Vergabe in Tranchen
Submission Ein neues Modell für den amtlichen Anzeiger Region Bern: Anzeigenregie, Prepress, Druck und Vertrieb könnten an verschiedeneFirmen vergeben werden.
Submission Ein neues Modell für den amtlichen Anzeiger Region Bern: Anzeigenregie, Prepress, Druck und Vertrieb könnten an verschiedeneFirmen vergeben werden.
Der Konzentrationsprozess unter den (Gross-)Verlagen hat auch Konsequenzen für die öffentliche Hand: Für grössere Verlagsaufträge wie die Publikation von amtlichen Anzeigern lassen sich kaum mehr Konkurrenzofferten einholen. Die Situation des Anzeigers Region Bern (ARB), des amtlichen Organs der Stadt Bern und 14 umliegender Gemeinden, zeigt dies: Bei der letzten Ausschreibung vor fünf Jahren boten noch Bund Verlag AG (BVA) sowie Espace Media um die Wette, wobei schliesslich die BVA den Zuschlag erhielt. Seit aber Espace Media zu 40 Prozent bei der BVA beteiligt ist, den Bund bald selbst druckt und die Bund-Druckmaschinen verkauft, wäre eine Ausschreibung wie vor fünf Jahren sinnlos.Dennoch fand im Dezember und Januar eine Submission statt, bei welcher der Verein Region Bern (VRB), eine Herausgebergemeinschaft der Stadt Bern und der 14 Gemeinden, aber einen neuen Weg beschritt, der für diese Situation modellhaft werden könnte. «Wir delegieren die Publikation von amtlichen Mitteilungen nicht mehr einem Generalunternehmen, sondern vergeben vier Teillose und behalten die Verlegerverantwortung bei uns», erklärt VRB-Geschäftsführerin Isabelle Meyer. Konkret gelangen Anzeigenverwaltung, Prepress, Druck und Spedition/Versand zur Ausschreibung. Es durfte auch ein Gesamtpaket offeriert werden. Im Klartext: Künftig könnten sich bis zu vier je eigenständige Firmen um den ARB kümmern. Die nötige Klammerfunktion übernimmt ein Productmanager im Mandat, ein solcher ist aber gemäss Meyer noch nicht bestimmt.
Während die BVA und Espace Media seinerzeit eine jährliche Konzessionsabgabe bieten mussten, geht es diesmal um die besten Preis-Leistungs-Angebote. So darf die Anzeigenregie 20 Prozent des Bruttoertrags nicht übersteigen. Beim Vertrieb müssen die Stadtexemplare schon am Abend des Erscheinungstages in den Briefkästen sein. Für die Regie ist ein Vierjahresvertrag vorgesehen, die Verträge bei den übrigen Bereichen dauern zwei Jahre.
Gemäss Ausschreibungsunterlagen bleibt der ARB im Wesentlichen, wie er ist: Weder am Erscheinungsbild noch am Zeitungsformat wird gerüttelt, wie bisher wird er nur zu 40 Prozent vierfarbig sein, die Auflage beträgt 140000 Exemplare. Neu wird jedoch ab 2006 nur noch eine Gesamtausgabe vorgesehen, die mittwochs und freitags erscheint, die Aufteilung in drei Stadt- und zwei Regiosplits fällt dahin. «Damit entsprechen wir dem politischen Willen der beteiligten Gemeinden, die zu einer einzigen Region zusammenwachsen möchten», sagt Isabelle Meyer. Gewisse Umsatzeinbussen nehme man in Kauf, doch diese würden klein bleiben. Meyer: «Die Gesamtausgabe liegt auch bei den Anzeigenkunden im Trend.»
Der VRB geht gemäss Unterlagen von jährlich etwa 1400 Anzeigenseiten aus. Zum Vergleich: Letztes Jahr kam die Stadtausgabe auf 1576 Seiten (plus 2,5 Prozent), die Ausgabe Region auf 1809 Seiten (plus 0,6 Prozent), im 2001 wies der ARB in der Stadt 2682 Seiten und in der Region 2049 Seiten aus. Der Nettoumsatz des ARB (inklusive Beilagen) sank von 13 Millionen Franken im Jahr 2001 auf rund 9 Millionen Franken im 2004.
Noch ist der Vergabeentscheid nicht gefällt. Wie viele Firmen Offerten eingereicht haben, will Meyer nicht sagen. Fest steht, dass die BVA – also NZZ, Espace Media und PubliGroupe zusammen – für zwei Teilbereiche offeriert hat. Die BVA ist punkto ARB ein gebranntes Kind: Wegen des Anzeigenschwunds und der relativ hohen, aber selbst gebotenen Abgabe von 3,7 Millionen Franken pro Jahr hat ihr der Anzeiger in den letzten Jahren hohe Defizite beschert.
