Sendeschluss
Privatradio TZ-Verleger Urs Lüdi sagt, weshalb er Günter Heuberger seine Radio-Top-Anteile verkauft.
Privatradio TZ-Verleger Urs Lüdi sagt, weshalb er Günter Heuberger seine Radio-Top-Anteile verkauft.Eines stellt Verleger Urs Lüdi gleich zu Beginn des Gesprächs mit der Werbewoche klar: «Die Thurgauer Zeitung (TZ) ist nicht in Geldnöten, sie wird das Jahr 2003 mit Gewinn abschliessen.» Erstaunlich: Seit 2001, dem ersten Jahr in ihrer heutigen Form, verzeichnete die TZ einen Anzeigenrückgang um 41 Prozent, bei den Stellen beträgt das Minus 72 Prozent (laut VSW). Doch der TZ-Verleger relativiert. Sein Blatt habe nicht mehr verloren als andere, die Volumeneinbusse auf Basis der bezahlten Millimeter betrage seit 2001 nur 31 Prozent. Die Differenz zum höheren Volumen-Minus in der VSW-Statistik sei entstanden, weil die TZ im 2001 und 2002 jeweils auch Eigeninserate und unbezahlte Anzeigen angegeben habe. Lüdi: «Damit haben wir 2003 aufgehört.»
Zehn Jahre draufgezahlt
Auch wenn Lüdis Verlag 2003 schwarze Zahlen schreibt, der Direktionspräsident von Huber & Co macht finanzielle Gründe für den Ausstieg bei Radio Top geltend. «Der Sender generiert anhaltend massgebliche Verluste.» Das liege weder am Top-Konzept noch an dessen Crew, vielmehr habe der Sender wegen der hohen Infrastrukturkosten – 4 Studios und 15 Sendeanlagen – «bisher nie wirklich schwarze Zahlen geschrieben».
Das gut zehnjährige Radioengagement, davon fünf Jahre als Teilhaber von Radio Top, habe bei Huber & Co viele Mittel abgezogen – wie viel, das will Urs Lüdi nicht sagen. Da Radio nicht zum verlegerischen Kerngeschäft gehöre, habe er beschlossen, auszusteigen. Eine Auffassung, die jener grossen Medienhäuser diametral entgegensteht. Lüdi bedauert: «Ich würde mich gerne multimedial betätigen, aber ich kann und will es mir nicht mehr leisten.»
Ein weiterer Ausstiegsgrund: Lüdi macht keinen Hehl daraus, dass er mit Top-Chef Günter Heuberger in unternehmenspolitischen Fragen das Heu nicht auf derselben Bühne hat. «Als Minderheitsaktionär konnten wir uns nicht das erhoffte Gehör verschaffen», sagt der scheidende Top-Verwaltungsratspräsident.
Ausserdem: Künftig wird das Bundesamt für Kommunikation die Radiokonzessionen kaum mehr so kleinräumig vergeben wie bisher, weshalb die 100-prozentige Huber-Tochter Radio Thurgau AG (RTG) ihre Thurgau-Konzession ohnehin an Top wird abtreten müssen.
Und schliesslich, so Lüdi, würden mit seinem Ausstieg die Besitzverhältnisse bei Radio Top transparenter und der Sender führbarer. Tatsächlich hat Heuberger angekündigt, aus Radio Top eine Publikumsgesellschaft zu machen – vorausgesetzt, das Departement Leuenberger stimmt dem RTG-Verkauf an Heuberger zu.
Sollte dies eintreten, werden die künftigen Besitzverhältnisse bei Radio Top wohl wie folgt aussehen: Heuberger wird rund 54 Prozent der Aktien halten, Verwaltungsrat Martin U. Model 8,5 Prozent. Den Rest werden sich gut 170 Kleinaktionäre teilen.
Heuberger bedauert das Ausscheiden von Lüdi. Er habe den Verleger nicht nur als VR-Präsidenten, sondern auch als strategisches Korrektiv geschätzt. Lüdi habe zudem immer wieder den Kontakt zu den Verlegern in Zürich, Winterthur, St. Gallen und Schaffhausen herstellen können. Dort sei er zwar wegen der Top-Erfolge im Hörermarkt zeitweise in unangenehme Sandwich-Positionen geraten, die er aber souverän gemeistert habe. Heuberger kündigte an, einen neuen VR-Präsidenten zu suchen. Er als Geschäftsführer wünsche keine Ämterkumulation.
