«Gewohnt anders»
Möbelhandel «Come to Sweden» fordert Ikea die Kundschaft zum Launch des neuen Katalogs auf. Die Inserate, TV- und Radiospots sowie die schwedischen Pässe stellt Unikat her.
Möbelhandel «Come to Sweden» fordert Ikea die Kundschaft zum Launch des neuen Katalogs auf. Die Inserate, TV- und Radiospots sowie
die schwedischen Pässe stellt Unikat her.
Länder sind als Promotionsplattformen besonders im Food-Handel beliebt. Auch wenn sich diese zeitweiligen Aktionen meist auf ein erweitertes und günstigeres Sortiment und ein paar Kochrezepte beschränken, sind sie wegen der persönlicheren Ansprache bei den Konsumenten wie beim Verkaufspersonal geschätzt.Ikeas Einrichtungshäuser haben auch Food-Abteilungen. Viel mehr als diese schaffen hier die Möbel und vor allem die gelebte Geschäftsphilosophie den Bezug zum Herkunftsland. Bei der Sympathie der Schweizer für das skandinavische Land setzt denn auch die Kampagne zum Start des neuen Katalogs an: Hat sich Ikea zum letzt-jährigen «30-Jahre Ikea Schweiz»-Jubiläum für das langjährige Gastrecht mit einem originellen Spot und mehreren Preispromotionen bedankt, so setzt man dem heuer noch eins drauf.
Einladung nach Schweden
Zum neuen Geschäftsjahr, das im September mit der Einführung des neuen Katalogs startet, lädt das Unternehmen die Schweizer Bevölkerung nach Schweden ein. «Hierbei handelt es sich um eine nationale Kampagne, die wir einsetzen, um der Marke Ikea zum Jahresbeginn zusätzliches Momentum zu geben», präzisiert Carlos Friedrich, Marketingleiter bei Ikea.
Damit soll der neue Ikea-Katalog und die Schaltung in 20 Minuten die Passaktion bekannt machen. Das wichtigste Werbemittel des Einrichters dürfte so auch die fehlende halbe Million Haushalte auf sich aufmerksam machen. Mit der schwierigen Aufgabe haben Carlos Friedrich und Werbeleiter Beat Fingerhuth die Zürcher Agentur Unikum betraut, der eine schräge Umsetzung gelungen ist.
3,2 Millionen fingierte Pässe
Brav dem Ikea-Leitbild folgend – «Warum Andersdenken vieles möglich macht» –, entwickelte das Kreativ-Team die erleichterte
Einbürgerung für Schweizer und Schweizerinnen, mit der über
3,2 Millionen fingierte Schwedenpässe für die Promotionszeit aus-
gestellt werden. Ihren Weg zu den neuen Staatsbürgern finden sie mittels Beilagen, Zeitungsbeikleber, Ikea-Family-Mailings und Katalogen. Zwar wurde auf biometrische Angaben grosszügig verzichtet. Dafür enthält der Pass die Teilnahme an Wettbewerben, Schwedenschnäppchen sowie Informationen über Aktionen und Events, die in den sechs schwedischen Enklaven stattfinden, erklärt CD Daniel Meier. Zusammen mit Berater Jan Maurer und Texter Christoph Hess hat er parallel zu den Pässen weitere Werbemittel kreiert. «Den grotesk-amüsanten TV-Spot haben wir selbstverständlich in Schweden gedreht», so Meier launig. Darin durchstreift eine Familie mit ihrem Möbeleinkauf idyllische
Naturlandschaften und tritt, durch eine eigenartige elektrische Schiebetüre, ins «Freie» – auf den Ikea-Parkplatz in der Schweiz. Demnach sollen die Märkte in Spreitenbach, Dietlikon, Pratteln, Lyssach, Aubonne und Grancia diesen Lifestyle pur vermitteln. Nebst Radiospots werden vor
allem die zahlreichen POS-Massnahmen dazu beitragen. Täglich wird die Kundschaft aus schwedischer Optik an ein anderes Einrichtungsthema herangeführt.
Unübliche Werbeideen
So findet sich im Passeintrag vom 6. September eine spassige Erklärung für die Affinität der Schweden zur Dekoration: «Bei uns Schweden hatten die Frauen schon die Hosen an, als die Männer noch in Wikingerschiffen die Meere unsicher machten. Und weils draussen meist kalt zu und her ging, haben sie sich vor allem aufs gemütliche Einrichten des Zuhauses spezialisiert.»
