Die Stunde des Verlegers
Lokalfernsehen Mit dem Einstieg von Edipresse wird auch in der Westschweiz ein Verlag zum Rückgrat und Motor der TV-Szene.
Lokalfernsehen Mit dem Einstieg von Edipresse wird auch in der Westschweiz ein Verlag zum Rückgrat und Motor der TV-Szene.«In der Romandie ist die Zeit reif für eine Konsolidierung des TV-Marktes. Dazu braucht es aber neue Akteure. Wir wollen einer von ihnen sein.» Mit diesen Worten erklärt Tibère Adler, CEO von Edipresse Schweiz, weshalb sein Unternehmen gerade jetzt in den Westschweizer TV-Markt einsteigt. Zudem, so Adler, biete das TV-Engagement für Edipresse einen neuen Zugang zu demselben Publikum, das der Konzern bisher mit seinen Zeitungen und Zeitschriften bedient habe.Edipresse hielt lange nur einen Zeh in diesen Markt – der Konzern ist mit knapp zwei Prozent am Genfer Léman Bleu beteiligt. Nun aber setzt Edipresse gleich zwei Füsse hinein. Zum einen verstärkt das Haus sein Engagement bei den Sendern. So ist vorgesehen, dass Edipresse den Anteil an Léman Bleu (350000 potenzielle Zuschauer) im Juni auf 22 Prozent aufstockt – via Kapitalerhöhung. Noch gewichtiger steigt der Medienkonzern aber bei Vaud TV ein, dem Fusionsprodukt der drei Waadtländer Lokal-sender TV RL in Lausanne, Canal Nord Vaudois (CNV) in Yverdon und Ici TV in Vevey (insgesamt etwa 500000 potenzielle Zuschauer).
Gemäss einer von den vier Parteien unterzeichneten Absichtserklärung werden Edipresse und TV RL je 35 Prozent an der zu gründenden Vaud TV SA halten, CNV und Ici TV bekommen je 15 Prozent.
Beteiligungen bei weiteren Westschweizer Sendern sind zwar nicht ausgeschlossen, bisher hätten aber noch keine Gespräche stattgefunden. «In den nächsten zwei Jahren konzentrieren wir uns zuerst einmal auf die beiden wichtigsten Gebiete der Westschweiz. Da haben wir genug Arbeit», sagt Christophe Rasch, der bei Edipresse mit der Leitung des Bereichs TV beauftragt worden ist.
Edipresse’ zweiter Fuss ist die Vermarktung von TV-Werbung. Der Konzern gründet dazu die Tochter Ecran Pub SA, an der er 90 Prozent und das Management 10 Prozent halten werden. Als CEO steht Bertrand Froidevaux fest, der heutige kommerzielle Leiter von Ici TV. Écran Pub steht unter zeitlichem Druck, denn sie übernimmt bereits ab 1. Mai von der Lausanner TV-Agentur Force Promotion (FP, siehe Kasten), die Ende April die TV-Vermarktung aufgibt, deren Regieverträge mit TV RL, CNV und Léman Bleu. Zusätzlich wird Ecran Pub auch Ici TV vermarkten, und bereits steht die Agentur als Exklusivvermarkter des Fusionsproduktes Vaud TV fest.
BewährungsprobeOb noch weitere Westschweizer Sender unter Vertrag genommen werden, ist offen. «Wir werden mit verschiedenen Stationen sprechen», sagt Rasch. Eine erste Bewährungsprobe steht für Ecran Pub allerdings bereits bevor: Der Vertrag, den Léman Bleu mit FP hatte, läuft Ende Jahr aus (siehe WW 4/05). Der Genfer Sender hatte ihn fristgerecht gekündigt, weil er mit den Konditionen unzufrieden war. Nicht nur Edipresse, auch Radiotele bewarb sich deshalb um die Gunst der Genfer.
Da Edipresse nun seine Beteiligung am Sender erhöht, liegt es nahe, dass Ecran Pub als Vermarkter zum Zug kommen wird. Voraussichtlich für die nächsten drei Jahre. «Das war eine Bedingung von uns», sagt Tibère Adler. Antoni Mayer, seit letztem Juni VR-Präsident von Léman Bleu, hingegen präzisiert: «Die Edipresse-Beteiligung verpflichtet uns zu nichts. Unsere Zusage für drei Jahre ist provisorisch und gilt nur, wenn ein neuer Vertrag ausgehandelt wird. Den bisherigen Regie-Vertrag mit FP wollen wir auf keinen Fall weiterführen.» Bis Ende März werde nun verhandelt. Komme kein befriedigendes Ergebnis zu Stande, werde er es mit einer
anderen Agentur versuchen, beispielsweise mit Radiotele, sagt Antoni Mayer.