Komplizierte BesitzverhältnisseRadio Top ist ein Zusammenschluss der drei Lokalradios Thurgau, Wil, und Eulach (Winterthur), die Träger je einer Teil-Konzession von Top sind. Eulach hält bei Top 50 Prozent, die zwei anderen je 25 Prozent der
Aktien. Radio Thurgau (RTG) gehörte bisher zu 100 Prozent Huber & Co, neu zu 100 Prozent Günter Heuberger. Bei Wil teilen sich 44 Publikumsaktionäre die Aktien, bei Eulach sind es 135. In beiden Firmen hält Heuberger aber grosse Anteile, bei Eulach 42 Prozent, bei Wil
34 Prozent. Auch Radio Top-VR-Mitglied Martin U. Model hält bei Wil 34 Prozent. (mk)
Günter Heuberger: Radio Top soll eine Publikumsgesellschaft werden.
TZ-Verleger Urs Lüdi
Markus Knöpfli
Zehn Jahre draufgezahlt
Auch wenn Lüdis Verlag 2003 schwarze Zahlen schreibt, der Direktionspräsident von Huber & Co macht finanzielle Gründe für den Ausstieg bei Radio Top geltend. «Der Sender generiert anhaltend massgebliche Verluste.» Das liege weder am Top-Konzept noch an dessen Crew, vielmehr habe der Sender wegen der hohen Infrastrukturkosten – 4 Studios und 15 Sendeanlagen – «bisher nie wirklich schwarze Zahlen geschrieben».
Das gut zehnjährige Radioengagement, davon fünf Jahre als Teilhaber von Radio Top, habe bei Huber & Co viele Mittel abgezogen – wie viel, das will Urs Lüdi nicht sagen. Da Radio nicht zum verlegerischen Kerngeschäft gehöre, habe er beschlossen, auszusteigen. Eine Auffassung, die jener grossen Medienhäuser diametral entgegensteht. Lüdi bedauert: «Ich würde mich gerne multimedial betätigen, aber ich kann und will es mir nicht mehr leisten.»
Ein weiterer Ausstiegsgrund: Lüdi macht keinen Hehl daraus, dass er mit Top-Chef Günter Heuberger in unternehmenspolitischen Fragen das Heu nicht auf derselben Bühne hat. «Als Minderheitsaktionär konnten wir uns nicht das erhoffte Gehör verschaffen», sagt der scheidende Top-Verwaltungsratspräsident.
Ausserdem: Künftig wird das Bundesamt für Kommunikation die Radiokonzessionen kaum mehr so kleinräumig vergeben wie bisher, weshalb die 100-prozentige Huber-Tochter Radio Thurgau AG (RTG) ihre Thurgau-Konzession ohnehin an Top wird abtreten müssen.
Und schliesslich, so Lüdi, würden mit seinem Ausstieg die Besitzverhältnisse bei Radio Top transparenter und der Sender führbarer. Tatsächlich hat Heuberger angekündigt, aus Radio Top eine Publikumsgesellschaft zu machen – vorausgesetzt, das Departement Leuenberger stimmt dem RTG-Verkauf an Heuberger zu.
Sollte dies eintreten, werden die künftigen Besitzverhältnisse bei Radio Top wohl wie folgt aussehen: Heuberger wird rund 54 Prozent der Aktien halten, Verwaltungsrat Martin U. Model 8,5 Prozent. Den Rest werden sich gut 170 Kleinaktionäre teilen.
Heuberger bedauert das Ausscheiden von Lüdi. Er habe den Verleger nicht nur als VR-Präsidenten, sondern auch als strategisches Korrektiv geschätzt. Lüdi habe zudem immer wieder den Kontakt zu den Verlegern in Zürich, Winterthur, St. Gallen und Schaffhausen herstellen können. Dort sei er zwar wegen der Top-Erfolge im Hörermarkt zeitweise in unangenehme Sandwich-Positionen geraten, die er aber souverän gemeistert habe. Heuberger kündigte an, einen neuen VR-Präsidenten zu suchen. Er als Geschäftsführer wünsche keine Ämterkumulation.
Komplizierte BesitzverhältnisseRadio Top ist ein Zusammenschluss der drei Lokalradios Thurgau, Wil, und Eulach (Winterthur), die Träger je einer Teil-Konzession von Top sind. Eulach hält bei Top 50 Prozent, die zwei anderen je 25 Prozent der
Aktien. Radio Thurgau (RTG) gehörte bisher zu 100 Prozent Huber & Co, neu zu 100 Prozent Günter Heuberger. Bei Wil teilen sich 44 Publikumsaktionäre die Aktien, bei Eulach sind es 135. In beiden Firmen hält Heuberger aber grosse Anteile, bei Eulach 42 Prozent, bei Wil
34 Prozent. Auch Radio Top-VR-Mitglied Martin U. Model hält bei Wil 34 Prozent. (mk)
Günter Heuberger: Radio Top soll eine Publikumsgesellschaft werden.
TZ-Verleger Urs Lüdi
Markus Knöpfli
