Ringiers TV-Küche rüstet auf
Fernsehen Ringier-TV ist rund zehn Jahre alt, schreibt schwarze Zahlen und will unter die Formatverkäufer.
Fernsehen Ringier-TV ist rund zehn Jahre alt, schreibt schwarze Zahlen und will unter die Formatverkäufer.
Während die Betreiber von Privat-TVs tiefrote Zahlen generieren und auf Gebührengelder hoffen, schreibt Ringier mit seinen TV-Aktivitäten bereits zum dritten Mal hintereinander schwarz. Seit 2001, als der Umsatz knapp 37 Millionen Franken betrug und Ringier-TV erstmals in die Gewinnzone kam, wuchs das Betriebsergebnis in Einmillionenschritten auf 39 Millionen Franken im letzten Jahr (Ringier-interne Leistungen eingerechnet). «Dabei machten wir einen guten Gewinn», sagt Noch-Geschäftsführer Hans Jürg Deutsch, der per 1. April die operative Verantwortung an seinen Stellvertreter Marc Görtz abgibt (auf Konzernebene aber den TV-Bereich weiterhin vertritt). Görtz seinerseits hat für das laufende Jahr eine erneute Ertragssteigerung im Rahmen des bisherigen Wachstums budgetiert.
Breit gefächerte Einnahmen
Zum letztjährigen Gesamtumsatz trugen die Sponsoring-Einnahmen rund ein Viertel bei, aus der Kasse des Verlegerfernsehens Presse-TV (PTV) kamen ungefähr 3,5 Millionen Franken. Der Rest stammt von TV- und Spot-Produktionen für Dritte, vom ausgebauten Medientraining sowie von Werbeerträgen des Sat-1-Programmfensters. Für die Werbeakquisition von Sat 1 (Schweiz) ist die Cinecom zuständig.
Zweifellos ist Ringier, verglichen mit andern Privat-TV-Machern, in einer komfortablen Lage, muss der Konzern doch keinen eigenen Sender betreiben. Ringier-TV kann sich auf das Entwickeln und Produzieren von Sendungen für SF 2 im Rahmen von PTV sowie für das Programmfenster von Sat 1 beschränken. Noch dazu ohne Druck: So kann etwa der bei Sat 1 (Schweiz) zur Verfügung stehende Platz Schritt für Schritt abgedeckt werden. Findet sich – wie für den im letzten Jahr geplanten Blick-Sporttalk mit Roman Kilchsperger – kein potenter Sponsor, belässt man am entsprechenden Sendeplatz einfach das deutsche Programm. Dennoch: Ringier-TV, das vor zehn Jahren noch als Rincivision gestartet war, beschäftigt heute 75 Personen. Zum Konzernbereich gehört Ringiers 30-Prozent-Beteiligung bei PTV, der 50-Prozent-Anteil bei Sat 1 (Schweiz) sowie die Beteiligung bei Teleclub (33,3 Prozent) und die Tochter Addictive, eine Werbeagentur für Fernsehspots.
Görtz verfolgt bei Ringier-TV eine Zweisäulenstrategie: Die Info-Sendungen wie «Cash-TV» will er als erste Säule beibehalten, ausgebaut wird aber die Unterhaltungsschiene. «Die Schicksalssendung ‹Celebrations›, die am letzten Freitag auf Sat 1 gestartet ist, geht genau in diese Richtung», sagt er. Noch etwas schwebt ihm vor: Er will Sendeformate verkaufen, zum Beispiel nach Deutschland, in den grössten europäischen TV-Markt. Görtz: «Die deutschen TVs entwickeln relativ wenige eigene Formate, sondern kaufen sie meist im Ausland ein. Warum nicht auch in der Schweiz?» Möglich wäre etwa, erfolgreiche Formate wie «Gesundheit Sprechstunde» in Lizenz abzutreten. «In diesem Fall ist vor allem die TV/Print-Verbundidee sehr spannend», sagt er. Und: «Hier werden wir in Zukunft aktiv werden.»
Pläne gibt es auch im Ausland
Aber auch Format-Neuentwicklungen fasst er durchaus ins Auge. Fürs Ausland ebenso wie für die beiden Plattformen in der Schweiz: Zunächst natürlich für Sat 1 (Schweiz), wo bis jetzt erst der Sonntagnachmittag mit dem dreistündigen «live ran» und die Montag-Primetime «eingeschweizert» sind. Doch über weitere Projekte bei Sat 1 will Görtz nicht sprechen. Plattform zwei sind SF 1 und SF 2. SF 2 ist zwar so gut wie zugepflastert. Doch derzeit diskutiert Ringier-TV mit SF-DRS-Direktorin Ingrid Deltenre über einen Wechsel der erfolgreichen Kochsendung «Al dente» zu SF 1 (siehe Kasten). Und nicht nur das: Deltenre, die bis vor kurzem Werbung für die SRG-Sender verkaufte, weiss nur zu gut, dass die Werbekunden primär die 15- bis 49Jährigen ansprechen wollen. Sie dürfte mittelfristig an entsprechenden neuen Formaten interessiert sein. Die zweite Welle von «MusicStar» weist in diese Richtung. Hier wittert Görtz seine Chance: Präsentiert Ringier-TV gute Ideen, werden auch dessen Auftragsbücher dicker.
