Fernsehen per Faustrecht

TV Mit dem Bluewin-Videorecorder wird gezieltes, werbefreies Fernsehen möglich. JvM/ Limmat machts vor.

TV Mit dem Bluewin-Videorecorder wird gezieltes, werbefreies Fernsehen möglich. JvM/ Limmat machts vor. Produktspezifische Mediaplatzierungen haben es oft in sich: Im Multimediabund der letzten SonntagsZeitung buhlten zwei konkurrenzierende Produkte hintereinander um die Gunst der nahezu deckungsgleichen Zielgruppe – junge, aktive Multimedia-begeisterte, deren Lebensstil vom modernen Multitasking geprägt ist. Masse vs. Individualität
Weil diesen zielloses Herumzappen und sinnloses Glotzen nicht erlaubt ist, kann ihnen die Kommunikationstechnologie künftig zwei Lösungen anbieten: Cablecoms «intelligenteres TV-Erlebnis» (siehe Seite 7), welches das Programmangebot so stark ausweitet, dass jederzeit jeder Geschmack getroffen wird, oder Swisscoms Alternative – «selbst bestimmtes TV-Erlebnis». Mit dem Videorecorder Bluewin TV 300 der Internetprovider-Tochter soll sich der Konsument aus dem bestehenden TV-Angebot sein individuelles Programm in Eigenregie zusammenstellen können. Anschauen kann er es, wann und wie es ihm gefällt.
Dank ein paar Fernbedienungstasten läutet der Videorecorder mit eingebauter Festplatte das Ende der Unterbrecherwerbungära ein. Denn, nicht nur lässt sich das Programm stoppen und zeitversetzt weiterverfolgen, Passagen können zudem jederzeit wiederholt oder übersprungen werden. Bis zu 200 Stunden TV-Programm kann das Gerät speichern. Entsprechend dürfte sich die Nutzungsart des TVs der eines Printmediums annähern, weil sich Inhalte gezielt anwählen und anschauen lassen. Nötig dafür sind nicht nur der mietbare Recorder, sondern auch ein Internetanschluss, durch das der elektronische Programmführer die Auswahl und Aufzeichnung der Sendungen ermöglicht.
Doch zurück zur «zufälligen» Nähe der Anzeigenplatzierung. Die widerspiegelt auch das ähnlich dichte Distributionsnetz und die Preispolitik der beiden Innovationen – zehn Rappen günstigere Monatsmieten bei Swisscom und jeweils 95 Franken für die Einrichtungsgebühr, wobei Cablecom diese in der Launchphase ihren Kunden erlässt.
Nahe liegend ist denn auch, dass die Launchkampagnen in ihrem Multimediamix verwandt sind: Nebst der informativen PR- und Onlineschiene setzt auch Jung von Matt/Limmat (JvM) auf zwei TV-Spots mit fünf Tagons. Letztere sind hier das Filetstück der Kampagne. Denn verglichen mit den publireportageartigen Anzeigen – in denen letztlich ein eher belangloses Testimonial von Bertrand Piccard eine bessere Betriebsanleitung aufzuwerten versucht – glänzen die Spots mit bester kybernetischer Ironie in ihrem Umfeld.
Deus ex machina
Unter dem Motto «Sie machen das Programm» hat das Kreativteam der CDs Tom Seinige und Alexander Jaggy die Vorteile des Bluewin TV 300 offensichtlich gemacht. Im einen sieht man ein Liebespaar in der 174. Folge der schmalzigen Seifenoper «The Filthy & The Rich». Plötzlich erscheint eine riesige Hand – Deus ex machina – und wischt das inbrünstig küssende Paar vom Set. Im anderen Streifen nervt ein Klugscheisser in einer Dutzendquiz-Show. Noch bevor der Quizmaster seine Fragen ausformuliert hat, beantwortet sie der Nerd mit massloser Selbstgefälligkeit. Bis ihn eine riesige Hand aus heiterem TV-Studio-Himmel einstampft.
Die Spots zeigen, dass im anbrechenden TV-Zeitalter der Zuschauer dem Programmdiktat der Sender ein Ende setzt. «Was er nicht sehen will, wirft er einfach raus und gestaltet sein eigenes Programm», erklärt Seinige. Der Benefit liegt auf der Hand: Missliebige Sendungen aus dem Programm zu werfen, macht Spass.
Einen Werbeblock per Faustrecht aus dem Programm zu spedieren, war den Werbern wohl zu heiss. Dafür kommen die Reminder auf die Produktefeatures des Harddiscrecorders zurück, die auch im Internet mit einer Produktdemo und in verschiedenen unterstützenden Druckprodukten veranschaulicht werden.
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Handstreich: JvM/Limmat zeigt, wie man Programmdirektor wird.

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