Analoge Konkurrenz
Gastkommentar Die Glotze entwickelt sich vom sequenziellen zum interaktiven Medium – und damit zum universalen Werbeplatz, weiss Stephan Howeg.
Gastkommentar Die Glotze entwickelt sich vom sequenziellen zum interaktiven Medium – und damit zum universalen Werbeplatz, weiss Stephan Howeg.
Herr und Frau Schweizer sehen täglich etwa 150 Minuten fern. Quantitativ wird sich daran in den kommenden Jahren kaum etwas ändern. Qualitativ hingegen sind epochale Neuerungen im Gang. Gemeint sind damit nicht die audiovisuellen Inhalte oder Formate selbst, sondern der Umgang der Zuschauer mit dem existierenden TV-Angebot.Heute ist Fernsehen noch ein sequenzielles Medium und deshalb ineffizient: Wenn man die «Tagesschau» sehen möchte, aber schon der Abendfilm läuft, kann man heute nichts tun als warten. Denn die «Tagsschau» wird erst später auf SF info nochmals «ausgeliefert». Im Gegensatz dazu sind die gewünschten Internetinhalte immer verfügbar. Nun, fast immer. Und wenn einem eine Site nicht gefällt, googelt man sich eine andere. Diese Dauerverfügbarkeit der Inhalte übernimmt das Fernsehen schrittweise vom Internet. Anders gesagt: Statt sich nach der Uhr und Fernsehzeitschrift zu richten, ruft der Zuschauer das ab, was ihn interessiert – wann und wo er will.
Die zunehmende Verschmelzung der Vorzüge von Computer und TV bedeutet das Ende des Programmdiktats. Mit einem digitalen Videorecorder wird das Auffinden, Aufzeichnen, Abspielen und Archivieren des individuellen Fernsehmenüs zum Kinderspiel. Die Zuschauer müssen nicht mehr auf «Lüthi & Blanc» warten, sie rufen einfach die letzte Folge ab oder zeichnen alle kommenden Folgen per Knopfdruck auf.
Möglich werden solche Anwendungen durch gezielte Investitionen ins Fernsehkabel: Es übermittelt heute nicht mehr nur TV-Signale, sondern fungiert als Multimediaschnittstelle für Fernsehen und Radio, Breitband-Internet und Telefonie. Dieses «Triple Play» pflegt Cablecom in der Schweiz schon lange. Mit so grossem Erfolg, dass die ehemalige Monopolistin Swisscom derzeit versucht, das Rezept zu übernehmen. So hat sie seit längerer Zeit Tests am Laufen, Fernsehen über den herkömmlichen Telefondraht zu transportieren. Offenbar wenig erfolgreich, da man jüngst entschieden hat, auf das bewährte Fernsehkabel zurückzugreifen. Und dies mit Hilfe eines analogen Aufzeichnungsgeräts, während die wirklichen Innovationen im digitalen Bereich geschehen.
Auch für die Werbung stellen sich in Zukunft neue Herausforderungen. Das Fernsehen ist bald schon nicht mehr jenes Massenmedium, über das kommerzielle Botschaften das breite Publikum erreichen: Mit den neuen Technologien ist es sehr simpel, die Spots in Aufzeichnungen zu überspringen. Umgekehrt bietet das digitale Fernsehen der Werbeindustrie aber auch neue Chancen. Die Zuschauerin greift in das Geschehen ein, holt sich zusätzliche Informationen oder bucht die Traumschiff-Passage gleich am Bildschirm. Mit anderen Worten: Beim digitalen Fernseherlebnis wird der gesamte Sendeinhalt zum potenziellen Werbeplatz. Wenn das keine Perspektive ist.
> Stephan Howeg ist Leiter Unternehmenskommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung von Cablecom.
Herr und Frau Schweizer sehen täglich etwa 150 Minuten fern. Quantitativ wird sich daran in den kommenden Jahren kaum etwas ändern. Qualitativ hingegen sind epochale Neuerungen im Gang. Gemeint sind damit nicht die audiovisuellen Inhalte oder Formate selbst, sondern der Umgang der Zuschauer mit dem existierenden TV-Angebot.Heute ist Fernsehen noch ein sequenzielles Medium und deshalb ineffizient: Wenn man die «Tagesschau» sehen möchte, aber schon der Abendfilm läuft, kann man heute nichts tun als warten. Denn die «Tagsschau» wird erst später auf SF info nochmals «ausgeliefert». Im Gegensatz dazu sind die gewünschten Internetinhalte immer verfügbar. Nun, fast immer. Und wenn einem eine Site nicht gefällt, googelt man sich eine andere. Diese Dauerverfügbarkeit der Inhalte übernimmt das Fernsehen schrittweise vom Internet. Anders gesagt: Statt sich nach der Uhr und Fernsehzeitschrift zu richten, ruft der Zuschauer das ab, was ihn interessiert – wann und wo er will.
Die zunehmende Verschmelzung der Vorzüge von Computer und TV bedeutet das Ende des Programmdiktats. Mit einem digitalen Videorecorder wird das Auffinden, Aufzeichnen, Abspielen und Archivieren des individuellen Fernsehmenüs zum Kinderspiel. Die Zuschauer müssen nicht mehr auf «Lüthi & Blanc» warten, sie rufen einfach die letzte Folge ab oder zeichnen alle kommenden Folgen per Knopfdruck auf.
Möglich werden solche Anwendungen durch gezielte Investitionen ins Fernsehkabel: Es übermittelt heute nicht mehr nur TV-Signale, sondern fungiert als Multimediaschnittstelle für Fernsehen und Radio, Breitband-Internet und Telefonie. Dieses «Triple Play» pflegt Cablecom in der Schweiz schon lange. Mit so grossem Erfolg, dass die ehemalige Monopolistin Swisscom derzeit versucht, das Rezept zu übernehmen. So hat sie seit längerer Zeit Tests am Laufen, Fernsehen über den herkömmlichen Telefondraht zu transportieren. Offenbar wenig erfolgreich, da man jüngst entschieden hat, auf das bewährte Fernsehkabel zurückzugreifen. Und dies mit Hilfe eines analogen Aufzeichnungsgeräts, während die wirklichen Innovationen im digitalen Bereich geschehen.
Auch für die Werbung stellen sich in Zukunft neue Herausforderungen. Das Fernsehen ist bald schon nicht mehr jenes Massenmedium, über das kommerzielle Botschaften das breite Publikum erreichen: Mit den neuen Technologien ist es sehr simpel, die Spots in Aufzeichnungen zu überspringen. Umgekehrt bietet das digitale Fernsehen der Werbeindustrie aber auch neue Chancen. Die Zuschauerin greift in das Geschehen ein, holt sich zusätzliche Informationen oder bucht die Traumschiff-Passage gleich am Bildschirm. Mit anderen Worten: Beim digitalen Fernseherlebnis wird der gesamte Sendeinhalt zum potenziellen Werbeplatz. Wenn das keine Perspektive ist.
> Stephan Howeg ist Leiter Unternehmenskommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung von Cablecom.
