Zwei Partner für die Freie Presse

Tageszeitungen NZZ und PubliGroupe verbünden sich im Zürcher Regionalzeitungsmarkt. Für Tamedia wirds eng.

Tageszeitungen NZZ und PubliGroupe verbünden sich im Zürcher Regionalzeitungsmarkt. Für Tamedia wirds eng.Die NZZ-Gruppe bricht eine Lanze für die Zeitungsvielfalt im Millionen-Zürich. Als Beitrag zur Erhaltung der regionalen Presselandschaft preist sie den Coup, den sie mit der PubliGroupe gelandet hat: Der Lausanner Werbekonzern überträgt Minderheitsanteile von Akeret Druck und Verlag (Zürcher Unterländer) und Zürichsee Presse an die bisher hundertprozentige NZZ-Tochter Freie Presse Holding (FPH). Im Gegenzug wird die PubliGroupe an der FPH beteiligt und übernimmt die Anzeigenregie für die NZZ und die NZZ am Sonntag. Gemäss dem NZZ-Chefredaktor Hugo Bütler wird damit die Basis gelegt für eine Plattform, die regionalen Verlegern eine Zusammenarbeit auf selbstständiger Basis ermöglichen soll. Rund um die FPH soll ein Netzwerk entstehen, das verschiedene Kooperationen erlaubt: im Druck, in der Anzeigenregie, in einer Artikelbörse und mit oder ohne gegenseitige Beteiligung.
«Es ist klar, dass wir damit zu den regionalen Expansionsabsichten des Tages-Anzeigers eine Alternative offerieren», sagt Bütler. Die Übernahme des Tagi-Mantels durch die Zürcher Regionalblätter war bisher eine strategische Option für Tamedia. Nach dem Einstieg der NZZ-Gruppe bei Zürichsee Zeitung und Zürcher Unterländer bleiben noch der Landbote und der Zürcher Oberländer übrig. Auch das könnte sich noch ändern. «Wir geben jetzt ein Signal», so Bütler: Neben dem Tages-Anzeiger und der NZZ gebe es mit der FPH eine dritte Möglichkeit, «gemeinsam etwas aufzubauen».
Bei Tamedia gibt man sich gelassen. Konzernsprecherin Franziska Hügli versichert, ein Mantel-Vertrag sei nur eine der verschiedenen denkbaren Strategien. Im Vordergrund stehe die Weiterentwicklung des Tages-Anzeigers. Dabei reiche das Spektrum von Kooperationen bis zur Lancierung eigener Split-Ausgaben. Tagi-Verlagsleiterin Maili Wolf betont, ihre Zeitung könne «auch aus eigener Kraft wachsen». Der Auflagenschwund der vergangenen Jahre sei bereits gestoppt.
Die FPH wurde in den 70er-Jahren als Trägerschaft für das St. Galler Tagblatt gegründet, an dem die NZZ-Gruppe heute 70 Prozent hält. Neben diesem Aktienpaket sind auch die Beteiligungen am Berner Bund (40 Prozent) und am Tagblatt der Stadt Zürich (40 Prozent) hier angesiedelt. In absehbarer Zeit solle der Mehrheitsanteil an der LZ Medien AG ebenfalls in die FPH eingebracht werden, erklärt Hugo Bütler (siehe auch Seite 18). Wie gross der Anteil der PubliGroupe an der FPH werde, stehe erst fest, wenn die Due-Dilligence-Bewertung abgeschlossen sei. Die Mehrheit bleibe jedenfalls bei der NZZ-Gruppe.
Stefano Monachesi

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