Der Versuch der alten Dame
Banken Ruf Lanz schickt für Bank Coop eine 87-Jährige auf Diebestour. Sie soll für Anlagen werben.
Banken Ruf Lanz schickt für Bank Coop eine 87-Jährige auf Diebestour. Sie soll für Anlagen werben.Die Diktatoren Mobutu, Marcos und Norriega haben kein Konto bei der Bank Coop. Mit diesem Ausschluss-Verfahren hat Ruf Lanz in einer ersten Kampagne für das gute Image der Bank Coop geworben. Gewisse Kunden sind nicht erwünscht. Jetzt wird die Idee umgedreht: Es gibt Leute, die unbedingt ein Konto bei der Bank Coop haben sollten. Angesprochen werden potenzielle Kunden im Bereich Anlageberatung über die kinoreife Geschichte einer 87-jährigen Frau. In einem Filmspot wird augenzwinkernd gezeigt, wie die Rentnerin ihre Finanzen mit dem Raub von Handtaschen aufbessern muss. Sie hat es verpasst, in jüngeren Jahren auf die Dienste der Anlageberater bei der Bank Coop zu vertrauen. «Wir haben bei der Jahrespräsentation Ideen mit unterschiedlichem Frechheitsgrad vorgestellt. Dieser Spot hat gerade wegen seiner Pointiertheit spontan Anklang gefunden», freut sich CD Markus Ruf über den Mut der Bank Coop. «Es gibt kein Budget wie bei Grossbanken. Also müssen wir schneller auffallen und pointierter werben», kann Ruf Lanz ihre Arbeit mit den bis jetzt jeweils sehr unkonventionellen Kampagnen für Bank Coop auch strategisch begründen.
Erfolg in drei SchrittenNeben quantitativen Zielen wie Wachstum und Ertrag setzt sich die Bank Coop auch qualitative Ziele, welche soziale, ethische und ökologische Aspekte beinhalten. Diese Haltung hat die Agentur im Frühling 2003 mit der Imagekampagne «Eine anständige Bank» zum Ausdruck gebracht. Mit dem Claim «Wir sind stolz darauf, dass nicht jedermann ein Konto bei uns hat» wurde neben den Printsujets mit den Diktatoren auch ein TV-Spot mit Ed Fagan gezeigt. Der Sammelklagenschreck war auf die Frage eines Reporters, was er von der Bank Coop halte, völlig ratlos. Weil er noch nie von ihr gehört hatte …
Dieser Imagekampagne ist es gelungen, die Bekanntheit der Coop Bank deutlich zu erhöhen und zu zeigen, wofür sie steht: Wohlstand mit Anstand. So wurde die gestützte Bekanntheit von 2002 auf 2004 um 14 Prozent gesteigert. Auch der Agentur hat dieser Erfolg mehr Bekanntheit gebracht. Die Kampagne wurde zweimal mit ADC-Silber, je einmal ADC-Bronze und Shortlist, Gold bei den New York Festivals, Gold beim Midas, Finalist in Cannes, bei Eurobest, Epica und London Festival dekoriert.
In einem zweiten Schritt konnte nach dem Image dann die Produktebene folgen. 2004 liess Ruf Lanz in einer weiterhin unkonventionellen TV-Spotserie echte Bankerinnen und Banker – Berater, Analysten und auch Führungskräfte – bekannte Schlaflieder singen. Mit der originellen Auflösung: «Wir möchten, dass alle ruhig schlafen können» – auch jene, die bis jetzt noch nicht von den Oeko-Hypotheken der Bank Coop oder dem gebührenfreien Privatkonto profitieren.
Mit der jetzt angelaufenen Kampagne 2005 geht Ruf Lanz nochmals einen Schritt weiter in der Kommunikation. Es soll gezeigt werden, dass die Bank Coop auch eine Anlagebank ist. Die Botschaft: Es lohnt sich, rechtzeitig mit einem Anlageberater der Bank Coop zu sprechen. Denn hier ist man auch als Anleger mit einem kleineren Vermögen willkommen. Und das ersparte Geld wird nachhaltig angelegt. So dass man im Alter genug davon hat.
