Makaberer Hilferuf

Moralischer Ablasshandel funktioniert am besten mit Tierarten, die gute Gefühle auslösen und eine positive Identifikation ermöglichen.

Moralischer Ablasshandel funktioniert am besten mit Tierarten, die gute Gefühle auslösen und eine positive Identifikation ermöglichen.Moralischer Ablasshandel funktioniert am besten mit Tierarten, die gute Gefühle auslösen und eine positive Identifikation ermöglichen. Es ist daher kein Zufall, dass einschlägige Umweltorganisationen mit «sexy» Tieren wie Delfinen, Robbenbabys, Kranichen oder Pandas werben. Weniger ästhetische Lebewesen, die weit
stärker vom Aussterben bedroht und für das globale Ökosystem viel bedeutender sind – wie Spinnen, Käfer oder Würmer –, geraten darob gerne in Vergessenheit. Auch die von der Vogelgrippe befallenen Hühner in Südostasien, welche bei lebendigem Leibe verbrannt werden, können nicht mit unserem Mitleid rechnen.
Vor diesem Hintergrund mutet es geradezu kühn an, wie die südafrikanische Blouberg-Organisation für wenig populäre Tierarten wie Geier und Schlangen wirbt und dabei die Lieblingsbeschäftigung der Kapgeier in den Vordergrund stellt, nämlich das Aushacken der Augen toter Schafe. Da darf man gespannt sein, ob die Rechnung aufgeht. Von den angestrebten 100 Spendern (120 Franken pro Jahr) hat die Naturschutzorganisation jedenfalls erst deren 32 gefunden, wie sie auf ihrer Homepage mitteilt. Wer als Spendensammler nicht den ästhetisch-moralischen Jöh-Reflex der Tierfreunde bedient, hat halt einen schweren Stand.
(sh)

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