Deal or no deal in Stäfa
Verlage Zwar spricht nun wieder jeder mit jedem. Dennoch: Es sieht nach einem Showdown zwischen Tages-Anzeiger und Zürichsee-Zeitung aus.
Verlage Zwar spricht nun wieder jeder mit jedem. Dennoch: Es sieht nach einem Showdown zwischen Tages-Anzeiger und Zürichsee-Zeitung aus.Der Zürcher Pressedeal schien so gut wie unter Dach und Fach. Doch seit Theodor Gut, VR-Präsident der Zürichsee Medien AG in Stäfa, via HandelsZeitung verlauten liess, er sei nach wie vor mit verschiedenen Interessenten im Gespräch, bekommen Spekulationen über mögliche Alternativszenarien zum angekündigten Verkauf an die NZZ wieder Auftrieb.Aus Guts Perspektive ist Tamedias Expansion ins Stammgebiet der Zürichsee-Zeitung (ZSZ) ein «Flurschaden», ausgelöst durch den Pakt zwischen PubliGroupe und NZZ. Zu vermuten steht, dass dieser Druckaufbau plus die in Stäfa offenbar als ungenügend eingestuften Absichtserklärungen der NZZ, man wolle die Unabhängigkeit der Regionalzeitungen stützen und darin auf nationaler Ebene eine Führungsposition einnehmen, einen Umschwung ausgelöst haben. Gut, der Ende September noch sagte, man wolle näher zur NZZ zu rücken und sich keinesfalls an den Tages-Anzeiger anlehnen, relativiert diese Aussage heute: «Wir haben Kontakte zu Tamedia nie dementiert. Theoretisch ist immer noch alles möglich.» Was diese neue Offenheit der Braut für die beiden drängenden potenziellen Bräutigame bedeutet, wollten weder NZZ noch Tamedia kommentieren.
Kafkaeske WinkelzügeEntscheidend für die je länger, je kafkaesker anmutenden Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande ist Guts Vorkaufsrecht auf die PubliGroupe-Beteiligung von 45 Prozent an der Zürichsee Presse AG. Damit hatten die Lausanner der ZSZ Ende der Neunzigerjahre aus einer Finanzkrise und zu flüssigen Mitteln verholfen. Heute hat das Aktienpaket, wovon der Werbekonzern die Hälfte in die NZZ-Tochter FPH einbringen will, vor allem strategische Bedeutung. Zwar rief Gut die Tagi-Geister nicht selber. Doch er könnte sie besänftigen, indem er sein Vorkaufsrecht ausübt und die Beteiligung an die Werdstrasse weiterverkauft. Bedingung: Tamedia müsste im Gegenzug von der Horgener Offensive absehen und diese stattdessen im Zürcher Stadtgebiet, in Winterthur oder im Limmattal starten.
Ein Zurück scheint aber wenig wahrscheinlich, zumal eine redaktionelle Kooperation zwischen dem Tages-Anzeiger und der auf Eigenständigkeit bedachten ZSZ kaum vorstellbar ist. Zudem will Tamedia im Anzeigengeschäft mit Südostschweiz-Verleger Hanspeter Lebrument zusammenarbeiten. Dieses Signal ist in Stäfa wohl verstanden worden (siehe WW 39/04). Und schliesslich ist fraglich, ob PubliGroupe unter solchen Vorzeichen ihre Anteile an der Zürichsee Presse AG überhaupt an Gut zurückgeben würde.
Sprengstoff fürs NordostkombiWürde die ZSZ mit dem Tages-Anzeiger kooperieren, bräche wohl auch die lockere Allianz zwischen den vier Landzeitungen und den weiteren Nordostkombi-Mitgliedern Schaffhauser Nachrichten und Thurgauer Zeitung auseinander. Irritiert wäre auch die NZZ, die starke und unabhängige Landzeitungen als Bollwerk gegen die expansive Tamedia will. «Was einer von uns macht, hat für alle Konsequenzen», ist sich Theodor Gut der Lage bewusst.
Und diese ist instabiler denn je. Denn einerseits steht ein Aktienpaket von 36 Prozent am Oberländer unverändert zum Verkauf, und andererseits verhandelt der Landbote auf der Suche nach neuen Druckmöglichkeiten neben Stäfa auch mit NZZ und Tamedia. Oberländer, Unterländer und ZSZ drucken gemeinsam im Druckzentrum Oetwil, ein Gemeinschaftswerk, dessen technologische Aufrüstung sich die Beteiligten 30 Millionen Franken kosten liessen. Gerne sähe man dort auch die vierte Landzeitung, den Landboten, als Partner. «Schliesslich ist es die grösste Investition seit 12 Jahren und bewirkt eine weitere Stärkung der Landzeitungen», erklärt ZSZ- Geschäftsleiter Erland Herkenrath. Und unterstreicht zugleich, dass alle Beteiligten langfristig an die Verträge gebunden sind und diese auch erfüllen wollen.
