Hilfe, holt mich hier raus!

Hausrat Wirz Werbung sucht im Keller und im Estrich nach brauchbaren Dingen fürs Zürcher Brockenhaus. Und für einen guten Zweck.

Hausrat Wirz Werbung sucht im Keller und im Estrich nach brauchbaren Dingen fürs Zürcher Brockenhaus. Und für einen guten Zweck.Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Sujets von Tierschützern oder Menschenrechtlern, die auf ihre Anliegen aufmerksam machen. Bei genauerem Hinsehen kommt dann aber Licht ins Dunkel, und man erkennt, dass hinter der traurig düsteren und deshalb auffälligen Plakatkampagne das Zürcher Brockenhaus steckt. Dahinter wiederum steckt das Team von Wirz Werbung. Zusammen mit dem Fotografen Roger Schneider haben die Kreativen eine alte Standuhr hinter Gitter gesteckt, einen geknickten Teppich in einer kalten Garage verbuddelt und eine sichtlich gebrauchte Ständerlampe in einem halbdunkeln Estrichverschlag eingeschlossen. «Ganz bewusst so, dass bei den Betrachtern ein wenig Mitleid mit den vermenschlichten Gegenständen aufkommt», meint CD Matthias Freuler. Er und sein Team hoffen inständig, dass möglichst viele die neue Telefonnummer 055 555 55 55 wählen, damit die Männer vom Brockenhaus umgehend mit dem Lastwagen vorfahren und alte, aber noch brauchbare Sachen «befreien».
Wirz Werbung lanciert schon länger jedes Jahr im Sommer eine solche Plakatkampagne fürs Zürcher Brockenhaus. Die Sujets sind regelmässig sehr witzig. Ob im Weissen Haus in Washington, im Buckingham Palace oder sogar bei der alten Swissair: Wirz Werbung ist für das Zürcher Brockenhaus schon mehrfach kreativ fündig geworden.
Mit der neuen Kampagne will man darauf aufmerksam machen, dass es sicher in vielen Haushalten noch brauchbare Dinge gibt, die seit Jahrzehnten im Estrich oder Keller ungenutzt vor sich hinmodern oder sogar schon mehrmals gezügelt worden sind, ohne dass sich an ihrem Schicksal etwas geändert hätte.
Der Sommertermin für die Plakate liegt zeitlich günstig zwischen den Zügelterminen im April und Oktober. Die Kampagne zielt dabei vorwiegend auf Lieferanten beziehungsweise Spender der nicht mehr gebrauchten Möbel. Abnehmer für billige Schnäppchen sind beim Verein Brockenhaus an der Zürcher Neugasse bereits in genügendem Mass vorhanden.
Der Verein und die Stiftung Zürcher Brockenhaus unterstützen mit dem Erlös aus ihren Verkäufen soziale Projekte wie zum Beispiel Altersheime, Pro Senectute, den Verein für Jugendwohnhilfe oder auch das Wohnheim Frankental.
Ganz und gar keine verstaubte SacheWeil man beim Zürcher Brockenhaus überzeugt ist, dass man alles wieder verwenden kann, haben AD Chantal Heimo und Texter John Leuppi von Wirz Werbung für den neuen Geschäftsbericht eine passende Idee entwickelt: Alle Facts, Figures und Bilder des diesjährigen 100. Brockenhaus-Geschäftsberichts sind auf Putzpapier gedruckt, mit dem man nach dem Lesen des Berichts seine eigenen Möbel abstauben kann. Die wieder verwendbaren Geschäftsberichte für das Brockenhaus haben Tradition. Schon im letzten Jahr sind die Zahlen auf Zettel gedruckt worden, deren Rückseite als «Formulare» und Notizblätter für diverse Aktivitäten im Haushalt noch einmal verwendet werden konnten.
Eine sinnvolle Idee seit 100 JahrenDas Zürcher Brockenhaus konnte letztes Jahr auf ein 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Die gemeinnützige Institution hat in dieser Zeit eine segensreiche Tätigkeit entwickelt. Der Name Brockenhaus kommt aus der Bibel, wo Jesus nach der «Speisung der 5000» seinen Jüngern befiehlt: «Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verloren gehe!»
Der deutsche Pastor Friedrich von Bodelschwingh, Gründer der Bethelmission, schuf 1872 eine «Anstalt für Fallsüchtige» und eröffnete eine Sammel- und Verkaufsstelle für gebrauchte Waren, deren Ertrag zur Finanzierung seines sozialen Werkes diente. Bei der Suche nach einem Namen für seine Sammelstelle erinnerte er sich an die Bibelstelle – das Brockenhaus war geboren.
Jahrzehnte später wurden die Bestrebungen Bodelschwinghs durch den Philanthropen Julius Müller weiter entfaltet. Müller hat ein eigentliches Brockenhaus gegründet und ihm die Aufgaben und Ziele gesetzt, die heute allen in Deutschland und in der Schweiz vorkommenden bestehenden Brockenhäusern zukommen.
Das erste «offizielle» Brockenhaus wurde 1904 in Zürich gegründet. Seither hat das Original Konkurrenz von Flohmärkten bis zu kommerziellen Sammelstellen oder das Brocki der Heilsarmee Zürich erhalten.
Eine Ständerlampe wartet sehnsüchtig auf ihre Befreiung: Wirz Werbung rät, umgehend die Nummer des Brockenhauses zu wählen.
Nutzwert: Der 100. Brockenhaus-Geschäftsbericht ist auf Putzpapier gedruckt, mit dem sich Möbel abstauben lassen.
Stimmung im Keller: Wirz Werbung empfiehlt, weggesperrte Haushaltgegenstände aus ihrer misslichen Lage zu befreien und ihnen im Brockenhaus eine Chance auf einen neuen Lebensinhalt zu geben.
>> Seite 7
Andreas Panzeri

More articles on the topic