Bis bald wieder in Deutschland
Fernsehen Das TV Production Center Zürich gibt die deutsche Zweigstelle auf, will aber aktiv bleiben.
Fernsehen Das TV Production Center Zürich gibt die deutsche Zweigstelle auf, will aber aktiv bleiben.Das TV Production Center Zürich (tpc) ist schon seit längerer Zeit in Deutschland tätig; vor einem Jahr hat sich tpc International mit der deutschen Firma Salzbrenner Stagetec Mediagroup zusammengetan. Die Ziele im weltweit zweitgrössten Markt für TV-Produktionen, gleich nach den USA, waren hoch gesteckt. «Wir wollten bis 2006 zu den fünf renommiertesten Firmen für Reportagewagen-Produktionen gehören», so tpc-CEO Roger Sidler. Nun hat sich der Traum zerschlagen, die Zusammenarbeit der beiden Firmen ist beendet.Mit dem Erreichten ist Sidler an sich zufrieden: «Unser Ruf ist jetzt schon sehr gut. Und wir haben sehr viele Firmen ausgestochen. Auch punkto Aufträge waren wir weit gehend ausgelastet. Aber in Deutschland sind die Preise für TV-Produktionen völlig im Keller.» Der Hintergrund: Wegen der Kirch-Insolvenz brach die Zahl der Produktionsaufträge ein, was zu extremen Überkapazitäten in der Branche führte. Als Folge davon hat tpc International, die zwei Übertragungswagen besitzt, 2003 zwar einen Gesamtumsatz in der Höhe eines einstelligen Millionenbetrages, aber auch einen Verlust von total 800000 Euro erwirtschaftet.
Nicht-EU-Land hat es schwer Sidlers Fazit: «Eine selbsttragende deutsche Tochterfirma mit kompletter Infrastruktur ist in absehbarer Zeit nicht machbar.» Deshalb habe man sich entschlossen, den Standort Deutschland aufzugeben. Dazu überträgt die 100-prozentige SRG-Tochter ihre Anteile am Joint Venture per 31. März der Firma Salzbrenner, behält aber die Marke tpc International.
Letztere wird nun quasi zur Auslandabteilung des tpc, das künftig unter diesem Namen von Zürich aus sowohl in Deutschland als auch in Österreich Übertragungen aller Art realisieren will. Um wenigstens eine deutsche Adresse zu haben, möchte tpc International aber schon bald eine Verkaufsstelle in Deutschland eröffnen. Fraglich ist allerdings, ob tpc International weiterhin so viele Aufträge erhält wie bisher. «Als Firma aus einem Nicht-EU-Land werden wir es schwerer haben», weiss Sidler. Darum werden Produktionen im Ausland künftig zwar mit Produktionsmitteln aus Zürich, jedoch vorwiegend mit lokalem Personal realisiert.
Kein Zusammenhang besteht gemäss Sidler zwischen dem tpc-Rückzug aus Deutschland und dem Entscheid von Sat 1 (Schweiz), die Axpo Super League ab 29. Februar statt von tpc künftig von der deutschen Plazamedia produzieren zu lassen (WW 6/04). Plazamedia habe im Rahmen eines Gesamtproduktionsangebotes für Sat 1 auch die Übertragungen für Sat 1 (Schweiz) günstiger anbieten können als tpc. Das wird auch von Sat 1 (Schweiz) bestätigt. Übrigens, so fügt Sidler an, arbeite das tpc ab und zu auch für Plazamedia, indem es einzelne Bundesliga-Spiele übertrage. «Es ist also möglich, dass wir bei einem der nächsten Axpo-Super-League-Spiele für Plazamedia einspringen müssen …»
Bleibt Schellenberg VR-Präsident von tpc?Der ehemalige SF DRS-Direktor Peter Schellenberg amtet mindestens bis zur tpc-Generalversammlung im April als dessen VR-Präsident – vielleicht aber auch ein Jahr länger. Das hängt nicht zuletzt davon ab, ob die neue SF DRS-Direktorin Ingrid Deltenre diesen zusätzlichen Posten schon übernehmen will oder nicht. Das tpc erwirtschaftete 2001 einen Umsatz von 144,7 Millionen Franken und 2002 noch 133 Millionen Franken. 2003 werden es aber wieder 5 bis 6 Prozent mehr sein, sagte Roger Sidler. (mk)
Keine Weko-Untersuchung gegen tpcDie Wettbewerbskommission (Weko) weist eine Klage von Filmproduktionsfirmen ab, die der SRG und ihrer Tochter tpc im Bereich Auftragsfilme unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen vorwarfen. Dies geht aus einem SRG-Communiqué hervor, dessen Inhalt von Weko-Sprecher Patrick Drucrey bestätigt wird. Demnach hält die Weko zwar fest, dass das tpc in der Deutschschweiz der einzige Anbieter für Auftragsfilme sei, der die hohen Standards an Verfügbarkeit und Qualität erfülle. Doch sieht sie darin eher ein «natürliches Monopol» als einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung. Die SRG habe ihrer Tochter seinerzeit bei der Übertragung der Infrastruktur keine Geschenke gemacht. Zudem bezahle das tpc der SRG marktkonforme Mietpreise und offeriere seine Leistungen gegenüber der SRG nicht nur zu marktüblichen, sondern auch zu gleichen Tarifen wie gegenüber anderen Auftraggebern. Die Weko verzichte deshalb auf eine Untersuchung. (mk)
Die Reportagewagen der TV-Produktionsfirma tcp International stehen nun in Deutschland still.
