Im Müll zu Hause
Umwelt Viznerborel lanciert für Recycling-Organisationen eine Kampagne gegen das sorglose Wegwerfen.
Umwelt Viznerborel lanciert für Recycling-Organisationen eine Kampagne gegen das sorglose Wegwerfen.«Ein ausländischer Besucher lässt ein Papierchen fallen – ein Schweizer hebt es auf und rennt ihm nach, weil er meint, der Besucher hätte etwas verloren.» Diesen Volkscharakter hat der Humorist Ephraim Kishon in der Schweiz feststellen wollen. Tatsächlich sind die ordentlichen Schweizer zum Beispiel «Weltmeister im Alu-Sammeln», wie wir in
einer früheren Kampagne der Igora-Genossenschaft für Aluminium-
Recycling gelobt wurden.
Das Buwal schreibt mindestens 75 Prozent Recycling vor. Die Recyclingquote bei Aludosen beträgt bereits 91 Prozent. Die fehlenden
9 Prozent bei 180 Millionen Dosen auf dem Markt bedeuten aber immer noch 16 Millionen Dosen, die nicht fachgerecht entsorgt werden. Bei einer Milliarde PET-Flaschen erreichen wir 72 Prozent Recyclingquote. Die fehlenden 28 Prozent machen 280 Millionen Einheiten aus, die irgendwo im Müll landen.
Oder noch schlimmer: Sie landen auf der Strasse. Littering heisst die elegante Umschreibung dieser zunehmenden Unsitte, Abfälle im öffentlichen Raum achtlos wegzuwerfen oder liegen zu lassen.
Laut einer breit angelegten Studie der Universität Basel landen
30 Prozent des vor Ort angefallenen Mülls auf dem Boden. «Es bedarf aber keiner Studie, um zu merken, welche Sauerei sich an den Seepromenaden, an öffentlichen Plätzen oder in Zügen abspielt», weiss Markus Tavernier, Geschäftsführer von Igora. Dosen, PET- und Glasflaschen, Tetra-Packungen, Take-away-Packungen, Flyers, Gratiszeitungen – alles wird kopflos auf den Boden geworfen.
Littering einmal etwas andersDiesem Gesellschaftstrend will nun die Zürcher Agentur Viznerborel mit einer nationalen Kampagne entgegentreten. Ohne Mahnfinger allerdings, dafür mit einer sehr überzeugenden Idee. «Wir zeigen Littering dort, wo es der Betrachter am wenigsten erwartet. Dort, wo er sich selbst am nächsten ist. Dort, wo er es nie tun würde. Bei sich zu Hause», erklären Lajos Vizner und Guillaume Borel das Konzept.
«Ich habe richtig Lust, den Abfall zu entsorgen.» Diese Reaktion war eine fast bei allen Probanden festgestellte Aussage, als die neue Kampagne im April von Publitest in einem repräsentativen Pretest auf ihre Wirkung untersucht wurde.
Alle Altersgruppen decodierten die Botschaft richtig. Sowohl auf der Spontanebene der Erinnerung wie im Wirkungsprofil hat die Kampagne bei einem Vergleich mit anderen Anzeigen in einem präparierten Magazin Facts am besten abgeschnitten und zum Teil noch bessere Auffallens-werte als die redaktionellen Artikel erreicht.
Alle Sujets der Kampagne funktionieren nach der gleichen Idee. Die Kampagne zeigt die private Insel des Individuums. Den Ort, wo niemand littern würde. Das Badezimmer oder das Kinderzimmer sind Orte der Hygiene oder schlicht der Geborgenheit. In der Kampagne wird diese Idylle gebrochen, indem die abgebildeten Räume mit Müll überhäuft sind. Ganz nach dem Motto: «Was im Wohnzimmer stört, stört auch im Park» oder «Was im Kinderzimmer stört, stört auch auf dem Spielplatz.»Die Headline schafft dazu die leicht verständliche Brücke zum öffentlichen Raum. «Was im Badezimmer stört, stört auch am See.» Der Betrachter muss sich auf diese Weise mit der Botschaft auseinander setzen. Alles was ihm bleibt, ist die selbstkritische Aussage: Stimmt. «Was im Auto stört, stört auch auf der Strasse» ist eine moderne Abwandlung der Volksweisheit «My car is my castle.»