«Keine Goldgrube»Wie viel Edipresse in sein gesamtes TV-Engagement investieren wird, möchte Rasch nicht sagen. Fest stehe einzig, dass das Aktienkapital der Trägerschaft von Vaud TV «mehrere Millionen» betragen müsse. Und für den Betrieb würden dann jährlich auch mindestens fünf Millionen Franken benötigt. «Mit weniger funktioniert es nicht», sagt er.
Bei der Werbeakquisition wird sich Ecran Pub sowohl der lokalen als auch der regionalen und nationalen Werbung annehmen. Heute setzen die drei Waadtländer Stationen ingesamt rund 2,2 Millionen Franken um (inklusive Sponsoring). «Dies lässt sich innert zwei bis drei Jahren verdoppeln», prophezeit Tibère Adler: «In der Westschweiz ist das Werbepotenzial noch nicht ausgeschöpft.» Er denkt an Programmverbesserungen, an den Austausch von Sendungen und an neue Werbeformen.
«Das Business ist zwar nicht gerade eine Goldgrube, aber es lässt sich mit Bestimmtheit profitabel betreiben», sagt Adler. Dem Synergiepotenzial zwischen eigener Presse und TV misst der CEO hingegen wenig Bedeutung bei. «Das darf man nicht überschätzen», meint er.
Modell für Westschweizer TV-Combi gesuchtBei Radiotele ist man vom Edipresse-Einstieg ins Westschweizer TV-Business nicht überrascht. «Wir mussten früher oder später mit einem Verleger rechnen», sagt Radiotele-Chef Bruno Oetterli. Er hoffe nun auf neuen Schub für die TV-Szene. Und er will nun klären, wie es mit dem RomandieNewsCombi (RNC) weitergehen soll (WW 4/05). Die Diskussion darüber war wegen der unsicheren Situation von FP blockiert.
Christophe Rasch seinerseits steht dem RNC eher skeptisch gegenüber. «Der Tarif ist zu tief. Das lohnt sich für Radiotele, nicht aber für die Sender», sagt er. Er wolle deshalb zusammen mit Radiotele nach einem anderen Kooperationsmodell suchen, das statt mit Telecontrol- mit den Umfragedaten des Marktforschungsinstitutes MIS Trend auskomme. «Diese sind für die Romandie repräsentativer», sagt Rasch. (mk)
Schon länger müde Mit Force Promotion (FP) steht es seit längerem nicht zum Besten. Dass das Engagement erlahmte, ist selbst auf der Homepage zu sehen: Noch immer sind dort die Tarife 2004 publiziert, die Zuschauerdaten stammen gar von 2002. Der einzige Verwaltungsrat
Daniel Berset war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Doch steht fest, dass er ursprünglich die Absicht hatte, FP als Ganzes – und nicht bloss die Aktiven – zu verkaufen.
Entsprechende Anfragen hatte er sowohl an Edipresse als auch an Radiotele gerichtet. Beide winkten aber ab. Wenn FP nun Ende April seine Segel streicht, wird Ecran Pub vielleicht einige Mitarbeiter übernehmen. Berset hingegen steigt aus dem Business aus. (mk)
Bei Léman Bleu steigt Edipresse mit 22 Prozent ein, bei den drei Waadtländer Sendern von Vaud TV mit 35 Prozent.
Markus Knöpfli
Gemäss einer von den vier Parteien unterzeichneten Absichtserklärung werden Edipresse und TV RL je 35 Prozent an der zu gründenden Vaud TV SA halten, CNV und Ici TV bekommen je 15 Prozent.
Beteiligungen bei weiteren Westschweizer Sendern sind zwar nicht ausgeschlossen, bisher hätten aber noch keine Gespräche stattgefunden. «In den nächsten zwei Jahren konzentrieren wir uns zuerst einmal auf die beiden wichtigsten Gebiete der Westschweiz. Da haben wir genug Arbeit», sagt Christophe Rasch, der bei Edipresse mit der Leitung des Bereichs TV beauftragt worden ist.
Edipresse’ zweiter Fuss ist die Vermarktung von TV-Werbung. Der Konzern gründet dazu die Tochter Ecran Pub SA, an der er 90 Prozent und das Management 10 Prozent halten werden. Als CEO steht Bertrand Froidevaux fest, der heutige kommerzielle Leiter von Ici TV. Écran Pub steht unter zeitlichem Druck, denn sie übernimmt bereits ab 1. Mai von der Lausanner TV-Agentur Force Promotion (FP, siehe Kasten), die Ende April die TV-Vermarktung aufgibt, deren Regieverträge mit TV RL, CNV und Léman Bleu. Zusätzlich wird Ecran Pub auch Ici TV vermarkten, und bereits steht die Agentur als Exklusivvermarkter des Fusionsproduktes Vaud TV fest.