Zudem sollen originelle Wettbewerbe die erhöhten Besucherfrequenzen in gesteigerte Umsatzvolumina verwandeln. Allen, die am Thementag Familie & Kind eine Doppelbett-Matratze kaufen und sieben bis 13 Monate später Nachwuchs kriegen, schenkt Ikea das Kinderbett dazu. Ob auch das eine schwedische Tradition oder ein typischer Ikea-Gag ist? Tatsache ist, dass Ikeas Erfolg nicht nur auf tiefen Lager- und Transportkosten, dem kniffligen Selberbauen und der Preisausrichtung des Designs beruht. Die unüblichen Werbe-ideen dürften ihren Anteil am Umsatzwachstum (in weniger als acht Jahren auf über 550 Millionen Franken verdoppelt) haben. Dieser Andersartigkeit will die Kampagne im neuen Claim Rechnung tragen: ‹Gewohnt anders› soll als Klammer über die unterschiedlichsten Werbeaktivitäten hinweg den Ikea-Spirit intern wie extern verstärken.
Eine Oase für die schlaflose GesellschaftAusgerüstet mit einer internationalen Isopublic-Studie widmet sich der neue Ikea-Katalog dem Hauptthema Schlafen. Länderübergreifend schläft eine Person durchschnittlich 7 Stunden und 6 Minuten, jüngere und Frauen länger, ältere und Männer weniger. 36% kommen heute zu weniger Schlaf als vor fünf Jahren. Doch wird das Schlafzimmer deswegen nicht weniger genutzt: Zu den anderen Zwecken zählen Lesen/Lernen (50%), Romantik (47%), Entspannung tagsüber (43%) und Unterhaltung wie TV und Musik (40%).
Die Kategorie «Romantik» spielt eine wichtige Rolle. Während in Island 72% im Schlafzimmer intim werden, sind es in China nur 20%. Typisch für Schweizer Schlafzimmer sind Latexmatratzen und Accessoires, aber nicht zu bunt, schliesslich würden wir dieses Zimmer als persönliche Oase und Insel der Romantik wahrnehmen, so die Studie. (la)
Der in Schweden gedrehte, grotesk-amüsante Ikea-TV-Spot soll schwedischen Lifestyle pur vermitteln.
Luca Aloisi
die schwedischen Pässe stellt Unikat her.
Länder sind als Promotionsplattformen besonders im Food-Handel beliebt. Auch wenn sich diese zeitweiligen Aktionen meist auf ein erweitertes und günstigeres Sortiment und ein paar Kochrezepte beschränken, sind sie wegen der persönlicheren Ansprache bei den Konsumenten wie beim Verkaufspersonal geschätzt.Ikeas Einrichtungshäuser haben auch Food-Abteilungen. Viel mehr als diese schaffen hier die Möbel und vor allem die gelebte Geschäftsphilosophie den Bezug zum Herkunftsland. Bei der Sympathie der Schweizer für das skandinavische Land setzt denn auch die Kampagne zum Start des neuen Katalogs an: Hat sich Ikea zum letzt-jährigen «30-Jahre Ikea Schweiz»-Jubiläum für das langjährige Gastrecht mit einem originellen Spot und mehreren Preispromotionen bedankt, so setzt man dem heuer noch eins drauf.
Einladung nach Schweden
Zum neuen Geschäftsjahr, das im September mit der Einführung des neuen Katalogs startet, lädt das Unternehmen die Schweizer Bevölkerung nach Schweden ein. «Hierbei handelt es sich um eine nationale Kampagne, die wir einsetzen, um der Marke Ikea zum Jahresbeginn zusätzliches Momentum zu geben», präzisiert Carlos Friedrich, Marketingleiter bei Ikea.
Damit soll der neue Ikea-Katalog und die Schaltung in 20 Minuten die Passaktion bekannt machen. Das wichtigste Werbemittel des Einrichters dürfte so auch die fehlende halbe Million Haushalte auf sich aufmerksam machen. Mit der schwierigen Aufgabe haben Carlos Friedrich und Werbeleiter Beat Fingerhuth die Zürcher Agentur Unikum betraut, der eine schräge Umsetzung gelungen ist.