Ohne Einigung zwischen ZSZ und Tages-Anzeiger käme es am linken Seeufer zu einem nervenaufreibenden Showdown zweier Redaktionsteams, die in einem zu kleinen Einzugsgebiet um Primeurs kämpfen. Tamedia wäre dafür finanziell zweifellos besser gerüstet. Kenner der Lage vor Ort beurteilen die Chancen des Tagi als gut, würde doch bereits der Verlust von drei-, viertausend Abonnenten am linken Seeufer die ZSZ empfindlich treffen.
Im Zuge der Verwerfungen in der Zürcher Presselandschaft spricht jeder mit jedem. Zum Kreis der Interessenten gehört auch Hanspeter Lebrument. An Beteiligungen ist der Südostschweiz-Verleger jedoch nicht interessiert: «Wir würden die 22,5 Prozent an der Zürichsee Presse AG nie kaufen, ebenso wenig wie das Aktienpaket des Oberländers», betont er. Kooperationen hingegen schliesst er nicht aus. Erst recht nicht, wenn sich dadurch die Konkurrenzsituation am Obersee mit der ZSZ-eigenen March-Höfe-Zeitung, dem Fridolin und dem Einsiedler Anzeiger entschärfen liesse. Akuten Handlungsbedarf sieht Lebrument keinen. «Ich warte in aller Ruhe ab und ergreife meine Chance, wenn sie sich bietet.»
Chronik eines angekündigten TransfersPubliGroupe und NZZ gaben diesen Sommer Kooperationsabsichten bekannt. Demnach wird die PubliGroupe-Tochter Publicitas ab Januar exklusiv die Inserateseiten der NZZ bewirtschaften und im Gegenzug Beteiligungen je zur Hälfte an der Ackeret AG (Zürcher Unterländer) und an der Zürichsee Presse AG (Zürichsee-Zeitung) in die NZZ-Tochter Freie Presse Holding (FPH) einbringen.
Tamedia schritt Ende September mit der Ankündigung ihrer regionalen Wachstumsstrategie für den Tages-Anzeiger zur Gegenoffensive, nachdem in der Vergangenheit verschiedene Versuche missglückt waren, die Zürcher Landzeitungen (Zürichsee-Zeitung, Unterländer, Oberländer, Landbote) näher an den Tagi zu binden. Eine erste Regionalredaktion für den Bezirk Horgen am linken Seeufer soll ab März täglich eine Beilage im Tabloidformat produzieren. Der redaktionelle Standortentscheid zwischen Wädenswil und Horgen ist dem Vernehmen nach noch nicht gefallen. Weitere Regionen, darunter auch die Stadt Zürich, sollen folgen. (rw)
Wer regiert am Zürichsee? Im Kampf um Marktmacht spielt auch die Südostschweiz mit.
René Worni
Kafkaeske WinkelzügeEntscheidend für die je länger, je kafkaesker anmutenden Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande ist Guts Vorkaufsrecht auf die PubliGroupe-Beteiligung von 45 Prozent an der Zürichsee Presse AG. Damit hatten die Lausanner der ZSZ Ende der Neunzigerjahre aus einer Finanzkrise und zu flüssigen Mitteln verholfen. Heute hat das Aktienpaket, wovon der Werbekonzern die Hälfte in die NZZ-Tochter FPH einbringen will, vor allem strategische Bedeutung. Zwar rief Gut die Tagi-Geister nicht selber. Doch er könnte sie besänftigen, indem er sein Vorkaufsrecht ausübt und die Beteiligung an die Werdstrasse weiterverkauft. Bedingung: Tamedia müsste im Gegenzug von der Horgener Offensive absehen und diese stattdessen im Zürcher Stadtgebiet, in Winterthur oder im Limmattal starten.
Ein Zurück scheint aber wenig wahrscheinlich, zumal eine redaktionelle Kooperation zwischen dem Tages-Anzeiger und der auf Eigenständigkeit bedachten ZSZ kaum vorstellbar ist. Zudem will Tamedia im Anzeigengeschäft mit Südostschweiz-Verleger Hanspeter Lebrument zusammenarbeiten. Dieses Signal ist in Stäfa wohl verstanden worden (siehe WW 39/04). Und schliesslich ist fraglich, ob PubliGroupe unter solchen Vorzeichen ihre Anteile an der Zürichsee Presse AG überhaupt an Gut zurückgeben würde.
