Auffallen um jeden Preis

Veredelung verleiht Druckereien das notwendige Plus, um sich aus der grauen Masse hervorzuheben.

Veredelung verleiht Druckereien das notwendige Plus, um sich aus der grauen Masse hervorzuheben.Veredelte Drucke fallen auf. Dazu muss man nicht unbedingt das Budget überziehen – Veredelung gibts für den kleinen und den grossen Preis. Deshalb ist es nützlich, das riesige Veredelungsrepertoire der Druckindustrie zu kennen, um Printbuyer bestens zu beraten und mit den richtigen Dienstleistern zusammenzuarbeiten. Leider nutzen noch immer zu wenige Werbeagenturen die unerschöpflichen Veredelungsmöglichkeiten; sie versäumen es, sich ihrerseits von den Spezialisten beraten zu lassen, und verzichten damit auf eine wichtige Inspirationsquelle (siehe Kasten «Gute Gründe fürs Veredeln»).Inline oder offline?
Der Trend geht eindeutig zu höher veredelten Drucksachen. Vor allem die Bogenoffsetmaschinen werden mit immer mehr Zusatzaggregaten zur kostengünstigen Inline-Veredelung ausgestattet. Die ersparen zwar weitere Arbeitsgänge, stellen aber oft auch einen Kompromiss an die Qualität dar.
Schon zu Beginn der Drucksachenplanung müssen die Würfel fallen, welche Bedruckstoffe mit welchen Materialien veredelt werden und ob dies inline (in der Bogenoffsetmaschine) oder offline (mittels separater Maschine) ablaufen soll. Dabei geht es auch um die zu erreichende Qualität, etwa wenn ein besonders hoher Glanz mit Lackier- oder Siebdruckmaschinen erzielt werden muss. Separate Systeme sind ebenfalls nötig, wenn steife Materialien für Faltschachteln oder Displays gestanzt werden müssen.
Im Druck flexibler Verpackungen mit Flexo- und Tiefdruckmaschinen sind Veredelungsschritte technologisch notwendig, ohne kreativen Hintergrund. So werden beispielsweise bedruckte Kartonbahnen inline mit Aluminiumfolie zu Verbunden für Getränkekartons (Tetrapak) kombiniert.
Lackieren ist die Nummer eins
Die häufigste Veredelungsart ist das Lackieren. Ein Inline-Dispersionslackwerk gehört mittlerweile fast zur Standardausstattung neuer Bogenoffsetmaschinen mit vier oder mehr Druckeinheiten – auch unter dem Aspekt der Verkürzung der Jobdurchlaufzeit. Laut einer Marktstudie von MAN Roland werden knapp 75 Prozent aller Faltschachteln und knapp 60 Prozent aller Etiketten inline lackiert. Im Akzidenz- und Magazindruck kommen partielle (Spotlackierungen) und vollflächige Lackierungen bei Werbedrucksachen und Umschlägen gleichermassen oft zum Einsatz.
Im Trend liegt auch das Auftragen UV-härtender Lacke. Sie haben den Vorteil, dass inline bis zu 8 µm dicke Lackschichten und offline noch höhere Schichtdicken erzeugt werden können, wodurch der Glanz besonders hoch ist und weshalb dieses Verfahren eine echte Alternative zum Laminieren darstellt.
Rechts: Lentikularfolien sorgen für sich bewegende Botschaften bzw. den so genannten Wackeleffekt.
Unten: Die Werbemittel der Druckmaschinenhersteller sind nicht selten aufwändig veredelt – und damit gute Anschauungsbeispiele.
Kartonhersteller Iggesund fällt immer wieder mit veredelten Umschlägen auf.
Hauchdünne Prägehologramme werden zum Fälschungsschutz auf moderne Geldscheine übertragen.
Software-Verpackungen weisen u. a. durch Hologrammfolienstreifen ihre Authentizität nach.
Ob Metalleffekte oder Prägungen: Faltschachteln bieten ein breites Veredelungsspektrum.