Das Vertragsmodell des Anzeigers ändert, und die Splits fallen weg.
Markus Knöpfli
Der Konzentrationsprozess unter den (Gross-)Verlagen hat auch Konsequenzen für die öffentliche Hand: Für grössere Verlagsaufträge wie die Publikation von amtlichen Anzeigern lassen sich kaum mehr Konkurrenzofferten einholen. Die Situation des Anzeigers Region Bern (ARB), des amtlichen Organs der Stadt Bern und 14 umliegender Gemeinden, zeigt dies: Bei der letzten Ausschreibung vor fünf Jahren boten noch Bund Verlag AG (BVA) sowie Espace Media um die Wette, wobei schliesslich die BVA den Zuschlag erhielt. Seit aber Espace Media zu 40 Prozent bei der BVA beteiligt ist, den Bund bald selbst druckt und die Bund-Druckmaschinen verkauft, wäre eine Ausschreibung wie vor fünf Jahren sinnlos.Dennoch fand im Dezember und Januar eine Submission statt, bei welcher der Verein Region Bern (VRB), eine Herausgebergemeinschaft der Stadt Bern und der 14 Gemeinden, aber einen neuen Weg beschritt, der für diese Situation modellhaft werden könnte. «Wir delegieren die Publikation von amtlichen Mitteilungen nicht mehr einem Generalunternehmen, sondern vergeben vier Teillose und behalten die Verlegerverantwortung bei uns», erklärt VRB-Geschäftsführerin Isabelle Meyer. Konkret gelangen Anzeigenverwaltung, Prepress, Druck und Spedition/Versand zur Ausschreibung. Es durfte auch ein Gesamtpaket offeriert werden. Im Klartext: Künftig könnten sich bis zu vier je eigenständige Firmen um den ARB kümmern. Die nötige Klammerfunktion übernimmt ein Productmanager im Mandat, ein solcher ist aber gemäss Meyer noch nicht bestimmt.
Während die BVA und Espace Media seinerzeit eine jährliche Konzessionsabgabe bieten mussten, geht es diesmal um die besten Preis-Leistungs-Angebote. So darf die Anzeigenregie 20 Prozent des Bruttoertrags nicht übersteigen. Beim Vertrieb müssen die Stadtexemplare schon am Abend des Erscheinungstages in den Briefkästen sein. Für die Regie ist ein Vierjahresvertrag vorgesehen, die Verträge bei den übrigen Bereichen dauern zwei Jahre.
Gemäss Ausschreibungsunterlagen bleibt der ARB im Wesentlichen, wie er ist: Weder am Erscheinungsbild noch am Zeitungsformat wird gerüttelt, wie bisher wird er nur zu 40 Prozent vierfarbig sein, die Auflage beträgt 140000 Exemplare. Neu wird jedoch ab 2006 nur noch eine Gesamtausgabe vorgesehen, die mittwochs und freitags erscheint, die Aufteilung in drei Stadt- und zwei Regiosplits fällt dahin. «Damit entsprechen wir dem politischen Willen der beteiligten Gemeinden, die zu einer einzigen Region zusammenwachsen möchten», sagt Isabelle Meyer. Gewisse Umsatzeinbussen nehme man in Kauf, doch diese würden klein bleiben. Meyer: «Die Gesamtausgabe liegt auch bei den Anzeigenkunden im Trend.»
Der VRB geht gemäss Unterlagen von jährlich etwa 1400 Anzeigenseiten aus. Zum Vergleich: Letztes Jahr kam die Stadtausgabe auf 1576 Seiten (plus 2,5 Prozent), die Ausgabe Region auf 1809 Seiten (plus 0,6 Prozent), im 2001 wies der ARB in der Stadt 2682 Seiten und in der Region 2049 Seiten aus. Der Nettoumsatz des ARB (inklusive Beilagen) sank von 13 Millionen Franken im Jahr 2001 auf rund 9 Millionen Franken im 2004.
Noch ist der Vergabeentscheid nicht gefällt. Wie viele Firmen Offerten eingereicht haben, will Meyer nicht sagen. Fest steht, dass die BVA – also NZZ, Espace Media und PubliGroupe zusammen – für zwei Teilbereiche offeriert hat. Die BVA ist punkto ARB ein gebranntes Kind: Wegen des Anzeigenschwunds und der relativ hohen, aber selbst gebotenen Abgabe von 3,7 Millionen Franken pro Jahr hat ihr der Anzeiger in den letzten Jahren hohe Defizite beschert.
Das Vertragsmodell des Anzeigers ändert, und die Splits fallen weg.
Markus Knöpfli
