Fehler ja, Absicht nein

Privat-TV Hans Jürg Deutsch bestreitet verdeckte Finanzierung bei Ringier-TV, Nachlässigkeit schliesst er allerdings nicht ganz aus.

Privat-TV Hans Jürg Deutsch bestreitet verdeckte Finanzierung bei Ringier-TV, Nachlässigkeit schliesst er allerdings nicht ganz aus.Die Sendung «Gesundheit Sprechstunde» agiert bezüglich Sponsoring immer wieder in einer Grauzone, das sagt Hans Jürg Deutsch, Leiter Fernsehen Ringier, selbst: «Pharmageschichten sind diffizil, weil die Pharmaindustrie nicht unbeschränkt werben kann.» Deshalb habe der von Beobachter und «10vor10» lancierte Sturm von letzter Woche sogar etwas Positives: «Es ist gut, dass das Bundesamt für Kommunikation die Angelegenheit einmal genauer unter die Lupe nimmt.» Bisher aber habe das Bakom die mittlerweile neunjährige Sendung «Gesundheit Sprechstunde» noch nie beanstandet. Die Nachfragen ergaben, dass in den letzten eineinhalb Jahren selbst bei der Ombudsstelle für Presse-TV sowie bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) gegen die Sendung keine Beschwerden eingegangen sind.Bei den nun erhobenen Vorwürfen geht es im Wesentlichen um zwei Dinge: Ringier-TV beziehungsweise TV-Arzt Samuel Stutz hat Auftritte in Sendungen oder Produktenennungen gegen Bezahlung angeboten. Zudem sollen ganze Sendungen, Auftritte sowie Artikel in den Zeitschriften Gesundheit Sprechstunde und Schweizer Illustrierte teilweise verdeckt über ein Konto der Ärztevereinigung FMH finanziert worden sein. «10vor10» sprach gar von Geldwäscherei, weshalb Ringier nun eine Klage prüft. Fest steht: Das Bakom untersucht wegen möglicher Schleichwerbung sowie verbotener Werbung für nicht-rezeptfreie Medikamente.
Interessant ist, dass die Ringier-Konzernleitung offenbar schon vor Jahren gewisse Probleme um den freien Mitarbeiter Samuel Stutz diskutiert hat. Thema war einerseits der FMH-Pot, aber auch die mangelnde Transparenz, die sich aus mehreren Verträgen zwischen Stutz und diversen Ringier-Redaktionen ergab. Die Forderung nach einem Stutz-Koordinator soll gar zu heftigen Meinungsverschiedenheiten zwischen Zeitschriftenverlag und TV-Bereich geführt haben. Auf Anfrage bestätigt zumindest Emil Mahnig, einer der Miterbauer des Gesundheit-Sprechstunde-Medienverbundes, von solchen Differenzen gehört zu haben.
Erneute Diskussionen
Deutsch selbst bestreitet jegliche verdeckte Finanzierung. Das FMH-Konto sei mit dem Bakom abgesprochen. Aber man werde diese «Konstruktion» nun erneut diskutieren. Dass Auftritte oder Produktenennungen käuflich seien, schliesst er aus. Deutsch: «Man muss uns nachweisen, dass die Erwähnung eines bestimmten Produktes in der jeweiligen Sendung aus journalistischer Sicht nicht gerechtfertigt war.» Die Sendung «Puls» auf SF DRS habe viele Produkte früher oder später ebenfalls thematisiert.
Übertretungen von Sponsoringrichtlinien schliesst Deutsch zwar nicht aus, er spricht aber von «Unterlassungssünden, die bei Live-Sendungen vorkommen können», oder von «Nachlässigkeit». Nie aber habe man jemanden hinters Licht führen wollen. Er gibt auch zu, dass sich die Lungenliga mit einem Beitrag an die Produktionskosten «im Prinzip Öffentlichkeitsarbeit erkauft hat», doch habe er «bei dieser Selbsthilfeorganisation gar kein schlechtes Gewissen».
Weiter bestätigt Deutsch, dass Stutz Sponsoren akquiriert – und dafür als freier Mitarbeiter auch vergütet wird. «Aber Stutz unterschreibt weder Verträge noch Rechnungen. Das geht alles über meinen Tisch», hält er fest. Auch was in den Sendungen thematisiert werde, entscheide nicht Stutz, sondern die Redaktion. «Sie ist die absolute Firewall.» Er, Deutsch, sei bei jeder Sitzung dabei.
Stellt sich die Frage, ob auch andere von Ringier-TV produzierte Sendungen bei Presse-TV «Nachlässigkeiten» aufweisen? Etwa Konsum-TV oder Motorshow. Hans Jürg Deutsch winkt ab. Dort seien die Sponsoren klar deklariert und die Situation weniger heikel als bei Medikamenten, sagt er.
TV-Arzt Samuel Stutz ist mit seiner Sendung «Gesundheit Sprechstunde» unter Beschuss geraten.
Markus Knöpfli

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