Umgesetzt wird das drastisch pointiert mit dem Gegenteil: Wer sein Geld nicht rechtzeitig nachhaltig anlegt, der hat im Alter vielleicht zu wenig davon.
Dramatisiert wird diese Erkenntnis in einem aufwändig produzierten TV-Spot: Eine sympathische alte Dame tuckert auf einem Puch Maxi in die Stadt hinein. Sonnenstrahlen kitzeln ihr Gesicht. Die Zuschauer haben das Gefühl, die alte Dame sei auf dem Weg in die Bäckerei oder ins Café. Umso überraschter ist man, als die Seniorin mit ihrem Töffli ganz nahe an einen jungen Mann heranfährt – und ihm blitzschnell die schicke Freitagtasche entreisst. Sie wirft ihr Diebesgut in das Metallkörbchen vorne am Mofa. Dann gibt sie mit einem triumphierenden Lachen Gas. Im Text dazu die lakonische Auflösung: «Damit Sie im Alter ohne Nebeneinkünfte auskommen. Sprechen Sie rechtzeitig mit einem unserer Anlageberater. Bank Coop. Eine anständige Bank.»
Making of…Für die Umsetzung hat Ruf Lanz auf eine bereits 87 Jahre alte Kinoschauspielerin aus Schweden gesetzt. «Wir wollten jemanden, der nicht so penetrant schauspielert, wie das zum Teil in anderen Schweizer Spots der Fall ist», meint Markus Ruf. Für den betagten Star hat man nicht den Aufwand, aber dafür alle Risiken gescheut. So sass die alte Dame gar nie selber auf dem Mofa, sondern liess sich für die Fahrszenen doubeln. Für jene Szenen, in denen man sie gross im Bild sieht, wurde das Mofa auf einen Autoanhänger montiert, auf welchem die Frau bequem Platz nehmen konnte.
Condor als Produzent des Spots hat mit den Dreharbeiten gezeigt, dass man auch in Zürich pittoreske Plätzchen und versteckte Gassen so ins Bild rücken kann, dass die Szenen wie aus einem grossen Kinofilm wirken. Regie führte Andreas Hoffmann. Dieser hat für Ruf Lanz bereits den preisgekrönten Spot für Suva mit dem Unglücksraben im Gipskorsett auf der Herrentoilette realisiert. Die Musik ist von Space Train passend zur trügerischen Beschaulichkeit so komponiert worden, damit der Entreissdiebstahl möglichst überraschend wirkt. (ap)
Zusatzrente: Weil die Seniorin nicht beizeiten mit ihrem Banker gesprochen hat, muss sie jetzt zu dreisten Methoden greifen.
Andreas Panzeri
Erfolg in drei SchrittenNeben quantitativen Zielen wie Wachstum und Ertrag setzt sich die Bank Coop auch qualitative Ziele, welche soziale, ethische und ökologische Aspekte beinhalten. Diese Haltung hat die Agentur im Frühling 2003 mit der Imagekampagne «Eine anständige Bank» zum Ausdruck gebracht. Mit dem Claim «Wir sind stolz darauf, dass nicht jedermann ein Konto bei uns hat» wurde neben den Printsujets mit den Diktatoren auch ein TV-Spot mit Ed Fagan gezeigt. Der Sammelklagenschreck war auf die Frage eines Reporters, was er von der Bank Coop halte, völlig ratlos. Weil er noch nie von ihr gehört hatte …
Dieser Imagekampagne ist es gelungen, die Bekanntheit der Coop Bank deutlich zu erhöhen und zu zeigen, wofür sie steht: Wohlstand mit Anstand. So wurde die gestützte Bekanntheit von 2002 auf 2004 um 14 Prozent gesteigert. Auch der Agentur hat dieser Erfolg mehr Bekanntheit gebracht. Die Kampagne wurde zweimal mit ADC-Silber, je einmal ADC-Bronze und Shortlist, Gold bei den New York Festivals, Gold beim Midas, Finalist in Cannes, bei Eurobest, Epica und London Festival dekoriert.