Schon bald Neuigkeiten in den Töpfen: Die Kochsendung «Al dente» soll umgemodelt werden.
«Al Dente» plant RelaunchFormat und Studio der Kochsendung «Al Dente» werden auf den Herbst hin umgemodelt: «Wir wollen vor allem das Publikum stärker einbeziehen», sagt Hans Jürg Deutsch. An der Grundidee, einem Quiz zum Thema
Kochen, ändert sich jedoch nichts. Bei der Moderation sind ebenfalls keine Wechsel vorgesehen. (mk)
Lockerungen und PräzisierungenRingier-TV ist mit dem vorliegenden RTVG-Entwurf nicht einverstanden. Hans Jürg Deutsch wünscht Lockerungen bei den Vorschriften zu Werbung und Medienkonzentration sowie präzisere Regelungen zu Verbreitung und Digitalisierung. Er bedauert, dass die vorberatende Nationalratskommission weder mit Ringier-TV noch mit Presse-TV gesprochen habe. «Wir haben uns anerboten, doch sie sprachen lieber mit allen möglichen Interessenverbänden. Ausgerechnet jene Privaten, die im
TV-Bereich die einzigen lebensfähigen Konstruktionen auf die Beine stellten, wollten sie nicht anhören», kritisiert Deutsch. (mk)
Ringier-TV erreicht Spitzenwerte Durchschnittliche Ratings 2003 (3+) (inklusive Wiederholungen)
Sendung Ø Ratings Ø Marktanteil* Spitzenwerte
SF 2
Al dente 350.490 18,1 % 457.400
CASH-TV 150.300 9,3 % 341.000
CASH-Talk 48.800 6,5 % 118.000
Gesundheit Sprechstunde 333.864 14,4 % 432.000
konsum.tv 280.300 10,6 % 386.000
MotorShow tcs 149.714 5,6 % 252.400
SonntagsBlick Standpunkte 87.857 3,6 % 153.000
SF 1
Sicher ist sicher 472.222 33,3 % 609.000
Sat 1 Schweiz
live ran 247.050 25,9 % 347.100
people 136.622 4,3 % 172.500
people style 111.961 4,0 % 158.400
Joya rennt 105.493 4,0 % 134.200
Joya reist 104.987 3,9 % 136.900
* Marktanteil Erstausstrahlung Quelle: Ringier-TV
Markus Knöpfli
Während die Betreiber von Privat-TVs tiefrote Zahlen generieren und auf Gebührengelder hoffen, schreibt Ringier mit seinen TV-Aktivitäten bereits zum dritten Mal hintereinander schwarz. Seit 2001, als der Umsatz knapp 37 Millionen Franken betrug und Ringier-TV erstmals in die Gewinnzone kam, wuchs das Betriebsergebnis in Einmillionenschritten auf 39 Millionen Franken im letzten Jahr (Ringier-interne Leistungen eingerechnet). «Dabei machten wir einen guten Gewinn», sagt Noch-Geschäftsführer Hans Jürg Deutsch, der per 1. April die operative Verantwortung an seinen Stellvertreter Marc Görtz abgibt (auf Konzernebene aber den TV-Bereich weiterhin vertritt). Görtz seinerseits hat für das laufende Jahr eine erneute Ertragssteigerung im Rahmen des bisherigen Wachstums budgetiert.
Breit gefächerte Einnahmen
Zum letztjährigen Gesamtumsatz trugen die Sponsoring-Einnahmen rund ein Viertel bei, aus der Kasse des Verlegerfernsehens Presse-TV (PTV) kamen ungefähr 3,5 Millionen Franken. Der Rest stammt von TV- und Spot-Produktionen für Dritte, vom ausgebauten Medientraining sowie von Werbeerträgen des Sat-1-Programmfensters. Für die Werbeakquisition von Sat 1 (Schweiz) ist die Cinecom zuständig.
Zweifellos ist Ringier, verglichen mit andern Privat-TV-Machern, in einer komfortablen Lage, muss der Konzern doch keinen eigenen Sender betreiben. Ringier-TV kann sich auf das Entwickeln und Produzieren von Sendungen für SF 2 im Rahmen von PTV sowie für das Programmfenster von Sat 1 beschränken. Noch dazu ohne Druck: So kann etwa der bei Sat 1 (Schweiz) zur Verfügung stehende Platz Schritt für Schritt abgedeckt werden. Findet sich – wie für den im letzten Jahr geplanten Blick-Sporttalk mit Roman Kilchsperger – kein potenter Sponsor, belässt man am entsprechenden Sendeplatz einfach das deutsche Programm. Dennoch: Ringier-TV, das vor zehn Jahren noch als Rincivision gestartet war, beschäftigt heute 75 Personen. Zum Konzernbereich gehört Ringiers 30-Prozent-Beteiligung bei PTV, der 50-Prozent-Anteil bei Sat 1 (Schweiz) sowie die Beteiligung bei Teleclub (33,3 Prozent) und die Tochter Addictive, eine Werbeagentur für Fernsehspots.
