Im Web sind noch Stellenanzeigen frei

Stellenmarkt Tamedia weitet JobWinner aus und reagiert mit Starterjobs auf die Lehrstellenkrise. Unikat konzipiert dazu eine Testimonial-Kampagne.

Stellenmarkt Tamedia weitet JobWinner aus und reagiert mit Starterjobs auf die Lehrstellenkrise. Unikat konzipiert dazu eine Testimonial-Kampagne.Keine Entwarnung an der Lehrstellenfront. Laut dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) ist die Situation vor allem in den urbanen Zentren Zürich, Bern und Neuenburg so angespannt wie im letzten Jahr. Obwohl viele neue Ausbildungsplätze geschaffen worden sind, entschärft sich das Problem heuer kaum, weil sich diesen Sommer rund 2000 Schulabgänger mehr als 2003 um einen Lehrvertrag bewerben. Hinzu kommen all jene Jugendlichen, die mangels Stellen ein Übergangsangebot genutzt haben. An der Jahrestagung des BBT von vergangener Woche riefen Vertreter von Bund bis Arbeitsorganisationen zur Schaffung weiterer Lehrstellen auf. Für den Zusatzeffort bieten ein neues Gesetz, der verstärkte Einsatz von Lehrstellenförderern und die Anschubfinanzierung für Lehrbetriebsverbünde gute Voraussetzungen, um die Stellennot zu lindern.
Mit der unbefristeten Aktion Starterjobs, bei der die Insertion von Lehr-, Einstiegs- und Praktikumsstellen auf dem JobWinner.ch-Channel gratis ist, lanciert der Tamedia-Stellenmarkt eine neue Vermittlungsplattform. Die Leitidee hinter der Initiative habe in der Erkenntnis gelegen, dass Stellen für Berufseinsteiger kaum ausgeschrieben werden und der Jugendarbeitslosigkeit nur mit der Schaffung und Vermittlung offener Lehr- und Einstiegsstellen beizukommen sei, erklärt Seraina Mohr vom JobWinner-Team. «Den Ball ins Rollen gebracht hat Isabel Kaiser, Leiterin des Tamedia-Stellenmarktes, als sie einen Artikel über Arbeit suchende Lehr- und Uni-Absolventen gelesen hatte und überlegte, wie wir mit JobWinner.ch sinnvolle Unterstützung bei der Stellensuche anbieten könnten», sagt die Content-Managerin rückblickend. Das Team habe dann die Idee zu einem breiten Projekt ausgearbeitet und umgesetzt.
Eine Bewegung soll entstehen
Da Jugendarbeitslosigkeit eine grosse Hypothek für Betroffene darstellt – von den psychischen Problemen, der sozialen Isolation bis zum erhöhten Gewaltpotenzial dieser Jugendlichen –, war für die Verantwortlichen der Pitch-Gewinnerin Unikat klar, dass sie das Thema nicht nur als Kampagne konzipieren wollten. «Viel mehr sollte eine regelrechte Bewegung entstehen», erklärt Jan Maurer, Berater und Managing Director der Agentur.
Für die Joboffensive liess sich CD Daniel Meier von der solidarischen Grundbotschaft leiten, dass auch Prominente klein angefangen haben. «Ihre Präsenz auf den Werbemitteln soll den Betroffenen Mut machen, weil selbst deren Bahnen nicht immer gerade verliefen», sagt Meier zur Testimonial-Kampagne. So verdiente Rocksänger und Produzent Chris von Rohr sein erstes Geld als Tierpfleger, Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss als Hotelsekretärin, die Wirtin und frühere «10 vor 10»-Moderatorin Jana Caniga als Aushilfe in der Elektronikabteilung eines Warenhauses und der erfolgreiche Industrielle Edgar Oehler mit dem Verkauf von Hühnereiern.
Gerade weil Jugendarbeitslosigkeit auch diese Kreise betroffen macht, war die Bereitschaft von Prominenten aus Wirtschaft, Unterhaltung und Politik zur unentgeltlichen Teilnahme gross. Mit dem Appell «Jeder hat eine erste Chance verdient» machen sie Jugendlichen wie potenziellen Arbeitgebern Mut. Für diesen Aufruf bat Unikat um Jugendaufnahmen, auf denen die steile Karriere noch in weiter Ferne lag. So fern wie sie heute von vielen möglichen künftigen Topleuten ist. Den Weg dorthin weist eine Reihe Textinserate wie zum Beispiel«Viktor Giacobbo musste für seinen ersten Job noch Bleibuchstaben setzen. Du hast es einiges leichter: www.jobwinner.ch/starterjobs».
Das Kampagnenkonzept trägt dem Selbstbild der Millennials Rechnung, wie die Generationenforscher William Howe und Neil Strauss die
erste junge Generation des neuen Jahrtausends taufte. Diese nennt Stabilität, beruflichen Erfolg und Familienglück als ihre grössten Ziele. Wobei Erfolg und Spass in der Arbeit heute zu den wichtigsten Faktoren der Zufriedenheit zählen.
Dieser Tendenz zur Selbstüberschätzung – ein Ausdruck der Ambitioniertheit – folgt auch die Promikampagne. Nicht nur Casting-shows sollen beweisen, dass in jeder und jedem viel Potenzial steckt. Die breite Starterjobs-Kampagne will dies ab dem 1. Juni auch tun und geht einen Schritt weiter. Auf Inseraten, in Radiospots, auf Wildplakaten und Cards for free erinnern die Vorbilder daran, dass auch sie klein angefangen haben. Und dass Bescheidenheit nicht eine Zier ist, mit der man nicht weiterkommt. Die bleibt offenbar auch in der modernen Gesellschaft eine taugliche Tugend. Den besten Beweis erbringt Unikat selbst, wurde sie doch auch mit dem Rebranding der Winner-Plattformen betraut.
Vorbilder: Charles Clerc, Ruth Dreifuss und Ulrich Gygi (v. l. n. r.) haben in ihrem Berufsleben klein angefangen und es später weit gebracht. Für Junge von heute zur Nachahmung empfohlen.
Luca Aloisi

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