Thriller aus der Chefetage
Medien Trotz anziehender Börse laufen die Wirtschaftstitel schlecht. Die Bilanz gibt sich mit einer neuen Kampagne optimistisch.
Medien Trotz anziehender Börse laufen die Wirtschaftstitel schlecht. Die Bilanz gibt sich mit einer neuen Kampagne optimistisch.Als einziger Grossverlag konnte Jean Frey aus bestehenden Titeln wachsen. Ausschlaggebend dafür war allerdings der Inseratezuwachs der Weltwoche, der die Verluste bei Beobachter und Bilanz auffangen konnte. Letztere musste 2003 nicht nur einen Inseraterückgang von elf Prozent hinnehmen (gemäss Anzeigenstatistik VSW liegt der Verlust ohne Stelleninserate sogar bei –27,6%), sondern auch einen erneuten Auflagenschwund von 7000 Exemplaren (– 14,6% auf 47402 im Jahr 2002). Wie gross die Malaise der Wirtschaftstitel trotz anziehender Börsen und Konjunktur ist, zeigt sich in Sexinseraten – offiziell «Kontaktanzeigen» –, die Cash seit Jahresbeginn im «Invest»-Bund neben Wertpapieren und Immobilien publiziert oder darin, dass Stocks seine halbierte Kadenz weiterhin beibehält. Pessimistische Perspektiven also für die Bilanz? Nicht ganz, wenn man die vielen Veränderungen bei der weiterhin anzeigenstärksten Zeitschrift der Deutschschweiz als Indikator für die Erholung lesen will. «Immerhin konnten wir im Januar 2004 im Vergleich zum Vorjahr beim Inseratengeschäft wieder leicht zulegen», sagt Verlagsleiterin Uli Rubner. Um die Zahl der Abonnenten zu steigern, plant der Verlag zusätzliche Abo-Massnahmen wie grosse Verteilaktionen mit einer Mini-Bilanz zum Probelesen oder die Kooperation mit Anzeigenkunden beim Vertrieb der neu nur noch sieben Mal erscheinenden Specials (erstmals eine Frauen-Bilanz). Dank der Vertriebspartner will die Bilanz neue Lesersegmente erschliessen, die mit Mailings und gängigen Methoden nur schlecht erreicht werden.
Bilanz als Held der Ermittlungen
René Lüchinger, seit vergangenem Dezember Chefredaktor der Bilanz, versteht die allgemeine Vertrauenskrise in die Executives als Herausforderung und Chance für das Magazin und setzt stärker auf fesselnde und aufwühlende Wirtschaftsstorys. Das sieht man den ersten beiden Ausgaben unter seiner Führung bereits an. Damit scheint das Magazin dem gesellschaftlichen Bedürfnis nach mehr Gerechtigkeit in der Businesswelt nachzukommen. Sein Ziel: Die Bilanz soll sich wie ein «wahrer Wirtschaftskrimi» lesen. Und da der Kriminalroman zu den beliebtesten Genres der Literatur gehört, liegt die Bilanz mit ihrer Positionierung genau richtig. Die Redaktion als analytische «Armchair Detektei» soll sich den Hürden des Systems widersetzen, um brisante Inhalte und reale Zusammenhänge aufzudecken. Erste Copy-Tests bestätigen laut Rubner die Neuerungen: Die Leseintensität hat zugenommen, die Pick-up-Rate ist gestiegen.
Auch in der Kommunikation wollten René Lüchinger und Uli Rubner die neue Ausrichtung erlebbar machen und haben dazu mit der langjährigen Hausagentur Publicis einen Brandworkshop durchgeführt, der die gemeinsame Plattform definierte. Die Werbestrategie basiert auf dem neuen Selbstverständnis der Bilanz und wurde dem Chefredaktor «sozusagen auf den Leib zugeschnitten», sagt CD Markus Gut. Auf der Basis, dass
der Thriller Wirtschaft nirgendwo sonst so spannend und hochwertig beschrieben wird, wie in der Bilanz, erarbeitete sein Team ein Konzept, das diesen Enthüllungs-stil aufbaut und durch die neue Regelmässigkeit auch wiedererkennbar macht.
Seit Februar landen die Bilanz-Titelgeschichten monatlich als «Enthüllungswerke» auf den Pulten der Bosse und Wirtschaftsanwälte. Im Januar wurde mit Joe Ackermanns «Catch Me if You Can» der Testlauf geprobt. Gekonnt wird das zugespielte Buch, DVD oder Video mit dem brisanten Inhalt wie ein Beweisstück ins Zentrum gerückt.