Görtz verfolgt bei Ringier-TV eine Zweisäulenstrategie: Die Info-Sendungen wie «Cash-TV» will er als erste Säule beibehalten, ausgebaut wird aber die Unterhaltungsschiene. «Die Schicksalssendung ‹Celebrations›, die am letzten Freitag auf Sat 1 gestartet ist, geht genau in diese Richtung», sagt er. Noch etwas schwebt ihm vor: Er will Sendeformate verkaufen, zum Beispiel nach Deutschland, in den grössten europäischen TV-Markt. Görtz: «Die deutschen TVs entwickeln relativ wenige eigene Formate, sondern kaufen sie meist im Ausland ein. Warum nicht auch in der Schweiz?» Möglich wäre etwa, erfolgreiche Formate wie «Gesundheit Sprechstunde» in Lizenz abzutreten. «In diesem Fall ist vor allem die TV/Print-Verbundidee sehr spannend», sagt er. Und: «Hier werden wir in Zukunft aktiv werden.»
Pläne gibt es auch im Ausland
Aber auch Format-Neuentwicklungen fasst er durchaus ins Auge. Fürs Ausland ebenso wie für die beiden Plattformen in der Schweiz: Zunächst natürlich für Sat 1 (Schweiz), wo bis jetzt erst der Sonntagnachmittag mit dem dreistündigen «live ran» und die Montag-Primetime «eingeschweizert» sind. Doch über weitere Projekte bei Sat 1 will Görtz nicht sprechen. Plattform zwei sind SF 1 und SF 2. SF 2 ist zwar so gut wie zugepflastert. Doch derzeit diskutiert Ringier-TV mit SF-DRS-Direktorin Ingrid Deltenre über einen Wechsel der erfolgreichen Kochsendung «Al dente» zu SF 1 (siehe Kasten). Und nicht nur das: Deltenre, die bis vor kurzem Werbung für die SRG-Sender verkaufte, weiss nur zu gut, dass die Werbekunden primär die 15- bis 49Jährigen ansprechen wollen. Sie dürfte mittelfristig an entsprechenden neuen Formaten interessiert sein. Die zweite Welle von «MusicStar» weist in diese Richtung. Hier wittert Görtz seine Chance: Präsentiert Ringier-TV gute Ideen, werden auch dessen Auftragsbücher dicker.
Schon bald Neuigkeiten in den Töpfen: Die Kochsendung «Al dente» soll umgemodelt werden.
«Al Dente» plant RelaunchFormat und Studio der Kochsendung «Al Dente» werden auf den Herbst hin umgemodelt: «Wir wollen vor allem das Publikum stärker einbeziehen», sagt Hans Jürg Deutsch. An der Grundidee, einem Quiz zum Thema
Kochen, ändert sich jedoch nichts. Bei der Moderation sind ebenfalls keine Wechsel vorgesehen. (mk)
Lockerungen und PräzisierungenRingier-TV ist mit dem vorliegenden RTVG-Entwurf nicht einverstanden. Hans Jürg Deutsch wünscht Lockerungen bei den Vorschriften zu Werbung und Medienkonzentration sowie präzisere Regelungen zu Verbreitung und Digitalisierung. Er bedauert, dass die vorberatende Nationalratskommission weder mit Ringier-TV noch mit Presse-TV gesprochen habe. «Wir haben uns anerboten, doch sie sprachen lieber mit allen möglichen Interessenverbänden. Ausgerechnet jene Privaten, die im
TV-Bereich die einzigen lebensfähigen Konstruktionen auf die Beine stellten, wollten sie nicht anhören», kritisiert Deutsch. (mk)
Ringier-TV erreicht Spitzenwerte Durchschnittliche Ratings 2003 (3+) (inklusive Wiederholungen)
Sendung Ø Ratings Ø Marktanteil* Spitzenwerte
SF 2
Al dente 350.490 18,1 % 457.400
CASH-TV 150.300 9,3 % 341.000
CASH-Talk 48.800 6,5 % 118.000
Gesundheit Sprechstunde 333.864 14,4 % 432.000
konsum.tv 280.300 10,6 % 386.000
MotorShow tcs 149.714 5,6 % 252.400
SonntagsBlick Standpunkte 87.857 3,6 % 153.000
SF 1
Sicher ist sicher 472.222 33,3 % 609.000
Sat 1 Schweiz
live ran 247.050 25,9 % 347.100
people 136.622 4,3 % 172.500
people style 111.961 4,0 % 158.400
Joya rennt 105.493 4,0 % 134.200
Joya reist 104.987 3,9 % 136.900
* Marktanteil Erstausstrahlung Quelle: Ringier-TV
Markus Knöpfli