BewährungsprobeOb noch weitere Westschweizer Sender unter Vertrag genommen werden, ist offen. «Wir werden mit verschiedenen Stationen sprechen», sagt Rasch. Eine erste Bewährungsprobe steht für Ecran Pub allerdings bereits bevor: Der Vertrag, den Léman Bleu mit FP hatte, läuft Ende Jahr aus (siehe WW 4/05). Der Genfer Sender hatte ihn fristgerecht gekündigt, weil er mit den Konditionen unzufrieden war. Nicht nur Edipresse, auch Radiotele bewarb sich deshalb um die Gunst der Genfer.
Da Edipresse nun seine Beteiligung am Sender erhöht, liegt es nahe, dass Ecran Pub als Vermarkter zum Zug kommen wird. Voraussichtlich für die nächsten drei Jahre. «Das war eine Bedingung von uns», sagt Tibère Adler. Antoni Mayer, seit letztem Juni VR-Präsident von Léman Bleu, hingegen präzisiert: «Die Edipresse-Beteiligung verpflichtet uns zu nichts. Unsere Zusage für drei Jahre ist provisorisch und gilt nur, wenn ein neuer Vertrag ausgehandelt wird. Den bisherigen Regie-Vertrag mit FP wollen wir auf keinen Fall weiterführen.» Bis Ende März werde nun verhandelt. Komme kein befriedigendes Ergebnis zu Stande, werde er es mit einer
anderen Agentur versuchen, beispielsweise mit Radiotele, sagt Antoni Mayer.
«Keine Goldgrube»Wie viel Edipresse in sein gesamtes TV-Engagement investieren wird, möchte Rasch nicht sagen. Fest stehe einzig, dass das Aktienkapital der Trägerschaft von Vaud TV «mehrere Millionen» betragen müsse. Und für den Betrieb würden dann jährlich auch mindestens fünf Millionen Franken benötigt. «Mit weniger funktioniert es nicht», sagt er.
Bei der Werbeakquisition wird sich Ecran Pub sowohl der lokalen als auch der regionalen und nationalen Werbung annehmen. Heute setzen die drei Waadtländer Stationen ingesamt rund 2,2 Millionen Franken um (inklusive Sponsoring). «Dies lässt sich innert zwei bis drei Jahren verdoppeln», prophezeit Tibère Adler: «In der Westschweiz ist das Werbepotenzial noch nicht ausgeschöpft.» Er denkt an Programmverbesserungen, an den Austausch von Sendungen und an neue Werbeformen.
«Das Business ist zwar nicht gerade eine Goldgrube, aber es lässt sich mit Bestimmtheit profitabel betreiben», sagt Adler. Dem Synergiepotenzial zwischen eigener Presse und TV misst der CEO hingegen wenig Bedeutung bei. «Das darf man nicht überschätzen», meint er.
Modell für Westschweizer TV-Combi gesuchtBei Radiotele ist man vom Edipresse-Einstieg ins Westschweizer TV-Business nicht überrascht. «Wir mussten früher oder später mit einem Verleger rechnen», sagt Radiotele-Chef Bruno Oetterli. Er hoffe nun auf neuen Schub für die TV-Szene. Und er will nun klären, wie es mit dem RomandieNewsCombi (RNC) weitergehen soll (WW 4/05). Die Diskussion darüber war wegen der unsicheren Situation von FP blockiert.
Christophe Rasch seinerseits steht dem RNC eher skeptisch gegenüber. «Der Tarif ist zu tief. Das lohnt sich für Radiotele, nicht aber für die Sender», sagt er. Er wolle deshalb zusammen mit Radiotele nach einem anderen Kooperationsmodell suchen, das statt mit Telecontrol- mit den Umfragedaten des Marktforschungsinstitutes MIS Trend auskomme. «Diese sind für die Romandie repräsentativer», sagt Rasch. (mk)
Schon länger müde Mit Force Promotion (FP) steht es seit längerem nicht zum Besten. Dass das Engagement erlahmte, ist selbst auf der Homepage zu sehen: Noch immer sind dort die Tarife 2004 publiziert, die Zuschauerdaten stammen gar von 2002. Der einzige Verwaltungsrat
Daniel Berset war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Doch steht fest, dass er ursprünglich die Absicht hatte, FP als Ganzes – und nicht bloss die Aktiven – zu verkaufen.
Entsprechende Anfragen hatte er sowohl an Edipresse als auch an Radiotele gerichtet. Beide winkten aber ab. Wenn FP nun Ende April seine Segel streicht, wird Ecran Pub vielleicht einige Mitarbeiter übernehmen. Berset hingegen steigt aus dem Business aus. (mk)
Bei Léman Bleu steigt Edipresse mit 22 Prozent ein, bei den drei Waadtländer Sendern von Vaud TV mit 35 Prozent.
Markus Knöpfli
