sein Chef in Stuttgart ist gleichzeitig Verwaltungsratspräsident der Schweizer Tochter. Wahrenberger leitet somit das operative Geschäft. Stark eigenständig soll in Zürich das Marketing organisiert werden.
In seinem neuen Markt sieht er viel Potenzial. «Ich glaube, dass es in einer breiten Öffentlichkeit zu wenig bekannt ist, auf welch hohem Qualitätsstandard unsere Produkte sind.» Wahrenberger selber ist zurzeit bei seinen vielen Reisen vor allem von den Hörbüchern angetan.
Eine andere Schiene sind die Serien. Drei bis vier aktuelle Bestseller werden in einem Buch kondensiert und im Abonnement verkauft. Aber nicht im Klubsystem. «Liberale Angebote sind das Grundprinzip des Unternehmens.» Direktmarketing könne nämlich nur funktionieren, wenn mit den Kunden ehrlich umgegangen werde.
Reader’s Digest wurde 1922 in den USA gegründet als Magazin im Taschenformat, das Artikel von bleibendem Wert aus anderen internationalen Zeitschriften in Kurzfassung abdruckt. Heute ist Reader’s Digest die meistgelesene Zeitschrift der Welt. Sie erscheint mit 48 Ausgaben in 19 Sprachen und hat eine Auflage von 23 Millionen Exemplaren weltweit. Im Jahr 2003 erreichte das Unternehmen einen Konzernumsatz von 2,47 Milliarden Dollar.
Roland Wahrenberger will die Cross-Selling-Möglichkeiten im Leserkreis von Reader’s Digest noch besser nutzen.
Andreas Panzeri

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