Keine Kompromisse

Qualitätssicherung Damit alle Beteiligten eines Druckverfahrens eine hohe Güte garantieren können, brauchts eine gewisse Standardisierung – diese lässt sich in fünf Stufen zusammenfassen.

Qualitätssicherung Damit alle Beteiligten eines Druckverfahrens eine hohe Güte garantieren können, brauchts eine gewisse Standardisierung – diese lässt sich in fünf Stufen zusammenfassen.Die fortschreitende Automatisierung der Prozesse in Agenturen, Premedia/Druckvorstufe, Druck und Verarbeitung/Veredelung sowie die immer engere Vernetzung dieser Bereiche erfordern in wachsendem Umfang Workflow-Komponenten und Verfahren, mit denen sich zuverlässig alle relevanten Prozessgrössen abbilden und steuern lassen. Nichts darf mehr dem Zufall überlassen werden, denn kleine Fehler und Unterlassungen können sich fatal auf die Endqualität auswirken. Jeder muss sich auf die Qualitätssorgfalt des Vorgängers im Workflow verlassen können.Heute sollte gelten: Keine Kompromisse bei der Qualität! Nicht nur an der Preisschraube drehen, sondern sich über die Sorgfalt bei den Kunden profilieren. Mit grösserem Bewusstsein erschliesst man sich die wirklich lukrativen Aufträge. Es lohnt sich also, in ein Qualitätsmanagement auf der Basis einer konsequenten Standardisierung und Sicherung zu investieren. Damit sind im Endeffekt auch erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen drin: keine unnötigen Korrekturschleifen, kein Nachbessern, keine qualitätsbedingten Reklamationen. Und die resultierende Zufriedenheit ist unbezahlbar, festigt sie doch die Kundenbeziehungen und beschert durch Mundpropaganda neue Kunden.
Die Agenturen und die nachfolgenden Dienstleister in der Druck- und Verpackungsindustrie sind inzwischen bemüht, möglichst viele Prozesse zu standardisieren. Damit lassen sich nicht nur die Arbeitsergebnisse jederzeit exakt wiederholen, sondern auch die Abläufe stärker industriell gestalten, d. h. weitestgehend automatisieren und somit von subjektiven Einschätzungen und Fehlbedienungen befreien.
Stufe 1: KalibrierenUnter Kalibrieren ist das Herbeiführen von jederzeit reproduzierbaren Grundeinstellungen, Ausgangszuständen und Rahmenbedingungen an Geräten und Maschinen zu verstehen. Das bedeutet, dass der Kalibrierungszustand der Produktionsumgebung bzw. der Teilprozesse erfasst und regelmässig überprüft werden muss, um die Gültigkeit
bestehender Charakterisierungsdateien (Stufe 2) sicherzustellen und um neue Konstellationen (z. B. andere Materialien) zuverlässig charakterisieren zu können. In einer Agentur betrifft die Qualitätssicherung in erster Linie das Colormanagement, d. h., es sind täglich Monitore und Proofdrucker zu kalibrieren. Bei Mediendienstleistern und Vorstufenbetrieben kommen Filmbelichter plus Plattenkopie oder Plattenbelichter hinzu. Und in einer Druckerei müssen an den Maschinen die technischen Vorgaben wie Druckspannung, Normalfärbung und -feuchtung, Registerhaltigkeit etc. erfüllt sein.
Zum Überprüfen des Kalibrierungszustands an einem Monitor wird ein Kolorimeter benötigt – ein Messkopf, der den geforderten Weisspunkt von 5000 Kelvin im normalen Betriebszustand oder unter Wirkung eines Monitorprofils verifiziert. Es gibt auch Monitore, die sich – wie Scanner und Digitalkameras – selbst kalibrieren. Der Kalibrierungszustand eines Proof-Druckers lässt sich leicht an einem Testausdruck feststellen, indem mit einem Spektralfotometer oder Spektraldensitometer entweder der unentbehrliche Ugra/Fogra-Medienkeil oder ein Graustufenkeil in den vier Prozessfarben ausgemessen wird. Der Proof-Drucker muss bestimmte Volltondichten erreichen, die Graustufenkeile müssen eine lineare Tonwert-Prozent-Abstufung wiedergeben.
Stufe 2: Teilprozesse erfassenCharakterisieren bedeutet das Erfassen der für die Tonwert- und Farbwiedergabe verantwortlichen Prozessgrössen an kalibrierten Geräten und Maschinen. Ein Charakterisierungsergebnis repräsentiert deshalb nicht nur einzelne Kenngrössen, sondern ganze Teilprozesse, worin die jeweiligen Geräte oder Maschinen eingebunden sind. Ein Proof-Drucker wird immer in Verbindung mit der Publishing-Software, aus der heraus gedruckt wird, charakterisiert.
Je nach Messzweck und -verfahren werden zwei Arten von Charakterisierungsdateien erstellt: Tonwertübertragungs-Kennlinien und ICC-Profile. Kennlinien bilden das Tonwertübertragungsverhalten zwischen zwei Teilprozessen ab, z.B. zwischen RIP-Plattenbelichter-Konfiguration und Druckmaschine. Ausgewertet werden Stufenkeile, die am zuverlässigsten mit einem CCD-Plattenmessgerät auf der Druckplatte und nach dem Druck mit einem Densitometer auf dem Papier gemessen werden. ICC-Profile spiegeln das individuelle Farbwiedergabeverhalten eines Geräts im Teilprozess wider. Zu ihrer Erstellung sind eine spezielle Software (z. B. GretagMacbeth ProfileMaker, X-Rite Monaco), die Mess- und Sollwerte vergleicht, und geeignete Farbmesstechnik nötig.