Appell an SelbstverantwortungBei all diesen Sujets ist niemand zu sehen, dem man die Schuld zuschieben kann. «Ich muss mich in die Situation versetzen», will Viznerborel. Die Tatsache, dass die Visuals keine Protagonisten zeigen, spielt den Ball der Verantwortung an den Betrachter weiter. Die Verbindung mit der Privatsphäre schafft Betroffenheit, und der Betrachter kann die Verantwortung nicht abgeben.
Mit dem Auftritt starten Igora und PET-Recycling Schweiz PRS erstmals eine gemeinsame, langfristig angelegte Anti-Littering-Kampagne mit Werbung, PR und flankierenden Massnahmen «zur Schaffung von mehr Lebensqualität». Unter den achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln und Papier sind Getränkedosen und PET-Flaschen im Fokus, weil sie leicht identifizierbar sind. Langfristig sollen sich auch andere Abfallverursacher oder Entsorger an dieser Kampagne beteiligen. «Nicht um Kosten zu teilen, sondern um noch wirkungsvoller auftreten zu können», erklärt Markus Tavernier. Seine Igora und PET-Recycling Schweiz fahren weiterhin eine eigenständige Kommunikation zur Erhöhung der Recyclingquoten.
Die gemeinsame Kampagne soll das Land auf über 4000 Plakatstellen ansprechen. Dazu gibt es auch einen TV- und Kinospot. Dieser arbeitet mit den gleichen Sujets. Der Film ist unterlegt mit einem engelhaft unschuldigen Singen, das aber leicht falsch tönt. Diese Musik erhöht die Dramaturgie und soll auffallen im Umfeld der ansonsten viel geschliffener vertonten Spots.
Begleitet wird die Kampagne von verschiedenen Aktionen. An der Streetparade in Zürich werden 20 Promoteams für die Entsorgung Stimmung machen. Radio Energy will eine Live-Promotion auf der Strasse durchführen, wo die Jugendlichen aufgefordert werden, im Müll zu wühlen. In diesen Müllhaufen verbergen sich Sofortgewinne.
«Zurückbringen bringt’s», heisst der Claim bei allen diesen Aktivitäten. Für die Initianten soll die Anti-Littering-Kampagne breit abgestützt zu einem neuen nationalen Aufruf werden.
Noch immer landen 30 Prozent des vor Ort anfallenden Mülls auf dem Boden.
einer früheren Kampagne der Igora-Genossenschaft für Aluminium-
Recycling gelobt wurden.
Das Buwal schreibt mindestens 75 Prozent Recycling vor. Die Recyclingquote bei Aludosen beträgt bereits 91 Prozent. Die fehlenden
9 Prozent bei 180 Millionen Dosen auf dem Markt bedeuten aber immer noch 16 Millionen Dosen, die nicht fachgerecht entsorgt werden. Bei einer Milliarde PET-Flaschen erreichen wir 72 Prozent Recyclingquote. Die fehlenden 28 Prozent machen 280 Millionen Einheiten aus, die irgendwo im Müll landen.
Oder noch schlimmer: Sie landen auf der Strasse. Littering heisst die elegante Umschreibung dieser zunehmenden Unsitte, Abfälle im öffentlichen Raum achtlos wegzuwerfen oder liegen zu lassen.
Laut einer breit angelegten Studie der Universität Basel landen
30 Prozent des vor Ort angefallenen Mülls auf dem Boden. «Es bedarf aber keiner Studie, um zu merken, welche Sauerei sich an den Seepromenaden, an öffentlichen Plätzen oder in Zügen abspielt», weiss Markus Tavernier, Geschäftsführer von Igora. Dosen, PET- und Glasflaschen, Tetra-Packungen, Take-away-Packungen, Flyers, Gratiszeitungen – alles wird kopflos auf den Boden geworfen.
Littering einmal etwas andersDiesem Gesellschaftstrend will nun die Zürcher Agentur Viznerborel mit einer nationalen Kampagne entgegentreten. Ohne Mahnfinger allerdings, dafür mit einer sehr überzeugenden Idee. «Wir zeigen Littering dort, wo es der Betrachter am wenigsten erwartet. Dort, wo er sich selbst am nächsten ist. Dort, wo er es nie tun würde. Bei sich zu Hause», erklären Lajos Vizner und Guillaume Borel das Konzept.