In einem zweiten Schritt konnte nach dem Image dann die Produktebene folgen. 2004 liess Ruf Lanz in einer weiterhin unkonventionellen TV-Spotserie echte Bankerinnen und Banker – Berater, Analysten und auch Führungskräfte – bekannte Schlaflieder singen. Mit der originellen Auflösung: «Wir möchten, dass alle ruhig schlafen können» – auch jene, die bis jetzt noch nicht von den Oeko-Hypotheken der Bank Coop oder dem gebührenfreien Privatkonto profitieren.
Mit der jetzt angelaufenen Kampagne 2005 geht Ruf Lanz nochmals einen Schritt weiter in der Kommunikation. Es soll gezeigt werden, dass die Bank Coop auch eine Anlagebank ist. Die Botschaft: Es lohnt sich, rechtzeitig mit einem Anlageberater der Bank Coop zu sprechen. Denn hier ist man auch als Anleger mit einem kleineren Vermögen willkommen. Und das ersparte Geld wird nachhaltig angelegt. So dass man im Alter genug davon hat.
Umgesetzt wird das drastisch pointiert mit dem Gegenteil: Wer sein Geld nicht rechtzeitig nachhaltig anlegt, der hat im Alter vielleicht zu wenig davon.
Dramatisiert wird diese Erkenntnis in einem aufwändig produzierten TV-Spot: Eine sympathische alte Dame tuckert auf einem Puch Maxi in die Stadt hinein. Sonnenstrahlen kitzeln ihr Gesicht. Die Zuschauer haben das Gefühl, die alte Dame sei auf dem Weg in die Bäckerei oder ins Café. Umso überraschter ist man, als die Seniorin mit ihrem Töffli ganz nahe an einen jungen Mann heranfährt – und ihm blitzschnell die schicke Freitagtasche entreisst. Sie wirft ihr Diebesgut in das Metallkörbchen vorne am Mofa. Dann gibt sie mit einem triumphierenden Lachen Gas. Im Text dazu die lakonische Auflösung: «Damit Sie im Alter ohne Nebeneinkünfte auskommen. Sprechen Sie rechtzeitig mit einem unserer Anlageberater. Bank Coop. Eine anständige Bank.»
Making of…Für die Umsetzung hat Ruf Lanz auf eine bereits 87 Jahre alte Kinoschauspielerin aus Schweden gesetzt. «Wir wollten jemanden, der nicht so penetrant schauspielert, wie das zum Teil in anderen Schweizer Spots der Fall ist», meint Markus Ruf. Für den betagten Star hat man nicht den Aufwand, aber dafür alle Risiken gescheut. So sass die alte Dame gar nie selber auf dem Mofa, sondern liess sich für die Fahrszenen doubeln. Für jene Szenen, in denen man sie gross im Bild sieht, wurde das Mofa auf einen Autoanhänger montiert, auf welchem die Frau bequem Platz nehmen konnte.
Condor als Produzent des Spots hat mit den Dreharbeiten gezeigt, dass man auch in Zürich pittoreske Plätzchen und versteckte Gassen so ins Bild rücken kann, dass die Szenen wie aus einem grossen Kinofilm wirken. Regie führte Andreas Hoffmann. Dieser hat für Ruf Lanz bereits den preisgekrönten Spot für Suva mit dem Unglücksraben im Gipskorsett auf der Herrentoilette realisiert. Die Musik ist von Space Train passend zur trügerischen Beschaulichkeit so komponiert worden, damit der Entreissdiebstahl möglichst überraschend wirkt. (ap)
Zusatzrente: Weil die Seniorin nicht beizeiten mit ihrem Banker gesprochen hat, muss sie jetzt zu dreisten Methoden greifen.
Andreas Panzeri
