Gut genagelt, ADC
Awards Der deutsche ADC jurierte strenger und zeichnete nur noch «real existierende Qualität» aus.
Awards Der deutsche ADC jurierte strenger und zeichnete nur noch «real existierende Qualität» aus.
Auf die diesjährige ADC-Jury wartete viel Arbeit: Über 7000 Arbeiten – ein neuer Rekord – harrten ihres Urteils. Und das fiel zumeist klar härter aus. In jeder der 36 Kategorien gingen die 208 Juroren äusserst knauserig mit ihren Punkten um und kürten rund 25 Prozent weniger Gewinner als vergangenes Jahr. Offenbar steigen mit zunehmender kreativer Qualität auch die Erwartungen – 2004 schoss die deutsche Werbung im internationalen Kreativ-Ranking des Gunn-Report auf Platz vier. Jury-Chairman Fred Baader liess sich von der Erfolgsbilanz nicht beeindrucken und forderte «nicht nur Qualität, sondern real existierende Qualität». Damit wollte er den Gold-Ideen, die rein für die Award-Show kreiert werden, einen Riegel schieben.
Abräumer Springer & Jacoby
Mit Erfolg, wie die Liste der Edelmetallgewinner zeigt. Kein einziges Tattoo- oder Piercing-Studio, keine unbekannte Kneipe und ebenso
wenig findet sich ein Haarstudio darunter. Im Gegenteil: Die zehn Goldnägel gingen an Marken und Institutionen, die zum grössten Teil über die Landesgrenzen bekannt sind. Gleich alle fünf Goldnägel erhielt Springer & Jacoby in der Lieblingsdisziplin der deutschen Werber – die Automobilbranche – für zwei Mercedes-Benz und eine Smart-Kampagne. Damit schaffte S & J ein Comeback auf den ersten Platz der Top Ten, das ihr viele wegen des heiklen Generationenwechsels in der Führung nicht zutrauten. Wahre grafische Augenweiden setzten die Kreativen in der Strichkampagne «Von A nach B» für die G-Klasse um sowie im TV- und Kinospot «Sound des Sommers» für Cabriolets. Darin gleitet der Zuschauer durch Landschaften und Geräusche, die von oszillierenden Strichbalken, einem Equalizer gleich, geformt werden. Bei diesem Streifen waren sich Jury und Publikum einig, dass ihm weitere Medaillen an internationalen Wettbewerben sicher sind.
Eine Goldauszeichnung gab es auch für den Kinospot «Für Jungs, die damals schon Männer waren» von DDB Berlin, die Aufsteigeragentur des Jahres. Der Streifen, eine Testosteron-strotzende Hommage an den schnellen Arbeiter-Ferrari – VW Golf GTI –, wurde vom Publikum geradezu bejubelt. Auf das höchste Treppchen stieg auch die unkonventionelle und von der Berliner Agentur Heimat stammende TV-Spot-Reihe «Blixa Bargeld liest Hornbach» für die Baumarktkette, die auch gleich als «Auftraggeber des Jahres» ausgezeichnet wurde.
Erfolg für Jung von Matt
Jung von Matt blieb zwar der Goldnagel verwehrt. Dank den vielen Silberarbeiten wurde sie trotzdem zweiterfolgreichste Agentur am ADC. So zum Beispiel mit den Kinospots für den Energydrink K-fee, in denen schreiende Monster die Zuschauer aus der romantischen Bildstimmung reissen. Ebenso zu den schönsten, aber nur lokal einsetzbaren JvM-Arbeiten darf das Plakat für die Reisebürokette Tui gezählt werden, das die Berliner U-Bahn-Station «Unter den Linden» während der kalten Jahreszeit in «Unter den Palmen» umtaufte. Bei den Plakaten holte Scholz & Friends – erneut auf Platz vier – seinen einzigen Goldnagel für das erstklassige Motiv «Kent Nagano dirigiert Wagner» für das Festspielhaus Baden-Baden.
Kaum kühne Konzepte
Mutige und aussergewöhnliche Konzepte seien in der Kategorie Kommunikation im Raum/Events zwar nicht häufig gewesen. Trotzdem zeichnete die Jury gleich zwei temporäre Arbeiten mit Gold aus: eine Kunst- und Spendenaktion für eine minenfreie Welt, die Heine Lenz Zizka für die Hilfsorganisation Medico International mit einem virtuellen Minenfeld inszeniert hat sowie die Media-Installation und -Ausstellung «Illumination:Evolution» vom Naturmuseum Senckenberg, die das Atelier Markgraph konzipiert und medien- und publikumsstark umgesetzt hat.
Als allgemeinen Trend stellte Fred Baader fest, dass «die bei Kreativwettbewerben gern eingesetzte ‹brasilianische Kryptik› – der Hang zur reinen Visualität – im Codier- und Decodierstil nun ganz eindeutig zurückgegangen ist». Stattdessen waren erzählerische Formate, viel Gefühl und Humor im Aufwind.
Gold Plakate: Scholz & Friends für das Festspielhaus Baden-Baden.
Gold Kommunikation im Raum: «Minenfeld» von Heine Lenz Zizka für Medico International e. V.
Anzeigen Gold: Mercedes-Benz G-Klasse, «Von A nach B», von Springer & Jaoby.
Gold TV-Spots: «Blixa Bargeld liest Hornbach», von Heimat, Berlin, für Hornbach Baumarkt AG.
Gold TV- und Kinospots: «Sound des Sommers», Mercedes-Benz Cabriolets, von Springer & Jacoby.