Stufe 3: StandardisierenEntscheidend ist, dass im Unternehmen Standards gelten und zwischen den Partnern die Einigkeit über die verwendeten Standards besteht. Grundlegend empfiehlt es sich, nach den an ISO-Standards orientierten Richtlinien Medien Standard Druck und ProzessStandard Offsetdruck bzw. bei anderen Druckverfahren mit den entsprechenden ISO-Normen zu arbeiten. In den Agenturen und der Vorstufe bedeutet dies, Colormanagement-Profile gemäss ICC-Spezifikation (International Color Consortium) zu erstellen und zu verarbeiten sowie PDF-Daten nach Möglichkeit mit PDF/X-3-Distiller-Settings, zumindest aber mit immer denselben optimierten Einstellungen zu generieren. Dabei ist es sinnvoll, in Sachen Colormanagement auf die Altona Test Suite und in der PDF-Problematik auf Enfocus Certified PDF, die anwendungsspezifischen PDF/ X-Einstellungen der Ghent PDF Workgroup oder auf die Empfehlungen des Vereins PDFX-ready zusätzlich zurückzugreifen. Legitim ist es natürlich auch, die Hausstandards von Kunden und Partnern zu berücksichtigen.
Stufe 4: Industriell produzierenErst das Anwenden der objektiven Charakterisierungsdateien auf die kalibrierte Produktionsumgebung zusammen mit einer ständigen messtechnischen Prozesskontrolle stellt sicher, dass die Sollwerte innerhalb der Toleranzen gesteuert beziehungsweise korrigiert werden. Dies ermöglicht den Übergang zu einer industriellen Produktion bzw. in Richtung Automatisierung.
Beispielsweise wird bei der Tonwertübertragung nur noch regelmässig gemessen, ob die RIP-Belichter-Konfiguration auf eine lineare Wiedergabe eingestellt ist, so dass die ursprünglich ermittelte Kennlinie in der Tonwertreproduktionskurve der Bildbearbeitung (TRC in Photoshop beziehungsweise implementiert im ICC-Profil) berücksichtigt werden kann. Somit wird der Tonwertzuwachs im Druck kompensiert. Bogenoffset- (niedrig), Heatset-Rollenoffset- (hoch) und Zeitungsdruck (gemäss ISO = 26 Prozent) unterscheiden sich deutlich in den Tonwertzuwachswerten, was bei der Aufbereitung von Anzeigen in den verschiedenen Printmedien zu berücksichtigen ist.
Stufe 5: QualitätssicherungDie Qualitätssicherung bezieht sich nicht nur auf die Qualitätskontrolle an Zwischen- und Endprodukten, sondern stellt in den Stufen 1 bis 4 die Einhaltung von Kalibrierungszuständen, Standardvorgaben, Toleranzen und spezifischen Anforderungen in allen Teilprozessen bzw. an allen Arbeitsplätzen sicher. Gemessen und geprüft wird also zu allen Zeitpunkten:
1. vor dem Produktionsprozess:
(Eingangskontrollen an Bedruckstoffen, Druckfarben und – in Form von automatischen Prüfroutinen – an Daten, z.B. PDF-Preflights);
2. während der Produktion (Offline-, Online- oder Inline-Messungen von Prozessgrössen);
3. nach Produktionsende (komplette oder stichprobenartige Endkontrolle).
Dabei werden auch Parameter überprüft, die nicht in einem der genannten Standards verankert sind, etwa die Präzision beim Falzen und Beschneiden.
Überhaupt wird Qualität grundsätzlich in allen Teilprozessen gefordert. Deshalb beginnt die Qualitätssicherung schon in der Werbeagentur.
Altona Test SuiteIntegriert in die Altona Test Suite sind:
– 15 PDF-Dateien, speziell entwickelt zur Prüfung von Proof-Druckern sowie konventionellen und digitalen Drucksystemen;
– 16 nummerierte A3-Referenzdrucke und 7 Färbungsstandards für Offset- und Endlosdruck;
– 6 Charakterisierungsdaten und 6 ICC- Profile gemäss DIN ISO 12647-2;
– 1 umfassende Dokumentation (PDF und gedruckt).
Die Testform ISO 1264-2 (IT8.7/3) ersetzte die European Color Initiative durch ECI 2002, deren 1485 Messfelder den gesamten Farbraum besser als bisher repräsentieren. Visuell bewertet werden u. a. Prozess-, Duplex- und Sonderfarben, Überdrucken sowie Verläufe und Auflösungsgrenzen. Die PDF- und Colormanagement-Dateien der Suite lassen sich u. a. zu Testjobs generieren, mit denen sich die Kompatibilität eines Composite-PDF-Workflow mit PDF/X-3 bewerten lässt.
Weitere Informationen: www.altona testsuite.com, www.ugra.ch (dk)
ISO 12647 und 2846Die DIN ISO 12647 «Grafische Technik – Prozesskontrolle für die Herstellung von Raster-Farbauszügen, Andruck, Prüfdruck und Auflagendruck» ist der zentrale internationale Standard für sämtliche Druckverfahren. Die Europaskala (DIN 16539) ist längst nicht mehr Standard-Druckfarbenskala, sondern die DIN ISO 2846 «Grafische Technik – Farbe und
Transparenz von Druckfarbensätzen», die zur Kennzeichnung der Prozessfarben und Zusammendrucke CIELAB-Daten nutzt. (dk)
Dieter Kleeberg

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