Schneller reinziehenMit ihrer März-Ausgabe geht die Bilanz-Hör-CD nach dem Pilot im vergangenen Oktober definitiv in Serie. Seinen Abonnenten liefert das Wirtschaftsblatt mit jeder Ausgabe eine Hör-CD aus, auf der einige Highlights aus der aktuellen Ausgabe von professionellen Sprechern vorgelesen werden. Zusätzlich zu den Texten aus der Print-Ausgabe enthält die Hör-CD jeweils ein Interview mit Chefredaktor René Lüchinger zu aktuellen Fragen. Die Scheibe richtet sich an jene Leserinnen und Leser, die sich das Magazin Zeit sparend zu Hause, beim Pendeln oder beim Sport vorlesen lassen wollen. Die Hörzeit von 70 Minuten wird nur durch eine wichtige Mitteilung des Sponsors Sunrise unterbrochen. (la)
Die neuen Bilanz-Storys: Vorsicht, brisant! Zeitschriften Wer gerne packende Thriller liest, sollte sich die Titelgeschichten der Bilanz zu Gemüte führen. >> Seite 7
Luca Aloisi
Bilanz als Held der Ermittlungen
René Lüchinger, seit vergangenem Dezember Chefredaktor der Bilanz, versteht die allgemeine Vertrauenskrise in die Executives als Herausforderung und Chance für das Magazin und setzt stärker auf fesselnde und aufwühlende Wirtschaftsstorys. Das sieht man den ersten beiden Ausgaben unter seiner Führung bereits an. Damit scheint das Magazin dem gesellschaftlichen Bedürfnis nach mehr Gerechtigkeit in der Businesswelt nachzukommen. Sein Ziel: Die Bilanz soll sich wie ein «wahrer Wirtschaftskrimi» lesen. Und da der Kriminalroman zu den beliebtesten Genres der Literatur gehört, liegt die Bilanz mit ihrer Positionierung genau richtig. Die Redaktion als analytische «Armchair Detektei» soll sich den Hürden des Systems widersetzen, um brisante Inhalte und reale Zusammenhänge aufzudecken. Erste Copy-Tests bestätigen laut Rubner die Neuerungen: Die Leseintensität hat zugenommen, die Pick-up-Rate ist gestiegen.
Auch in der Kommunikation wollten René Lüchinger und Uli Rubner die neue Ausrichtung erlebbar machen und haben dazu mit der langjährigen Hausagentur Publicis einen Brandworkshop durchgeführt, der die gemeinsame Plattform definierte. Die Werbestrategie basiert auf dem neuen Selbstverständnis der Bilanz und wurde dem Chefredaktor «sozusagen auf den Leib zugeschnitten», sagt CD Markus Gut. Auf der Basis, dass
der Thriller Wirtschaft nirgendwo sonst so spannend und hochwertig beschrieben wird, wie in der Bilanz, erarbeitete sein Team ein Konzept, das diesen Enthüllungs-stil aufbaut und durch die neue Regelmässigkeit auch wiedererkennbar macht.
Seit Februar landen die Bilanz-Titelgeschichten monatlich als «Enthüllungswerke» auf den Pulten der Bosse und Wirtschaftsanwälte. Im Januar wurde mit Joe Ackermanns «Catch Me if You Can» der Testlauf geprobt. Gekonnt wird das zugespielte Buch, DVD oder Video mit dem brisanten Inhalt wie ein Beweisstück ins Zentrum gerückt.
Schneller reinziehenMit ihrer März-Ausgabe geht die Bilanz-Hör-CD nach dem Pilot im vergangenen Oktober definitiv in Serie. Seinen Abonnenten liefert das Wirtschaftsblatt mit jeder Ausgabe eine Hör-CD aus, auf der einige Highlights aus der aktuellen Ausgabe von professionellen Sprechern vorgelesen werden. Zusätzlich zu den Texten aus der Print-Ausgabe enthält die Hör-CD jeweils ein Interview mit Chefredaktor René Lüchinger zu aktuellen Fragen. Die Scheibe richtet sich an jene Leserinnen und Leser, die sich das Magazin Zeit sparend zu Hause, beim Pendeln oder beim Sport vorlesen lassen wollen. Die Hörzeit von 70 Minuten wird nur durch eine wichtige Mitteilung des Sponsors Sunrise unterbrochen. (la)
Die neuen Bilanz-Storys: Vorsicht, brisant! Zeitschriften Wer gerne packende Thriller liest, sollte sich die Titelgeschichten der Bilanz zu Gemüte führen. >> Seite 7
Luca Aloisi