Gute Gründe fürs VeredelnAuffallen: Werbewirksamkeit.
Aufwerten: Image und Marke.
Schutz: Lack und Laminate verhindern Verkratzen/Verwischen des Druckbildes und erhöhen Lebensdauer des Druckprodukts.
Convenience: Lack und Laminate verbessern Gleitvermögen, Klebstoffe ermöglichen Gebrauchszweck von Etiketten/Stickern/Wertmarken, Rillungen/Perforationen erleichtern Durchblättern/Aufreissen/ Wiederverschliessen, applizierte RFID-Transponder ermöglichen Tracking/Logistik/Diebstahlschutz von Waren.
Fälschungssicherheit: Prägungen/Lackreliefs/Hologramme erschweren Nachahmung. (dk)
Veredelungsarten auf einen BlickApplizieren
Folientransfer*: Fensterkaschieren (Hinterkleben von gestanzten Fenstern mit klartransparenter Folie), Übertragen von Effektfolien (Prägehologramme, Hologrammfolien, Lentikularfolien) oft auch im Heissprägeverfahren.
Aufkleben: Beikleben von Werbedrucksachen (Postkarten, Booklets), Beikleben von Gegenständen (CDs, Warenproben, Modeschmuck, Accessoires für Fun-Cards, Merchandising-Objekte aktueller Hollywood-Filme, Einsteckhüllen in Mappen), Aufspenden von Markierungen (Etiketten, Siegel, Magnetstreifen, RFID-Transponder, Chips).
Beflocken: mit Glitter, Fäden, Sand etc.
Beschichten
Vollflächen- und Spot-Lackieren: mit wasserbasierendem Dispersionslack (matter und glänzender Klarlack, Metall- und Iriodin-Effektpigmentlack, Migrations- und Frostbarrierelack, mikrogekapselter Duftlack, Haftgrund* für Blisterverpackungen, Schweisslack*, Relieflack* für Brailleschrift und Flexodruck-Strukturtapeten, Vordruck für andere Lackarten), mit Drucklack (pigmentlose Offsetdruckfarbe matt/glänzend, Relieflack* im Sicherheitsdruck), mit Heisskalanderlack* (folienähnlicher Hochglanz-Klarlack), mit Lösemittellack (Tiefdruckglanzlack, Nitroglanzlack*, Härtelack* gegen viele Chemikalien), mit UV-Lack (hochglänzender Klarlack, Metalleffektpigmentlack), mit Gloss- und Security-Toner im Digitaldruck.
Laminieren: Folienkaschieren*
(Trockenkaschieren mit Lösemittelklebstoff, Nasskaschieren mit Dispersions- oder UV-Klebstoff, Thermokaschieren mit Hotmelt-Kleber oder mit Siegelwachs vorbeschichteten Folien) auf getrocknete Druckfarben aller Verfahren (mit klartransparenten und opaken, glänzenden, matten, strukturierten Folien), Granulatkaschieren (durch Aufsprühen, oft in Verbindung mit Flexo-Weissvordruck), Einsiegeln (beidseitiges Kaschieren mit Randverschweissung).
Gummieren: Kuverts und Briefmarken. Besprühen: mit Duftstoffen (z. B. Zeitungs-, Zeitschriften-, Geschenkpapier).
Trennen
Stanzen: Flachstanzen* von Druckbogen (Faltschachteln, Nassleimetiketten, Versandhüllen, Fenster, Tragegriffe, Mailings, Werbedrucksachen mit auffälligen Formen, Register) und Rotationsstanzen an Bahnen (Formulare, Anstanzen von Haftetiketten).
Perforieren: Erzeugen von Sollreiss-Bereichen (Tickets, Endlosformulare, Briefmarken, Faltschachtel-Laschen*).
Verformen
Blindprägen: erhabene oder vertiefte Reliefs, Prägehologramme*.
Heissfolienprägen: vertiefte Reliefs in Kombination mit farbigen oder metallisierten Pigmenten von einer Transferfolie.
Rillen/Nuten: Scharnierwirkung bei steifen Materialien (Faltschachteln, Kuverts). (dk)
*) ausschliesslich offline
Dieter Kleeberg

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