Absatz-Strategen unter der Lupe

Studie Die wichtigsten Kompetenzen erwerben Marketingleute durch die Praxis. Ein Abschluss ist der Karriere dennoch förderlich.

Studie Die wichtigsten Kompetenzen erwerben Marketingleute durch die Praxis. Ein Abschluss ist der Karriere dennoch förderlich.Marketing- und Verkaufsspezialisten müssen heute vor allem kommunikationsfähig sein und in der Lage, auf die Kundenbedürfnisse einzugehen. Dies zeigt eine Studie der Privaten Hochschule Wirtschaft (PHW) in Zürich, die ihr Hauptaugenmerk auf aktuelle und zukünftige Qualifikationsanforderungen im Marketing richtet. In Kooperation mit Swiss Marketing (SMC) befragte die PHW Marketing- und Verkaufsfachleute aus 511 Schweizer Unternehmen. Weitere Themen der Untersuchung waren Karriere und Löhne.Unterscheidet man zwischen Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz, dann sind die Sozialkompetenzen am wichtigsten. Diese werden zu grossen Teilen in der Praxis erworben. Wer in Zukunft im Marketing oder im Verkauf bestehen will, muss vermehrt über Fremdsprachenkenntnisse und Flexibilität bei neuen Anforderungen verfügen. Eigentliche Schlüsselqualifikationen sind auch Ideenreichtum und Kreativität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit. Als wichtigste Fachkompetenz betrachten die Befragten die Erstellung von Marketingstrategien.
Auf allen HierarchiestufenKnapp die Hälfte der Befragten arbeitet innerhalb des Unternehmens hauptsächlich in Marketing oder Verkauf. Über 30 Prozent sind primär in der Geschäftsleitung tätig und beschäftigen sich parallel dazu mit Marketing- und Verkaufsaktivitäten. Dies ist insbesondere in kleineren und mittleren Unternehmen zu beobachten. Dort sind es vor allem Generalisten, die Marketing betreiben. In grösseren Firmen finden sich hingegen eher Spezialisten. Je grösser ein Unternehmen ist, umso grösser ist der Anteil an Fachleuten, die sich ausschliesslich mit Marketing und Verkauf beschäftigen. 93 Prozent der Befragten sind voll beschäftigt. Marketing- und Verkaufsfachleute sind auf allen Hierarchiestufen anzutreffen, und bei 61 Prozent der Schweizer Unternehmen sitzt ein Marketingvertreter in der Geschäftsleitung.
Insgesamt besitzen 70 Prozent aller Befragten einen Abschluss im Bereich Marketing oder Verkauf.
Jene 30 Prozent ohne Abschluss steigen um zwei Jahre später ins Marketing ein. Das heisst, dass die fehlende fachspezifische Ausbildung durch mehr Erfahrung substituiert werden kann. Diese Personen sind eher in KMU anzutreffen und verdienen jährlich rund 20000 Franken weniger als ihre Kollegen mit Fachausbildung.
Am häufigsten nachgefragt wird die Ausbildung zum Marketingplaner. Jede fünfte der befragten Marketing- und Verkaufspersonen besitzt diesen Abschluss. Mehr als die Hälfte davon verfügt über eine weitere spezifische Fachausbildung, insbesondere über den Marketing- oder den Verkaufsleiter.
KarriereeffektDer Marketingplaner ist die Basisausbildung im Marketingbereich schlechthin. Trotz der hohen Verbreitung lohnt es sich, sie zu erwerben: 41 Prozent der ausgebildeten Marketingplaner nehmen eine leitende Position ein. Unter den Spezialisten ohne diese Ausbildung sind es nur 26 Prozent. Beim Marketingleiter verstärkt sich dieser «Karriereeffekt»: Personen mit diesem Abschluss sind zu 77 Prozent in einer leitenden Position innerhalb des Marketings. Dasselbe Bild bei den Verkaufsleitern, wo 57 Prozent der Personen mit Abschluss eine leitende Position einnehmen, aber nur 26 Prozent der Personen ohne Abschluss. Allerdings ist nicht für jede Stelle im Marketing oder im Verkauf eine spezifische Ausbildung erforderlich. 58 Prozent der Befragten gaben an, beim Stellenantritt sei keiner der erwähnten Abschlüsse verlangt worden.
Tatsächlich werden Marketingausbildungen gewöhnlich erst absolviert, nachdem man bereits im Marketing tätig ist. Personen ohne Universitätsabschluss treten im Schnitt mit 21 Jahren ins Berufsleben und mit 25 Jahren ins Marketing ein. Sie schliessen eine all-fällige Marketingausbildung mit 33 Jahren ab. Universitätsabsolventen treten im Schnitt mit 26 Jahren ins Berufsleben ein und sind mit 29 Jahren im Marketing tätig, also noch vor Abschluss ihres Studiums mit 30 Jahren. Weiter zeigt sich, dass das Einstiegsalter ins Marketing über die Jahre kontinuierlich sank. So sind die über 60-Jährigen mit 28 Jahren und die 30-Jährigen mit 23 Jahren ins Marketing eingestiegen. Zirka ein Drittel der Marketing- und Verkaufsfachleute absolvierte eine kaufmännische Lehre, und 21 Prozent besitzen einen technischen Hintergrund. Während Erstere mit 24 Jahren ins Marketing eintreten, erfolgt dieser Schritt bei Letzteren erst mit 28 Jahren. Der spätere Einstieg steht diesen Personen in ihrer Karriere nicht im Weg. Es kann ganz allgemein gesagt werden, dass Personen, die spät ins Marketing einstiegen, im höheren Kader beziehungsweise in der Geschäftsleitung übervertreten sind.
Grosse zahlen mehrDer durchschnittliche Jahresbruttolohn von Marketingfachleuten beträgt rund 152000 Franken. 36 Prozent der Befragten verdienen mehr als 140000 Franken. Universitätsabsolventen sind mit 190000 Franken im Durchschnitt am besten bezahlt, gefolgt von Absolventen der Diplomstufe mit 177000 Franken und den Fachhochschulabgängern mit 157000 Franken.
Mit der Firmengrösse steigt auch der Lohn: Kleinunternehmen (fünf bis neun Mitarbeitende) zahlen im Schnitt 105000 Franken, Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden 168000 Franken.
Porträt eines Berufs

Die Studie «Marketing und Verkauf: Qualifikationen – Karriere – Löhne» zeichnet zum ersten Mal ein abgerundetes Bild dieses Berufsfeldes. Sie wurde von der Privaten Hochschule Wirtschaft (Zürich) in Zusammenarbeit mit Swiss Marketing erstellt und vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie unterstützt.
Die Autoren sind Cedric El-Idrissi und Jürg H. Arpagaus.
Die vollständigen Ergebnisse werden in einem 32-seitigen Bericht zusammengefasst. Er ist für 25 Franken bei der Media-Daten AG (dem Verlag der Werbewoche) erhältlich. Bestelladresse: Springer Schweiz, Sabine Iseli, Bahnhofstrasse 24, 8803 Rüschlikon. E-Mail: [email protected]
Sorgt für Transparenz im Arbeitsmarkt für Marketingberufe: Die Private Hochschule Wirtschaft, Zürich.
Unentbehrlich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Marketing: Die erste repräsentative Erhebung über einen Berufsstand.
> Cedric El-Idrissi ist Soziologe und Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Privaten Hochschule Wirtschaft (PHW).

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