The Art of Advertising

Ausstellung In Berlin wird die Konvergenz von kommerzieller und künstlerischer Kommunikation historisiert.Es ist ein Gemeinplatz, dass Werbung die Kunst der Moderne beeinflusst hat.

Ausstellung In Berlin wird die Konvergenz von kommerzieller und künstlerischer Kommunikation historisiert.Es ist ein Gemeinplatz, dass Werbung die Kunst der Moderne beeinflusst hat.Ausstellung In Berlin wird die Konvergenz von kommerzieller und künstlerischer Kommunikation historisiert.
Es ist ein Gemeinplatz, dass Werbung die Kunst der Moderne beeinflusst hat. Längst sind die Künstler von ihren Musenhügeln herabgestiegen, mischen im alltäglichen Umlauf der Werte mit und nutzen Werbestrategien für ihr eigenes Werk. Doch werden umgekehrt auch Plakate und Anzeigensujets zur Kunst, wenn sie von Künstlern gemacht sind?
Das Deutsche Historische Museum Berlin suggeriert dies allein schon durch den Titel seiner aktuellen Ausstellung: «Strategien der Werbekunst von 1850 – 1933». Zudem wird nahe gelegt, dass die Liaison von Geschäftssinn und Spielform, die 1848 im Zeichen der Pressefreiheit begann, 1933 irgendwie beendet worden sei.
Der Gestalter Peter Behrens verstand seine Kampagnen für die AEG als Teil eines Gesamtkunstwerks; der Deutsche Werkbund präsentierte seine Plakate, Verpackungen und Schaufensterdekorationen 1913 mit Produkten und Fabriken im Jahrbuch «Die Kunst in Industrie und Handel». Doch nicht jeder dachte so. René Magritte etwa betrachtete seine Ausflüge in die Werbewelt als Talent tötende Lohnarbeit.
Ein alter Zielkonflikt
Hans Ottomeyer, der 1996 im Münchner Stadtmuseum bereits eine ähnliche Ausstellung präsentierte, schreibt im Katalog: «Gute Werbung zu machen, ist eine Kunst.» Der Berliner Museumsdirektor sieht falsche Moral am Werk, wenn der Warencharakter von Kunst und der Kunstwert der Ware Werbung negiert werden. Nun denn, Kulturkritik an der Werbung ist bekanntlich so alt wie diese selbst. Aber meint Kunst nicht immer auch etwas jenseits des Geldwerts, während Werbung diesen erst stellvertretend schafft? Gutes Kommunikationshandwerk sagt zudem noch nicht viel über dessen intellektuelle oder ideologische Ansprüche aus.
Historischer Parcours
Verbreitet war damals diesbezüglich vielmehr professionelle Ahnungslosigkeit. Diese verleitete viele Branchengrössen, trotz weit gehenden Werbeverbots 1933 einfach weiterzumachen – mit politischer Propaganda. Die Ausstellung deutet personelle Kontinuitäten bis in die Nachkriegszeit jedoch nicht einmal an, sondern tut so, als ob sich Diktatur, Kriegswirtschaft und Konsum per se ausschliessen würden. Stattdessen inszeniert Kurator Jörg Meissner einen kultur- und alltagshistorischen Parcours, der wohl vertrauten Produkten im Spiegel ihrer Markenbildung nachspürt. Und zwar mit einer Fülle von Exponaten. Dabei stellen die Spezialkollektionen mit 600 Objekten nur eine kleine Auswahl dar. Von den 80000 Plakaten der Sammlung diente knapp ein Drittel der Produkt- und Markenwerbung.
Ob Odol, Maggi oder Kaffee Hag – es ist wie mit guten alten Freunden: Du kennst ihre Geschichten und bist gerührt vom Wiedersehen. Etwa, wenn ein Emailleschild der Einmachgläserfirma Weck «Das Bürgschaftszeichen für unerreichte Güte» verspricht. Oder wenn ein Streichholz in einem Werbefilm von 1928 in Liebe zu seiner Muratti-Zigarettin entbrennt. Vielleicht stellt man sich beim deutschen Markenverband, dem Hauptsponsor der Schau, ja einmal die Frage, welche Gefühle die heutigen Werbemittel in 100 Jahren auslösen werden.
Richtig spannend wird es, sobald die bunten Bildchen mit der grossen Politik kollidieren. So lancierten beispielsweise national gesinnte Werbeleute 1915 eine «Verdeutschungskarte für das kaufmännische Werbewesen». Sie vollzog nach, was sich bei der Umbenennung populärer Zigarettenmarken bereits angekündigt hatte. Aus Manolis Marke «Dandy» war zu Beginn des ersten Weltkriegs «Dalli» geworden, und Garbáty hatte seinen «Duke of York» schon 1913 in «Graf Yorck von Wartenburg» umgetauft. Auch wenn der Weg damals vom Zauberberg direkt in den Schützengraben führte – bei der Verpackung blieb erst einmal alles beim Alten.
Strategien der Werbekunst 1850 – 1933Die Ausstellung in der Pei-Halle des Deutschen Historischen Museums in Berlin ist bis 29. August täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der dazu erschienene 368-seitige Katalog kostet 25 Euro und umfasst neben zum Teil exklusivem Bildmaterial und zehn hochkarätigen Essays auch Kurzbiografien der damaligen Repräsentanten von Werbekunst und Warenästhetik. (oc)
Auf Kollisionskurs: Kunst, Kommerz und Ideologie.
Oliver Classen

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