3,2 Millionen fingierte Pässe
Brav dem Ikea-Leitbild folgend – «Warum Andersdenken vieles möglich macht» –, entwickelte das Kreativ-Team die erleichterte
Einbürgerung für Schweizer und Schweizerinnen, mit der über
3,2 Millionen fingierte Schwedenpässe für die Promotionszeit aus-
gestellt werden. Ihren Weg zu den neuen Staatsbürgern finden sie mittels Beilagen, Zeitungsbeikleber, Ikea-Family-Mailings und Katalogen. Zwar wurde auf biometrische Angaben grosszügig verzichtet. Dafür enthält der Pass die Teilnahme an Wettbewerben, Schwedenschnäppchen sowie Informationen über Aktionen und Events, die in den sechs schwedischen Enklaven stattfinden, erklärt CD Daniel Meier. Zusammen mit Berater Jan Maurer und Texter Christoph Hess hat er parallel zu den Pässen weitere Werbemittel kreiert. «Den grotesk-amüsanten TV-Spot haben wir selbstverständlich in Schweden gedreht», so Meier launig. Darin durchstreift eine Familie mit ihrem Möbeleinkauf idyllische
Naturlandschaften und tritt, durch eine eigenartige elektrische Schiebetüre, ins «Freie» – auf den Ikea-Parkplatz in der Schweiz. Demnach sollen die Märkte in Spreitenbach, Dietlikon, Pratteln, Lyssach, Aubonne und Grancia diesen Lifestyle pur vermitteln. Nebst Radiospots werden vor
allem die zahlreichen POS-Massnahmen dazu beitragen. Täglich wird die Kundschaft aus schwedischer Optik an ein anderes Einrichtungsthema herangeführt.
Unübliche Werbeideen
So findet sich im Passeintrag vom 6. September eine spassige Erklärung für die Affinität der Schweden zur Dekoration: «Bei uns Schweden hatten die Frauen schon die Hosen an, als die Männer noch in Wikingerschiffen die Meere unsicher machten. Und weils draussen meist kalt zu und her ging, haben sie sich vor allem aufs gemütliche Einrichten des Zuhauses spezialisiert.»
Zudem sollen originelle Wettbewerbe die erhöhten Besucherfrequenzen in gesteigerte Umsatzvolumina verwandeln. Allen, die am Thementag Familie & Kind eine Doppelbett-Matratze kaufen und sieben bis 13 Monate später Nachwuchs kriegen, schenkt Ikea das Kinderbett dazu. Ob auch das eine schwedische Tradition oder ein typischer Ikea-Gag ist? Tatsache ist, dass Ikeas Erfolg nicht nur auf tiefen Lager- und Transportkosten, dem kniffligen Selberbauen und der Preisausrichtung des Designs beruht. Die unüblichen Werbe-ideen dürften ihren Anteil am Umsatzwachstum (in weniger als acht Jahren auf über 550 Millionen Franken verdoppelt) haben. Dieser Andersartigkeit will die Kampagne im neuen Claim Rechnung tragen: ‹Gewohnt anders› soll als Klammer über die unterschiedlichsten Werbeaktivitäten hinweg den Ikea-Spirit intern wie extern verstärken.
Eine Oase für die schlaflose GesellschaftAusgerüstet mit einer internationalen Isopublic-Studie widmet sich der neue Ikea-Katalog dem Hauptthema Schlafen. Länderübergreifend schläft eine Person durchschnittlich 7 Stunden und 6 Minuten, jüngere und Frauen länger, ältere und Männer weniger. 36% kommen heute zu weniger Schlaf als vor fünf Jahren. Doch wird das Schlafzimmer deswegen nicht weniger genutzt: Zu den anderen Zwecken zählen Lesen/Lernen (50%), Romantik (47%), Entspannung tagsüber (43%) und Unterhaltung wie TV und Musik (40%).
Die Kategorie «Romantik» spielt eine wichtige Rolle. Während in Island 72% im Schlafzimmer intim werden, sind es in China nur 20%. Typisch für Schweizer Schlafzimmer sind Latexmatratzen und Accessoires, aber nicht zu bunt, schliesslich würden wir dieses Zimmer als persönliche Oase und Insel der Romantik wahrnehmen, so die Studie. (la)
Der in Schweden gedrehte, grotesk-amüsante Ikea-TV-Spot soll schwedischen Lifestyle pur vermitteln.
Luca Aloisi
