Schweizer Frauenpower für Cannes

Bildagenturen Für das Keystone Cannes Open wurden 73 Arbeiten eingereicht. Die Qualität war bemerkenswert.

Bildagenturen Für das Keystone Cannes Open wurden 73 Arbeiten eingereicht. Die Qualität war bemerkenswert.
Mit dem Keystone Cannes Open bietet die grösste Bildagentur der Schweiz seit vier Jahren eine Plattform für Werbetalente bis 30 Jahre. Bedingung zur Teilnahme am Wettbewerb sind einzig ein Auftraggeber sowie die Verwendung von Bildmaterial aus den Keystone-Archiven mit über 11 Millionen Bildern.Mit 73 Einsendungen wurde die Teilnahme vom letzten Jahr übertroffen. Der Wettbewerb hat damit eine erfreuliche Akzeptanz gefunden. Auch das Niveau war «sehr hoch», wie die Jury einstimmig befunden hat. In dieser wirkten Denis Schwarz, Mathias Freuler, Simone Fennel und Markus Ruf.
Jungwerberinnen überzeugten
Als Siegerteam haben sie Hanna Zimmermann (28) und Chantal Ehrensperger (21) von der Werbeagentur Wirz ausgezeichnet. Die beiden Jungwerberinnen konnten die Fachleute mit ihrem Werk «Ohr – Extreme Carving» überzeugen: Ein blutiges Ohr zeigt, wie extrem das Carvinggefühl mit Stöckli-Skis möglich ist. Die beiden Frauen dürfen im Juni an das renommierte Werbefestival in Cannes fliegen. Darüber hinaus wird ihre Arbeit in der Kategorie «Press & Outdoor Award» für die Lions eingereicht.
Neben dem Siegersujet wurden vierzehn weitere Arbeiten auf die Shortlist gesetzt. Auffallend viele Ideen arbeiteten mit gelungenem Humor. «Ein guter Gag ist noch kein Garant für eine werbewirksame Botschaft», meinte allerdings die Jury.
Nach zwei Ausscheidungsrunden sind drei Werke in die engste Wahl gekommen. Neben den Siegerinnen kam eine weitere Frau auf Platz 2. Cornelia Wenk hätte es sogar beinahe zu Gold gereicht. Bei der letzten Diskussion der Jury fiel aber vor allem ins Gewicht, dass das Carving-Sujet in Cannes auch international verstanden werden könnte und damit die besseren Chancen hat. Wenks Optiker-Sujet mit dem kurzsichtigen Autofahrer hat der Jury aber gefallen als «ein neuer Ansatz für eine schon x-mal abgehandelte Werbung.» Im dritten Rang wurden Sebastian Hugelshofer und Daniel Roznovjak für ihre Idee «Zeit anhalten» für Nivea Visage ausgezeichnet.
Das Gewinnerplakat ist vom 5. bis zum 18.April an
der Weinbergstrasse am Central in Zürich in B12-Format zu bewundern. Alle eingereichten Werke können noch bis zum 25. März im Foyer von Keystone an der Grubenstrasse 45 in Zürich während den Bürozeiten oder im Internet unter www.cannes-open.ch besichtigt werden.
Gefragt bei Werbeagenturen Keystone ist in der Branche bis jetzt vorwiegend als «schnelle Agentur» für Newsbilder positioniert. Die Nachfrage aus Werbeagenturen ist aber steigend, wie CEO Walter Grolimund erklärt.
Keystone ist trotz dem amerikanisch klingenden Namen eine Schweizer Firma, die von einem Schweizer in Keystone Colorado gegründet wurde und dann ihren Sitz nach Zürich verlegte. Seit 1980 bietet die Presseagentur auch allgemeine Stock-Bilder an. Keystone arbeitet im Netzwerk mit «Science», der weltweit besten wissenschaftlichen Datenbank. Zugriff hat die Agentur ebenfalls auf spezialisierte Netzwerke in Korea, Japan und China.
Bald futuristische Möglichkeiten In der Schweiz arbeitet Keystone mit insgesamt 22 fest angestellten Fotografen. Vor zehn Jahren war die Agentur ein Sprungbrett für Fotografen, die zu einer Zeitung wollten. «Heute gibt es eine Warteliste mit Zeitungsfotografen, die viel lieber bei Keystone arbeiten möchten», weiss Grolimund.
In Zürich werden täglich 2000 neue Bilder ins Programm aufgenommen. 1500 davon sind Newsbilder, der Rest allgemeine Sujets. Für die Datenbank sind vier Leute non-stop mit Scannen beschäftigt, zehn indexieren. Ihr wichtigster Job momentan: Die Datenbank wird separiert. Wer bei der Bildsuche bisher «Davos» eingegeben hat, bekam eine Unmenge aktuelle Bilder vom Eishockey-Club Davos. Jetzt sind die Suchkriterien verfeinert worden. In Zukunft wird es sogar möglich sein, dass Werber eine Skizze von einem Bild eingegeben können – dann sucht die Maschine automatisch nach Sujets mit den gleichen Konturen. Dieser futuristische Service heisst «Visual Search» und soll ab Mitte Jahr zur Verfügung stehen. Keystone hat für diese Entwicklungen der Datenbank über eine Million Franken investiert und gehört seit sieben Jahren in Sachen Datenbank zu den führenden Anbietern in Europa. Zurzeit ist man für das Scannen zusätzlich im Test mit einem indischen Spezialunternehmen.
Die hohe Qualität der Einsendungen machte die Arbeit der Jury schwierig. Sieger wurden Chantal Ehrensperger (l.) und Hanna Zimmermann.
Gestoppt auf Platz 3: Sebastian Hugelshofer und Daniel Roznovjak.
Andreas Panzeri

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