«Ich habe richtig Lust, den Abfall zu entsorgen.» Diese Reaktion war eine fast bei allen Probanden festgestellte Aussage, als die neue Kampagne im April von Publitest in einem repräsentativen Pretest auf ihre Wirkung untersucht wurde.
Alle Altersgruppen decodierten die Botschaft richtig. Sowohl auf der Spontanebene der Erinnerung wie im Wirkungsprofil hat die Kampagne bei einem Vergleich mit anderen Anzeigen in einem präparierten Magazin Facts am besten abgeschnitten und zum Teil noch bessere Auffallens-werte als die redaktionellen Artikel erreicht.
Alle Sujets der Kampagne funktionieren nach der gleichen Idee. Die Kampagne zeigt die private Insel des Individuums. Den Ort, wo niemand littern würde. Das Badezimmer oder das Kinderzimmer sind Orte der Hygiene oder schlicht der Geborgenheit. In der Kampagne wird diese Idylle gebrochen, indem die abgebildeten Räume mit Müll überhäuft sind. Ganz nach dem Motto: «Was im Wohnzimmer stört, stört auch im Park» oder «Was im Kinderzimmer stört, stört auch auf dem Spielplatz.»Die Headline schafft dazu die leicht verständliche Brücke zum öffentlichen Raum. «Was im Badezimmer stört, stört auch am See.» Der Betrachter muss sich auf diese Weise mit der Botschaft auseinander setzen. Alles was ihm bleibt, ist die selbstkritische Aussage: Stimmt. «Was im Auto stört, stört auch auf der Strasse» ist eine moderne Abwandlung der Volksweisheit «My car is my castle.»
Appell an SelbstverantwortungBei all diesen Sujets ist niemand zu sehen, dem man die Schuld zuschieben kann. «Ich muss mich in die Situation versetzen», will Viznerborel. Die Tatsache, dass die Visuals keine Protagonisten zeigen, spielt den Ball der Verantwortung an den Betrachter weiter. Die Verbindung mit der Privatsphäre schafft Betroffenheit, und der Betrachter kann die Verantwortung nicht abgeben.
Mit dem Auftritt starten Igora und PET-Recycling Schweiz PRS erstmals eine gemeinsame, langfristig angelegte Anti-Littering-Kampagne mit Werbung, PR und flankierenden Massnahmen «zur Schaffung von mehr Lebensqualität». Unter den achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln und Papier sind Getränkedosen und PET-Flaschen im Fokus, weil sie leicht identifizierbar sind. Langfristig sollen sich auch andere Abfallverursacher oder Entsorger an dieser Kampagne beteiligen. «Nicht um Kosten zu teilen, sondern um noch wirkungsvoller auftreten zu können», erklärt Markus Tavernier. Seine Igora und PET-Recycling Schweiz fahren weiterhin eine eigenständige Kommunikation zur Erhöhung der Recyclingquoten.
Die gemeinsame Kampagne soll das Land auf über 4000 Plakatstellen ansprechen. Dazu gibt es auch einen TV- und Kinospot. Dieser arbeitet mit den gleichen Sujets. Der Film ist unterlegt mit einem engelhaft unschuldigen Singen, das aber leicht falsch tönt. Diese Musik erhöht die Dramaturgie und soll auffallen im Umfeld der ansonsten viel geschliffener vertonten Spots.
Begleitet wird die Kampagne von verschiedenen Aktionen. An der Streetparade in Zürich werden 20 Promoteams für die Entsorgung Stimmung machen. Radio Energy will eine Live-Promotion auf der Strasse durchführen, wo die Jugendlichen aufgefordert werden, im Müll zu wühlen. In diesen Müllhaufen verbergen sich Sofortgewinne.
«Zurückbringen bringt’s», heisst der Claim bei allen diesen Aktivitäten. Für die Initianten soll die Anti-Littering-Kampagne breit abgestützt zu einem neuen nationalen Aufruf werden.
Noch immer landen 30 Prozent des vor Ort anfallenden Mülls auf dem Boden.
Da bleibt Abfallsündern nur die selbstkritische Antwort: Stimmt!
Andreas Panzeri
