Neustart in den Web-Ruinen

Gebi Bischoff hat WebDirekt gegründet. Er ist überzeugt, dass das Internet erst vor seiner Blüte steht.

Gebi Bischoff hat WebDirekt gegründet. Er ist überzeugt, dass das Internet erst vor seiner Blüte steht.Nach dem Internet-Hype war der Markt sehr schwierig geworden. «Kunden wollten für Webauftritte nichts mehr bezahlen, weil sie am Internet zweifelten», erinnert sich Gebi Bischoff. Selbst wenn der Webspezialist der ersten Stunde in letzter Zeit vorschlug: «Mach einen Werbespot weniger, und du hast für das eingesparte Geld eine super Homepage», habe das Geschäft noch nicht funktioniert. «Die Preise waren im Keller.» Also suchte Gebi Bischoff nach einer Lösung, wie er sein Know-how trotzdem weiter an die Kunden bringen konnte. WebDirekt heisst jetzt seine Firma, mit der er massgeschneiderte Lösungen aus seinem Büro in Oberrieden mit professioneller, aber preisgünstiger Technik und Software aus Indien kombiniert.
Heute ist klar, dass jede Firma eine attraktive Homepage haben muss. «Nach einem Investitionsstau in den letzten drei Jahren zieht das Geschäft wieder an», ist Gebi Bischoff überzeugt. Er glaubt, dass er einen richtigen Moment für die Gründung seiner ersten eigenen Firma gewählt hat: «Viele alte Websites müssen den neuen Möglichkeiten angepasst werden.»
WebDirekt bietet Beratung für die Überarbeitung von Sites oder Neuauftritte an. Wie soll die Homepage strukturiert werden? Wie laufen die Kommunikationsmechanismen? Wie ist das Web eingebaut in die Gesamtkommunikation? Ist es nur ein Markenauftritt oder ein Unternehmensauftritt mit anderen Prioritäten, eine Visitenkarte für Kunden oder auch Information für die eigenen Mitarbeiter?
Mehr als 25 Jahre hat Gebi
Bischoff in grossen und kleinen, nationalen und internationalen Agenturen Erfahrungen rund um solche Fragen sammeln können. Bischoff machte den Werbeassistenten, wechselte zu Lintas und entwickelte sich vom Berater bis zum Account Director. Seine wichtigsten Stationen waren Publicis, Ogilvy und acht Jahre lang Zogg Kettiger Gasser.
Dort wurde der Werber Mitte der Neunzigerjahre immer mehr mit dem Internet konfrontiert. Die Kunden meinten, sie sollten auch über eine Homepage nachdenken. «Mich hat das immer mehr interessiert», erinnert sich der Autodidakt.
Bereits damals war für den heutigen Spezialisten klar: «Internet ist ein Medium und nicht eine technische Angelegenheit.» Zwar werden die Inhalte wie beim Fernsehen nur dank Technik übermittelt, entscheidend für den Erfolg sei aber bei beiden letztlich das Programm.
Zwei Schlüsselerlebnisse waren für Bischoff Mitsubishi und Mars, denen er erstmals die Möglichkeiten des Internets aufzeigen und verkaufen konnte. Bei beiden Jobs ging es bald darum: «Soll man für solche Aufgaben eine eigene Agentur gründen oder mit externen Spezialisten zusammenarbeiten?»
Zogg Kettiger Gasser hat sich für die Zusammenarbeit entschieden, und Bischoff konnte in der Folge alle Kontakte mit der Firma Update betreuen. Dort ist er nach drei Jahren in die Geschäftsleitung berufen worden. Diese Verantwortung hat er von August 2001 bis Januar 2004 wahrgenommen.
Inzwischen gibt es sehr viele Webagenturen und Hersteller von Technologien. Was kann WebDirekt mehr als andere bieten? Gebi Bischoff sieht einen Vorteil in seinem Background aus der Werbung. Er kennt sich aus in Markenführung und Markenpositionierung. Zur Kombination von Kommunikations- und Technologie-Know-how kommt als dritter Faktor der Preis.
Gebi Bischoff ist über einen gemeinsamen Kunden mit einer Agentur namens WebDirekt in Deutschland in Kontakt gekommen. Diese ist vor sieben Jahren von einem ausgewanderten Bündner gegründet worden und beschäftigt inzwischen zehn Leute. Mit der Kooperation unter gleichem Namen will Bischoff in der Schweiz den Aufbau eines Netzwerks vorantreiben. Seit ihren Anfängen hat WebDirekt eine Tochtergesellschaft in Indien mit 20 Softwareentwicklern.
Websites up to date halten, Kundenmanagement-Systeme konzipieren, Newsletter verfassen sowie Tools kreieren für Newsletter, Forum, Chat, Shop und digitale Formulare – das sind die wichtigsten Angebote von WebDirekt. Mit seiner neuen Firma will Gebi Bischoff in Sachen Wachstum «mehr Qualität als Quantität anstreben».
Zu dieser Philosophie passt es auch, dass sein Sohn mit der Rekrutenschule jetzt den ersten Schritt «ausser Haus» gemacht hat und seine Frau als Kleinkinderzieherin arbeitet. Das Risiko eines eigenen Geschäfts auch in einer heissen Branche werde unter diesen Umständen leichter tragbar, meint Bischoff.
Gebi Bischoff sieht die Chance von WebDirekt darin, dass «viele Websites den neuen Möglichkeiten angepasst werden müssen».
Andreas Panzeri

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