Gold Kinospot: Volkswagen Golf GTI, «Für Jungs, die damals schon Männer waren», von DDB Berlin.
Luca Aloisi
Auf die diesjährige ADC-Jury wartete viel Arbeit: Über 7000 Arbeiten – ein neuer Rekord – harrten ihres Urteils. Und das fiel zumeist klar härter aus. In jeder der 36 Kategorien gingen die 208 Juroren äusserst knauserig mit ihren Punkten um und kürten rund 25 Prozent weniger Gewinner als vergangenes Jahr. Offenbar steigen mit zunehmender kreativer Qualität auch die Erwartungen – 2004 schoss die deutsche Werbung im internationalen Kreativ-Ranking des Gunn-Report auf Platz vier. Jury-Chairman Fred Baader liess sich von der Erfolgsbilanz nicht beeindrucken und forderte «nicht nur Qualität, sondern real existierende Qualität». Damit wollte er den Gold-Ideen, die rein für die Award-Show kreiert werden, einen Riegel schieben.
Abräumer Springer & Jacoby
Mit Erfolg, wie die Liste der Edelmetallgewinner zeigt. Kein einziges Tattoo- oder Piercing-Studio, keine unbekannte Kneipe und ebenso
wenig findet sich ein Haarstudio darunter. Im Gegenteil: Die zehn Goldnägel gingen an Marken und Institutionen, die zum grössten Teil über die Landesgrenzen bekannt sind. Gleich alle fünf Goldnägel erhielt Springer & Jacoby in der Lieblingsdisziplin der deutschen Werber – die Automobilbranche – für zwei Mercedes-Benz und eine Smart-Kampagne. Damit schaffte S & J ein Comeback auf den ersten Platz der Top Ten, das ihr viele wegen des heiklen Generationenwechsels in der Führung nicht zutrauten. Wahre grafische Augenweiden setzten die Kreativen in der Strichkampagne «Von A nach B» für die G-Klasse um sowie im TV- und Kinospot «Sound des Sommers» für Cabriolets. Darin gleitet der Zuschauer durch Landschaften und Geräusche, die von oszillierenden Strichbalken, einem Equalizer gleich, geformt werden. Bei diesem Streifen waren sich Jury und Publikum einig, dass ihm weitere Medaillen an internationalen Wettbewerben sicher sind.
Eine Goldauszeichnung gab es auch für den Kinospot «Für Jungs, die damals schon Männer waren» von DDB Berlin, die Aufsteigeragentur des Jahres. Der Streifen, eine Testosteron-strotzende Hommage an den schnellen Arbeiter-Ferrari – VW Golf GTI –, wurde vom Publikum geradezu bejubelt. Auf das höchste Treppchen stieg auch die unkonventionelle und von der Berliner Agentur Heimat stammende TV-Spot-Reihe «Blixa Bargeld liest Hornbach» für die Baumarktkette, die auch gleich als «Auftraggeber des Jahres» ausgezeichnet wurde.
Erfolg für Jung von Matt
Jung von Matt blieb zwar der Goldnagel verwehrt. Dank den vielen Silberarbeiten wurde sie trotzdem zweiterfolgreichste Agentur am ADC. So zum Beispiel mit den Kinospots für den Energydrink K-fee, in denen schreiende Monster die Zuschauer aus der romantischen Bildstimmung reissen. Ebenso zu den schönsten, aber nur lokal einsetzbaren JvM-Arbeiten darf das Plakat für die Reisebürokette Tui gezählt werden, das die Berliner U-Bahn-Station «Unter den Linden» während der kalten Jahreszeit in «Unter den Palmen» umtaufte. Bei den Plakaten holte Scholz & Friends – erneut auf Platz vier – seinen einzigen Goldnagel für das erstklassige Motiv «Kent Nagano dirigiert Wagner» für das Festspielhaus Baden-Baden.
Kaum kühne Konzepte
Mutige und aussergewöhnliche Konzepte seien in der Kategorie Kommunikation im Raum/Events zwar nicht häufig gewesen. Trotzdem zeichnete die Jury gleich zwei temporäre Arbeiten mit Gold aus: eine Kunst- und Spendenaktion für eine minenfreie Welt, die Heine Lenz Zizka für die Hilfsorganisation Medico International mit einem virtuellen Minenfeld inszeniert hat sowie die Media-Installation und -Ausstellung «Illumination:Evolution» vom Naturmuseum Senckenberg, die das Atelier Markgraph konzipiert und medien- und publikumsstark umgesetzt hat.
Als allgemeinen Trend stellte Fred Baader fest, dass «die bei Kreativwettbewerben gern eingesetzte ‹brasilianische Kryptik› – der Hang zur reinen Visualität – im Codier- und Decodierstil nun ganz eindeutig zurückgegangen ist». Stattdessen waren erzählerische Formate, viel Gefühl und Humor im Aufwind.
Gold Plakate: Scholz & Friends für das Festspielhaus Baden-Baden.
Gold Kommunikation im Raum: «Minenfeld» von Heine Lenz Zizka für Medico International e. V.
Anzeigen Gold: Mercedes-Benz G-Klasse, «Von A nach B», von Springer & Jaoby.
Gold TV-Spots: «Blixa Bargeld liest Hornbach», von Heimat, Berlin, für Hornbach Baumarkt AG.
Gold TV- und Kinospots: «Sound des Sommers», Mercedes-Benz Cabriolets, von Springer & Jacoby.
Gold Kinospot: Volkswagen Golf GTI, «Für Jungs, die damals schon Männer waren», von DDB Berlin.
Luca Aloisi