Sprengstoff fürs NordostkombiWürde die ZSZ mit dem Tages-Anzeiger kooperieren, bräche wohl auch die lockere Allianz zwischen den vier Landzeitungen und den weiteren Nordostkombi-Mitgliedern Schaffhauser Nachrichten und Thurgauer Zeitung auseinander. Irritiert wäre auch die NZZ, die starke und unabhängige Landzeitungen als Bollwerk gegen die expansive Tamedia will. «Was einer von uns macht, hat für alle Konsequenzen», ist sich Theodor Gut der Lage bewusst.
Und diese ist instabiler denn je. Denn einerseits steht ein Aktienpaket von 36 Prozent am Oberländer unverändert zum Verkauf, und andererseits verhandelt der Landbote auf der Suche nach neuen Druckmöglichkeiten neben Stäfa auch mit NZZ und Tamedia. Oberländer, Unterländer und ZSZ drucken gemeinsam im Druckzentrum Oetwil, ein Gemeinschaftswerk, dessen technologische Aufrüstung sich die Beteiligten 30 Millionen Franken kosten liessen. Gerne sähe man dort auch die vierte Landzeitung, den Landboten, als Partner. «Schliesslich ist es die grösste Investition seit 12 Jahren und bewirkt eine weitere Stärkung der Landzeitungen», erklärt ZSZ- Geschäftsleiter Erland Herkenrath. Und unterstreicht zugleich, dass alle Beteiligten langfristig an die Verträge gebunden sind und diese auch erfüllen wollen.
Ohne Einigung zwischen ZSZ und Tages-Anzeiger käme es am linken Seeufer zu einem nervenaufreibenden Showdown zweier Redaktionsteams, die in einem zu kleinen Einzugsgebiet um Primeurs kämpfen. Tamedia wäre dafür finanziell zweifellos besser gerüstet. Kenner der Lage vor Ort beurteilen die Chancen des Tagi als gut, würde doch bereits der Verlust von drei-, viertausend Abonnenten am linken Seeufer die ZSZ empfindlich treffen.
Im Zuge der Verwerfungen in der Zürcher Presselandschaft spricht jeder mit jedem. Zum Kreis der Interessenten gehört auch Hanspeter Lebrument. An Beteiligungen ist der Südostschweiz-Verleger jedoch nicht interessiert: «Wir würden die 22,5 Prozent an der Zürichsee Presse AG nie kaufen, ebenso wenig wie das Aktienpaket des Oberländers», betont er. Kooperationen hingegen schliesst er nicht aus. Erst recht nicht, wenn sich dadurch die Konkurrenzsituation am Obersee mit der ZSZ-eigenen March-Höfe-Zeitung, dem Fridolin und dem Einsiedler Anzeiger entschärfen liesse. Akuten Handlungsbedarf sieht Lebrument keinen. «Ich warte in aller Ruhe ab und ergreife meine Chance, wenn sie sich bietet.»
Chronik eines angekündigten TransfersPubliGroupe und NZZ gaben diesen Sommer Kooperationsabsichten bekannt. Demnach wird die PubliGroupe-Tochter Publicitas ab Januar exklusiv die Inserateseiten der NZZ bewirtschaften und im Gegenzug Beteiligungen je zur Hälfte an der Ackeret AG (Zürcher Unterländer) und an der Zürichsee Presse AG (Zürichsee-Zeitung) in die NZZ-Tochter Freie Presse Holding (FPH) einbringen.
Tamedia schritt Ende September mit der Ankündigung ihrer regionalen Wachstumsstrategie für den Tages-Anzeiger zur Gegenoffensive, nachdem in der Vergangenheit verschiedene Versuche missglückt waren, die Zürcher Landzeitungen (Zürichsee-Zeitung, Unterländer, Oberländer, Landbote) näher an den Tagi zu binden. Eine erste Regionalredaktion für den Bezirk Horgen am linken Seeufer soll ab März täglich eine Beilage im Tabloidformat produzieren. Der redaktionelle Standortentscheid zwischen Wädenswil und Horgen ist dem Vernehmen nach noch nicht gefallen. Weitere Regionen, darunter auch die Stadt Zürich, sollen folgen. (rw)
Wer regiert am Zürichsee? Im Kampf um Marktmacht spielt auch die Südostschweiz mit.
René Worni