Roger Sidler, CEO beim TV Production Center Zürich (tpc).
Markus Knöpfli
Nicht-EU-Land hat es schwer Sidlers Fazit: «Eine selbsttragende deutsche Tochterfirma mit kompletter Infrastruktur ist in absehbarer Zeit nicht machbar.» Deshalb habe man sich entschlossen, den Standort Deutschland aufzugeben. Dazu überträgt die 100-prozentige SRG-Tochter ihre Anteile am Joint Venture per 31. März der Firma Salzbrenner, behält aber die Marke tpc International.
Letztere wird nun quasi zur Auslandabteilung des tpc, das künftig unter diesem Namen von Zürich aus sowohl in Deutschland als auch in Österreich Übertragungen aller Art realisieren will. Um wenigstens eine deutsche Adresse zu haben, möchte tpc International aber schon bald eine Verkaufsstelle in Deutschland eröffnen. Fraglich ist allerdings, ob tpc International weiterhin so viele Aufträge erhält wie bisher. «Als Firma aus einem Nicht-EU-Land werden wir es schwerer haben», weiss Sidler. Darum werden Produktionen im Ausland künftig zwar mit Produktionsmitteln aus Zürich, jedoch vorwiegend mit lokalem Personal realisiert.
Kein Zusammenhang besteht gemäss Sidler zwischen dem tpc-Rückzug aus Deutschland und dem Entscheid von Sat 1 (Schweiz), die Axpo Super League ab 29. Februar statt von tpc künftig von der deutschen Plazamedia produzieren zu lassen (WW 6/04). Plazamedia habe im Rahmen eines Gesamtproduktionsangebotes für Sat 1 auch die Übertragungen für Sat 1 (Schweiz) günstiger anbieten können als tpc. Das wird auch von Sat 1 (Schweiz) bestätigt. Übrigens, so fügt Sidler an, arbeite das tpc ab und zu auch für Plazamedia, indem es einzelne Bundesliga-Spiele übertrage. «Es ist also möglich, dass wir bei einem der nächsten Axpo-Super-League-Spiele für Plazamedia einspringen müssen …»
Bleibt Schellenberg VR-Präsident von tpc?Der ehemalige SF DRS-Direktor Peter Schellenberg amtet mindestens bis zur tpc-Generalversammlung im April als dessen VR-Präsident – vielleicht aber auch ein Jahr länger. Das hängt nicht zuletzt davon ab, ob die neue SF DRS-Direktorin Ingrid Deltenre diesen zusätzlichen Posten schon übernehmen will oder nicht. Das tpc erwirtschaftete 2001 einen Umsatz von 144,7 Millionen Franken und 2002 noch 133 Millionen Franken. 2003 werden es aber wieder 5 bis 6 Prozent mehr sein, sagte Roger Sidler. (mk)
Keine Weko-Untersuchung gegen tpcDie Wettbewerbskommission (Weko) weist eine Klage von Filmproduktionsfirmen ab, die der SRG und ihrer Tochter tpc im Bereich Auftragsfilme unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen vorwarfen. Dies geht aus einem SRG-Communiqué hervor, dessen Inhalt von Weko-Sprecher Patrick Drucrey bestätigt wird. Demnach hält die Weko zwar fest, dass das tpc in der Deutschschweiz der einzige Anbieter für Auftragsfilme sei, der die hohen Standards an Verfügbarkeit und Qualität erfülle. Doch sieht sie darin eher ein «natürliches Monopol» als einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung. Die SRG habe ihrer Tochter seinerzeit bei der Übertragung der Infrastruktur keine Geschenke gemacht. Zudem bezahle das tpc der SRG marktkonforme Mietpreise und offeriere seine Leistungen gegenüber der SRG nicht nur zu marktüblichen, sondern auch zu gleichen Tarifen wie gegenüber anderen Auftraggebern. Die Weko verzichte deshalb auf eine Untersuchung. (mk)
Die Reportagewagen der TV-Produktionsfirma tcp International stehen nun in Deutschland still.
Roger Sidler, CEO beim TV Production Center Zürich (tpc).
Markus Knöpfli
