Es logt das Geld
Gastkommentar Weblogs sind die eierlegenden Wollmilchsäue der Internetpublizistik, findet Nick Lüthi.
Gastkommentar Weblogs sind die eierlegenden Wollmilchsäue der Internetpublizistik, findet Nick Lüthi.Auf Christopher Albrittons Konto lagen vor ein paar Tagen 10185 Dollar; heute werden es schon einige Greenbacks mehr sein. Das Geld stammt von Spendern, die den früheren AP-Reporter bei seiner unabhängigen Berichterstattung aus dem Irak finanziell unterstützen. Ein stattliches Sümmchen, wenn man bedenkt, dass Albritton seine Recherchen einzig via back-to-iraq.com veröffentlicht – ein jedermann frei zugängliches Onlinejournal. Auch von anderen Webjournalisten wird berichtet, dass Unbekannte ihnen innert Tagen einen neuen Laptop finanzierten. Mit dem boomenden Online-Medienformat Weblog lässt sich also auch Geld verdienen.
Vom Beispiel Albrittons inspiriert, versuchen immer mehr
Weblog-Betreiber, ihr Hobby in bare Münze umzuwandeln. Unübersehbares Indiz sind die PayPal-Buttons auf vielen Weblogs. Der kreditkartenbasierte Bezahldienst ermöglicht einen einfachen Geldtransfer. Die technische Machbarkeit alleine lässt den Rubel jedoch nicht rollen. Erst hohe Zugriffszahlen und eine gute publizistische Reputation können einen Spendenfluss allenfalls in Gang setzen.
Dasselbe gilt für Werbeprogramme wie Adsense von Google, die immer öfter in Weblogs eingebettet werden: Erst wenn Textanzeigen angeklickt werden, klingelt die Kasse. Selbst ein Spitzen-Weblog wie Editor:Myself erzielt nach Aussagen seines Betreibers so nur magere fünf Dollar monatlich. Das ist gerade genug, um die Miete des Platzes auf dem Server zu berappen.
Aus dieser ernüchternden Bilanz darf nun nicht voreilig der Schluss gezogen werden, wonach Weblogs eine antikommerzielle Grundresistenz aufweisen und deren Betreiber höchstens mit milden Gaben rechnen dürfen.
Der Hase läuft anders. Ein Weblog ist primär ein zweckneutrales und Web-gestütztes redaktionelles Softwaresystem. Was sich damit auch kommerziell alles anstellen lässt, ist noch kaum absehbar. Vom gegenwärtigen Boom profitieren als Erste selbstverständlich die Weblog-Provider. Sie entwickeln, betreuen und verkaufen jene Werkzeuge, ohne die nichts läuft. Profitieren können offenbar aber auch jene, die es zurzeit besonders nötig haben.
Weshalb haben sich die Onlinestrategen von Tages-Anzeiger, Die Zeit oder La Repubblica sonst entschieden, Weblogs in die Internetpräsenz ihres Mediums zu integrieren (bei den Italienern sinds gleich deren acht!)? Wohl kaum nur, weil es hipp ist. Tatsache ist: Mit diesem Schritt schlagen die genannten Zeitungen zwei Fliegen auf einen Streich. Erstens steigern Weblogs die Attraktivität des publizistischen Angebots: exklusiver Online-Content als Abgrenzung zum omnipräsenten Agenturfutter. Zweitens sind Weblogs untereinander hochgradig vernetzt. Nicht umsonst spricht man von einer eigenen «Blogosphäre». Dort aber wird ungleich wahrscheinlicher auf das Weblog einer Zeitung als auf ihr übriges Onlineangebot verwiesen. Das Weblog fungiert also als eine Art Link-Magnet. Und mehr Links bringt mehr Traffic, und der wiederum höhere Werbeeinnahmen. Aus diesem einleuchtenden Grund wird dem Vernehmen nach bald eine Reihe von Schweizer Zeitungen dem Vorbild des Tages-Anzeigers mit seinem «Korrespondenten-Notebook» folgen und Weblogs auf ihren Websites installieren.
> Nick Lüthi ist Redaktor beim eBund und schreibt in den
Weblogs bernergazette.ch sowie nick.kaywa.com.
Vom Beispiel Albrittons inspiriert, versuchen immer mehr
Weblog-Betreiber, ihr Hobby in bare Münze umzuwandeln. Unübersehbares Indiz sind die PayPal-Buttons auf vielen Weblogs. Der kreditkartenbasierte Bezahldienst ermöglicht einen einfachen Geldtransfer. Die technische Machbarkeit alleine lässt den Rubel jedoch nicht rollen. Erst hohe Zugriffszahlen und eine gute publizistische Reputation können einen Spendenfluss allenfalls in Gang setzen.
Dasselbe gilt für Werbeprogramme wie Adsense von Google, die immer öfter in Weblogs eingebettet werden: Erst wenn Textanzeigen angeklickt werden, klingelt die Kasse. Selbst ein Spitzen-Weblog wie Editor:Myself erzielt nach Aussagen seines Betreibers so nur magere fünf Dollar monatlich. Das ist gerade genug, um die Miete des Platzes auf dem Server zu berappen.
Aus dieser ernüchternden Bilanz darf nun nicht voreilig der Schluss gezogen werden, wonach Weblogs eine antikommerzielle Grundresistenz aufweisen und deren Betreiber höchstens mit milden Gaben rechnen dürfen.
Der Hase läuft anders. Ein Weblog ist primär ein zweckneutrales und Web-gestütztes redaktionelles Softwaresystem. Was sich damit auch kommerziell alles anstellen lässt, ist noch kaum absehbar. Vom gegenwärtigen Boom profitieren als Erste selbstverständlich die Weblog-Provider. Sie entwickeln, betreuen und verkaufen jene Werkzeuge, ohne die nichts läuft. Profitieren können offenbar aber auch jene, die es zurzeit besonders nötig haben.
Weshalb haben sich die Onlinestrategen von Tages-Anzeiger, Die Zeit oder La Repubblica sonst entschieden, Weblogs in die Internetpräsenz ihres Mediums zu integrieren (bei den Italienern sinds gleich deren acht!)? Wohl kaum nur, weil es hipp ist. Tatsache ist: Mit diesem Schritt schlagen die genannten Zeitungen zwei Fliegen auf einen Streich. Erstens steigern Weblogs die Attraktivität des publizistischen Angebots: exklusiver Online-Content als Abgrenzung zum omnipräsenten Agenturfutter. Zweitens sind Weblogs untereinander hochgradig vernetzt. Nicht umsonst spricht man von einer eigenen «Blogosphäre». Dort aber wird ungleich wahrscheinlicher auf das Weblog einer Zeitung als auf ihr übriges Onlineangebot verwiesen. Das Weblog fungiert also als eine Art Link-Magnet. Und mehr Links bringt mehr Traffic, und der wiederum höhere Werbeeinnahmen. Aus diesem einleuchtenden Grund wird dem Vernehmen nach bald eine Reihe von Schweizer Zeitungen dem Vorbild des Tages-Anzeigers mit seinem «Korrespondenten-Notebook» folgen und Weblogs auf ihren Websites installieren.
> Nick Lüthi ist Redaktor beim eBund und schreibt in den
Weblogs bernergazette.ch sowie nick.kaywa.com.
